Digital lesen: So wird das E-Buch sexy

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Alle reden von E-Books, nur eines gibt es in Deutschland nicht: ein gutes, einfaches, preiswertes Angebot. SPIEGEL ONLINE zeigt, woran das System krankt - und was Leser wollen, damit digitales Lesen endlich Spaß macht.

E-Books: Lesehilfen für Nerds Fotos

Der digitale Handel war mal eine große Verheißung für die Hersteller. Er versprach allen Beteiligten nur Vorteile - die Produzenten sollten mehr verdienen, weil sie physisch nichts mehr produzieren müssten. Die Kosten für Herstellung, Lagerung und Transport sollten entfallen; Kosten, für die normalerweise der Hersteller in Vorlage geht, und ob er sein Geld je wiederbekommt, weiß er nicht.

Dieses Geschäft ist eine teure Lotterie, in der die Chancen sehr ungleich verteilt sind. Denn natürlich gelingt es dem finanzkräftigen Großverlag, Major Label oder Filmverleih besser als dem Kleinverleger, Indie-Label oder Direktvertrieb, seine Waren mit großer Aufmerksamkeit in den Handel zu bringen.

Im Netz hingegen sind alle gleich und haben alle die gleichen Chancen - jubelten zumindest Euphoriker Mitte der neunziger Jahre in unzähligen Artikeln und Marketing-Büchern. Einen Teil des gewonnenen Vorteils könne man sogar an die Kunden weitergeben: Sonderangebote machen, generelle Preisnachlässe einräumen. Seit eineinhalb Jahrzehnten fordern diverse Theoretiker des E-Commerce, man müsse die Käufer dafür belohnen, dass sie anstelle des Herstellers nun Kosten von Herstellung, Lagerung und Vertrieb übernehmen. Denn ist es nicht der Kunde, der sich die Ware brennt oder ausdruckt? Der in Vorlage geht und Hunderte Euro ausgibt, bevor er ein E-Book überhaupt lesen kann?

So ist das wohl - aber die Realität sah lange anders aus. Musik- und Filmindustrie haben mit aberwitzigen Preisvorstellungen, unzureichender Technik und unzumutbarem Rechtemanagement verhindert, dass ein Markt entstehen konnte. Sie überließen stattdessen den Illegalen das Feld. Erst jetzt, nachdem eine Krise gut jeden dritten Beschäftigten in der Musikbranche den Job gekostet hat, beginnt ein Umdenken.

Endlich werden vernünftige Preise verlangt, der Kopierschutz über digitales Rechtemanagement (DRM) ist passé, und Kunden werden für Online-Käufe mit Vorteilen belohnt. Selbst Flatrates für den kostenpflichtigen Vollzugang zur Musik dieser Welt sind inzwischen möglich und werden zunehmend genutzt.

2009 wird sich nach dem Musikbusiness und der Filmindustrie wahrscheinlich die nächste Branche auf das digitale Abenteuer einlassen: der Buchhandel und die Verlage. Sie hatten zehn Jahre Gelegenheit, die Fehler der anderen Kreativindustrien zu beobachten und daraus zu lernen. Genutzt haben sie diese allerdings nur spärlich - was die Branche in diesem Jahr auf der Frankfurter Buchmesse stolz vorführt, ist kein digitales Angebot, sondern ein Placebo.

Wieso hakt es bisher mit E-Büchern in Deutschland? Minimale Auswahl, inkompatible Angebote, Kopierschutz-Gängelung - SPIEGEL ONLINE zeigt, wie Verlage Fehler der Musikindustrie wiederholen:

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. eBooks
Andreas Pokladek 16.10.2009
Na, das überrascht uns doch nicht, oder ? Wieder denken alle kleinlich an ihren Profit und die bösen Raubkopierer...und verpassen die Chance ein -wie der Artikel so treffend beschreibt- einfaches und überzeugendes System zu schaffen. Es ist halt immer schwierig wenn geschäftliche Interessen die Weiterentwicklung bestimmter Techniken bestimmen und nicht der idealistische Wunsch etwas wirklich neues, praktisches und zukunftsweisendes zu installieren. Ich verstehe letztenendes die Produktmanager nicht die so etwas verzapfen, wer läßt sich denn auf so eine Sch... (sorry) ein. Itunes hat dann irgendwann kapiert was man bringen muss um die Leute zu überzeugen und ist heute Marktführer. Interessant, dass die Umsätze OHNE komplizierte Rechteschutzmassnahmen steigen... Wirklich schade, dass die technischen Möglichkeiten durch kleinliche Paranoia begrenzt werden. Es könnte alles so prima sein...wenn die Manager nicht so beschränkt wären. Eigentlich ist doch allen klar wie es funktionieren sollte. Aber keiner tut es...schade. P.S.: Warum ist eigentlich nicht PDF das Format der Wahl ?
2. erbärmlich
labyrinthe 16.10.2009
Es ist erbärmlich wie der Handel mit dem Thema umgeht. Ich hätte liebend gerne ein e-book und ich bin sicher, sehr viele andere auch. Und genau wegen des starrsinnigen Geziere das im Artikel so treffend beschrieben wird werden wir wohl noch eine ganze Weile darauf warten müssen. Schade um die vertane Zeit.
3. Umsätze...
rudolf semmelweis 16.10.2009
Ohne digitales Rechtemanagement steigen nicht einfach nur die Umsätze, die Hersteller ersparen sich auch die Irrsinnskosten dieser Systeme!
4. Ohne mich
taiga 16.10.2009
Hatte mich mit dem Gedanken angefreundet, mir bald einen e-book-reader anzuschaffen. Nach diesem Artikel nun nicht mehr: Ich bin doch nicht blöd.
5. Nicht alles ganz richtig
Kreni 16.10.2009
Also manche Sachen in diesem Artikel sind so nicht ganz richtig. Ich weiß ja nicht wie es in Deutschland ist, ich kaufe alle meine Bücher in England oder den USA - aber dort kann ich z.b. alle meine Bücher bei Hardwareverlust oder Reader-Wechsel jederzeit wieder neu herunterladen. Ausserdem ist es kein Problem eine Kopie auf einem PC zusätzlich zu halten. @ Andreas Pokladek: pdf ist bewußt nicht das Standard Format weil es fest durchformatiert ist - wenn du zwischen Geräten mit verschiedenen Bildschirmgrößen oder Zoomfaktoren oder Formaten wechselst kann es nicht einfach den Zeilenumbruch ändern. Das im Artikel erwähnte epub Format wird immer mehr zum Standard - es ist ein offenes Format, nicht Hersteller-spezifisch.
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Übersicht: E-Book-Reader
Sony: Lesegerät für deutsche Titel
AP
Sonys Lesegeräte, zum Beispiel das PRS-505, können das EPUB-Format lesen. In diesem Format mit digitaler Rechteverwaltung bietet der Buchhandel hierzulande rund 14.000 deutschsprachige Titel zum kostenpflichtigen Download an. Das Angebot ist klein, die Texte genauso teuer wie in Papierform - dafür können Titel auch virtuell aus öffentlichen Bibliotheken entliehen werden. Das 250 Gramm schwere Gerät mit Schwarzweiß-Display kostet in Deutschland um 200 Euro.
Amazon: Lesegerät mit Shop-Anbindung
dpa
Das Online-Versandhaus Amazon hat seinen eigenen E-Book Reader entwickelt. Der Kindle ist bereits in zweiter Version erhältlich und verbindet sich drahtlos über UMTS zum eigenen Angebot. Zu kaufen gibts nicht nur rund 200.000 englischsprachige Bücher, sondern auch Abonnements von Zeitschriften und Zeitungen. So lässt sich zum Beispiel die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" online abonnieren. Die aktuelle Ausgabe wird dann einfach aufs Gerät gefunkt. Das in Deutschland verbreitete EPUB-Format beherrscht der Kindle von Haus aus nicht. Das knapp 300 Gramm schwere Gerät, dessen Display 16 Graustufen anzeigen kann, kostet in Deutschland mit Versand- und Importgebühren rund 250 Euro.
Apple: Shop (noch) ohne Lesegerät
AP
Schon jetzt gibts in Apples iTunes-Store nicht nur Musik, Video und Software, sondern auch Bücher zum kostenpflichtigen Download. Auf dem kleinen Display des iPhones macht das Lesen der über W-Lan oder Mobilfunknetz heruntergeladenen Dateien zwar keinen großen Spaß, doch hartnäckig hält sich das Gerücht, dass der Konzern spätestens im nächsten Jahr einen eigenen Tablet-PC vorstellt. Mit großem Farbdisplay und Touchscreen wäre das Riesen-iPhone wie gemacht dafür, auch aufwendig illustrierte Bücher digital zu konsumieren.
Txtr, Wisereader und Co.
In Deutschland sind eine Reihe weiterer E-Book-Reader erhältlich. Sie verstehen sich ebenso wie das Sony-Gerät auf das EPUB-Format, in dem der deutsche Buchhandel eine kleine Auswahl an Titeln bereit hält. Die Berliner Firma Txtr bietet einen eigenen Shop an, mit dem sich das Lesegerät direkt verbinden lässt - gegen eine monatliche Gebühr. Eine Übersicht haben wir für Sie in diesem Artikel zusammengestellt.

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E-Book-Hardware: Lesegeräte von Sony und Amazon

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