Digitale Bibliothek US-Richter stoppt Googles Buch-Deal

Es geht um Millionen Bücher, die Google gratis ins Web stellen will - dabei hat der Internetgigant jetzt einen Rückschlag hinnehmen müssen: Ein US-Richter kassierte die Vereinbarung, die der Konzern zuvor mit Verlagen getroffen hatte.

Google-Logo: "Eine enttäuschende Entscheidung"
ddp

Google-Logo: "Eine enttäuschende Entscheidung"


New York - Im Streit um die Digitalisierung und Verbreitung von Büchern im Web hat Google eine juristische Schlappe erlitten: Ein Richter in New York wies am Dienstag eine Vereinbarung zwischen dem Internetkonzern auf der einen Seite sowie Verlagen und Autoren auf der anderen Seite als wettbewerbsverzerrend zurück.

Die Vereinbarung hätte Google "einen beträchtlichen Vorteil gegenüber Mitbewerbern" verschafft und den Konzern "dafür belohnt, dass er urheberrechtlich geschütztes Material ohne Genehmigung kopiert", heißt es in dem Urteil von Richter Denny Chin.

Google digitalisiert für seinen Internetdienst Google Books seit Jahren Millionen Bücher, um sie dann im Internet kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die Zustimmung der Verlage und Autoren hatte sich der Konzern vorher nicht eingeholt. Dagegen hatten diese 2005 geklagt; drei Jahre später schlossen sie eine Vereinbarung mit Google.

Der Vertrag sah vor, dass Google Chart zeigen pauschal eine Summe von 125 Millionen Dollar (rund 87 Millionen Euro) in einen Fonds einzahlt. Damit wären die Autoren- und Publikationsrechte abgegolten, Google müsste sich so nicht für jedes Buch einzeln die Genehmigung holen.

Richter Chin bemängelte nun, dieser Deal mit den Verlagen hätte Google "beträchtliche Rechte zur Ausbeutung kompletter Bücher verschafft, und zwar ohne Genehmigung der Rechteinhaber". Auch das US-Justizministerium hatte diese Vereinbarung kritisiert, ebenso mehrere europäische Regierungen. Google-Anwältin Hilary Ware nannte die Entscheidung enttäuschend. "Ungeachtet des Ergebnisses werden wir weiter daran arbeiten, mehr Bücher online über Google Books auffindbar zu machen", sagte sie.

Eine wichtige Rolle in den Verhandlungen spielten Bücher, die vergriffen sind und noch dem Urheberschutz unterliegen, ohne dass ein Kontakt zum Autor hergestellt werden kann. Die Einnahmen aus dem Verkauf der digitalen Ausgaben dieser "verwaisten Bücher" hätten nach den Plänen von Google zehn Jahre lang eingefroren werden sollen. In dieser Zeit hätten Copyright-Inhaber Ansprüche geltend machen können.

suc/AFP/dapd

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 19 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Emil Ule, 23.03.2011
1. Google
hat nie ernsthaft auch nur versucht, "kontakt zu Rechteinhabern" vergriffener Bücher aufzunehmen. Das ist blanke Augenwischerei. Man hat die Scanner in die Bibliotheken gestellt und dort digitalisiert. Die Bibliotheken haben sich gefreut und fertig. Insofern hat google sehr wohl mit Genehmigung digitalisiert - nur hätten sie "aktuelle" Bücher niemals Online stellen dürfen. Ich bin froh, dass dieser "Deal" endlich kassiert wurde. Es gibt längst Drucker, die ein lukratives Geschäft daraus machen, die von google ins Netz gestellten Bücher zu saugen, zu drucken und als gebundene Version zu verticken, ohne dass der Autor auch nur einen Cent sieht. Das weiß Google auch und sie unternehmen nichts dagegen. Wenn das andere Leute machen, nennt man sie Raubkopierer und verknackt sie. Es ist eine ziemliche Frechheit, sich über Gesetze einfach hinwegzusetzen und anschließend zu sagen "wenn ich in Deinem Fall das Gesetz beachten soll, musst Du mir das schriftlich geben." Normalerweise läuft das schon seit dem Mittelalter andersrum.
Systemrelevanter 23.03.2011
2. Schade
Und wieder blockieren juristische Winkelzieher eine großartige Entwicklung, obwohl sich beide Seiten geeinigt haben. Soviel zum freien Markt. Wie dramatisch wäre es auch gewesen, wenn das Internet zur größten u.v.a. kostenlosen Bibliothek der Welt geworden wäre. Zugang zu Wissen für jeden, weltweit, der Netzzugang hat. Ein Wahnsinn, dass dieser dramatische Mehrwert zugunsten von Kleingeistern zerstört wird.
BlakesWort 23.03.2011
3. Mehr Informationen bitte!
Ich fühle mich durch diesen Kurzartikel nicht viel schlauer als vorher. Was genau hat denn der Richter damit kassiert? Darf Google Widerspruch einlegen? Ich begrüße es, dass die Justiz in den USA langsam wach wird und Internetfirmen wie google ein paar Schranken aufweisen will. Seit nunmehr 10 Jahren verdienen sie sich eine Goldene Nase mit Informationen, in deren Besitz sie zu großen Teilen rechtswidrig gelangt sind. Würden die (Denk-)Mühlen der Justiz im Internetzeitalter nicht viel zu langsam mahlen, wären solche Dinge bereits im vornherein vermeidbar gewesen. Google selbst hat gemessen am Umsatz sehr wenige Mitarbeiter, vernichtet aber mit ihrer Informationen-von-Dritten-frei-Haus-Politik sehr viele Arbeitsplätze und Existenzen. (Hier trifft es mal die Autoren, einen Berufszweig der zu großen Teilen von der Hand in den Mund lebt.)
desireless, 23.03.2011
4. Die übliche Taktik von Google
Bei Streetview ging es genauso. Erstmal wird alles gescannt und wer dann seine Rechte verletzt sieht, soll bitteschön von sich aus aktiv werden und sie bei Google einfordern. Hier fehlt das Einschreiten des Staates, der die Rechte seiner Bürger als Gesamtheit wahrnimmt und bei grober Verletzung entweder den Schuldigen in die Schranken verweist oder - wie in diesen Fällen - die Holschuld auf Seite von Google verlegt. Aber das wird nie passieren, denn hinter den Mauern arbeiten Staat und Wirtschaft zusammen, längst bedienen sich Behörden aus dem mittlerweile fast unerschöpflichen Datenreichtum von Facebook, Google & Co. Was Geheimdienste bisher nicht schafften, erledigt jetzt das Web 2.0.
ambestenwisser, 23.03.2011
5. New Media empowert Autoren, Google auch
Ich kann dieses Gejammere über Google nicht mehr hören. Es geht hier um Bücher, die nicht mehr erhältlich sind. Die Rechteinhaber verdienen ohne Google also genau 0 Euro mit diesen Büchern. Mit Google bekommen Sie jetzt ganz einfach die Möglichkeit etwas damit zu verdienen. Dafür müssen Sie sich nur melden und klar machen, dass Sie Ansprüche haben. Den Rest macht Google. Wer das Geld nicht will, der braucht nichts machen und bekommt, genau die 0 Euro, die er vorher bekommen hat. Außerdem werden Werke, deren Verwertung sich sonst nicht lohnen, würde wieder zugänglich. Was neben den Lesern, auch die Autoren freut, weil in der Regel schreibt man, weil man will, dass es gelesen wird. Wenn Google nicht gepusht hätte, wären die Verlage nie in die Puschen gekommen. Die Verlage, die den Autoren nur einen winzigen Bruchteil der Einnahmen geben, sollen sich hier nicht als Schützer der Autoren aufspielen. Bei modernen online-Vertriebswegen ist es längst üblich, dass die Autoren um die 70% bekommen und nicht die jämmerlichen 5-10%, die die Verlage gnädigerweise abgeben.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.