Netzwelt-Ticker: Digitalfoto enttarnt Anonymous-Aktivisten

Von Felix Knoke

Ein Anonymous-Unterstützer soll Polizeiserver gehackt und digitale Spuren wie ein Anfänger hinterlassen haben - das FBI nahm einen texanischen Linux-Administrator fest. Außerdem im Überblick: Kanada will Digitalgeld erfinden lassen, Google-Brille birgt ungeahnte Gefahren - warnen Witzbolde.

Aktivisten-Foto: Im Bild verborgene Ortsdaten führten Ermittler zu der abgebildeten Dame Zur Großansicht

Aktivisten-Foto: Im Bild verborgene Ortsdaten führten Ermittler zu der abgebildeten Dame

"Mein Name ist Higinio Ochoa und bis vor kurzem war ich auch als higochoa und w0rmer bekannt." So beginnt ein Manifest, ein Schuldeingeständnis, eine Dokumentation eines Aktivisten, der sich dem Hacktivismus von Anonymous verschrieben hatte.

Auf Twitter bezeichnet sich Ochoa selbst als Spieler, Hacker, Web-Designer, Programmierer und Liebhaber aller technischen Dinge. Für das FBI aber war er vor allem eines: jemand, der in fremde Computer einbrach und in Computer-Netzwerken randalierte.

Vor ein paar Tagen nahm das FBI den Hacker fest, einen 30-jährigen Linux-Administrator aus Texas. Ihm wird zur Last gelegt, als Teil der Anonymous-Operation "Pig Roast" in mehrere Polizeiserver eingebrochen zu sein, Privatdaten von Polizisten veröffentlicht zu haben und auf den Servern der Bezirksverwaltung Nachrichten hinterlassen, Kalendereinträge verändert und Administratoren-Konten gelöscht zu haben.

In seinem öffentlichen Statement spielt Ochoa seine Hackerkünste klein. Ironisch schreibt er von der "Komplexität von SQL-Injektionen", einer beliebten weil einfachen Methode für Dateneinbrüche. Und so weit her dürfte es mit seiner digitalen Kriegskunst tatsächlich nicht sein: Das FBI kam ihm auf die Spur, nachdem sie Ochoas Klarnamen in einem Forum lasen, gleich neben seinem Hacker-Spitznamen. Schlimmer noch: In einem bei einem der Dateneinbrüche auf einem Behördenserver platzierten Foto fanden sie in den Metadaten Ortsangaben, die sie zu einer Freundin Ochoas führten. Die ganzen Brotkrumen, die das FBI letztlich zu Ochoa leiteten, hat "Ars Technica" aufgeführt.

Ochoa ist auf Kaution frei. Am 10. April geht seine Verhandlung weiter.

Wie sich die Mediennutzung in Deutschland verändert

Betrachtet man traditionelle Medien wie Fernsehen, Radio, Zeitschriften und Tageszeitungen, unterscheiden sich die Nutzungsgewohnheiten von jüngeren Bevölkerungsschichten kaum von denen der Gesamtbevölkerung. Vor allem Fernsehen steht hoch im Kurs, wie eine Infografik von Statista zeigt. Fragt man aber nach digitalen Medien, öffnet sich ein tiefer Graben. Während beispielsweise 91 Prozent der 14- bis 29-Jährigen soziale Netzwerke nutzen, bringt es die Gesamtbevölkerung gerade mal auf 55 Prozent. Ältere Menschen vernetzen sich also immer noch lieber ohne elektronische Hilfsmittel - so das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom.

Spannend wird die Infografik aber, wenn man die Nutzungsdauer mit dem Nutzungsanteil vergleicht. Dann wird offensichtlich, dass die jüngere Zielgruppe viel weniger Zeit vor dem Fernseher verbringt und diese stattdessen lieber im Internet und mit Musikhören verbringt. Oder mit Lesen. Denn auch das zeigen die aus der Online-Studie von ARD und ZDF entnommenen Zahlen: Junge Leute zwischen 14 und 29 lesen viel häufiger Bücher als ihre älteren Mitmenschen. (mak)

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Statista

Kanadas Münzpresse sucht Digitalgeld-Erfinder

Digitale Währungen gelten als Hacker-Kleingeld, Geldwäsche-Abkürzung und Schwarzmarkt-Schmiermittel. Doch jetzt will die kanadische Münzprägeanstalt Royal Canadian Mint eine eigene digitale Währung einführen: die MintChips.

MintChips erinnern in ihrer Aufmachung etwas an Bitcoins, dürften aber letztlich eher wie zentral verwaltete Gelddienste funktionieren. Als elektronische Geldbörse dienen Computer, Handys, USB-Sticks und Cloud-Speicher; überwiesen wird durch die Übermittlung eines Zahlenstrangs. In einem Wettbewerb werden Software-Entwickler dazu aufgerufen, Apps zu entwickeln, die die so genannten MintChips verwenden können.

Weil MintChips mit einer zentralisierten Infrastruktur funktionieren, sieht "TechCrunch" die Adressaten der wirklichen Herausforderung nicht bei App-Entwicklern, sondern bei Hackern. Für die dürften MintChips schnell ein begehrtes Ziel werden.

Googles Datenbrille, die Wahrheit

Googles Ankündigung, eine Datenbrille entwickeln zu wollen, hat hohe Wellen geschlagen. Aber es gibt auch Kritiker, die sich an die längst gebrochenen Heilsversprechungen der Augmented- und Virtual-Reality-Träumer erinnern - und ihrerseits wieder ein paar Träume zerbrechen lassen wollen - mit Hilfe eines satirischen Werbevideos für die Google-Brille. So, wie's nämlich wirklich ist - mit viel Gefluche.

(Und dass es noch einen ganz anderen, guten Grund gegen dieses und solche Werbevideos gibt, erklärt das Techland-Blog des "Time"-Magazins).

Was am Donnerstag sonst noch wichtig war

  • Blogger Pofpen hat ein interessantes Experiment gewagt: Er hat einen so genannten A/B-Test mit einer handgekritzelten und einer aufwendig gestalteten Online-Werbeanzeige gleichen Inhalts gemacht. Ergebnis: eindeutig.
  • Wie groß, gewaltig, mächtig sind eigentlich Porno-Websites? Extremetech hat einige Messversuche unternommen und - neben unzähligen laschen Wortwitzen - auch einige interessante Zahlen zusammengesucht.
  • Hinter dem Dateneinbruch der US-Krankenversicherung MedicAid dürften europäische Hacker stecken. Sie hatten die Datensätze von 24.000 Patienten erbeutet, die auch die in den USA so wichtige Sozialversicherungsnummern enthielten.

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Reality struck
Stelzi 05.04.2012
Es ist doch immer wieder amüsant zu lesen, wie die Realität diese vandalierenden "Hacktivisten" in den Arsch kneift, weil sie zwar 100110100 denken können, aber offensichtlich nicht 1+1. Und so wird einer nach dem anderen abgeerntet und landet im analogen und erschreckend realistischen Knast, wo Zellengenosse Bubba schon auf eine neue Braut wartet.
2.
cbmuser 05.04.2012
Zitat von sysopÄltere Menschen vernetzen sich also immer noch lieber ohne elektronische Hilfsmittel - so das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom. Netzwelt-Ticker: Digitalfoto enttarnt Anonymous-Aktivisten - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,825990,00.html)
Benutzen ältere Menschen kein Telefon?
3. Keine Elektronik
Pat-Riot 05.04.2012
Zitat von cbmuserBenutzen ältere Menschen kein Telefon?
Oder Hörgeräte?
4. Für ein titelfreies SPON-Forum
spoonium 06.04.2012
Ein Anonymous wurde anhand Exif-Daten in einem Bild enttarnt? Da war er aber wohl zuwenig in 4Chan unterwegs, da wird sowas ständig gemacht. ;) Ok, der Rest war auch schön blöd, keinen Proxy und seinen "normalen" Nickname auch für seine Hack Aktivitäten zu verwenden. Der kann echt nicht 1+1 zusammenzählen, wie ein Vorposter bereits anmerkte.
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  • Felix Knoke schreibt von Berlin aus über elektronische Lebensaspekte und versucht sich vergeblich als Hitproduzent in seinem Wohnzimmerstudio.

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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

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