Bildkomposition: Fünf Profi-Tipps für bessere Fotos

Von Elin Rantakrans und Tobias Hagberg

Details hervorheben, Strukturen entdecken, einen überraschenden Blickwinkel wählen: Wer beim Fotografieren genau hinsieht und etwas nachdenkt, dem gelingen ungewöhnliche Aufnahmen. Fünf Tipps aus dem Fachbuch "Das perfekte Foto".

Tipp 1: Dynamische Bildkomposition wählen

Eine Bildkomposition baut darauf auf, welche Elemente als Motiv für ein Bild ausgewählt werden und wie diese Elemente aufeinander wirken. Ziel eines guten Fotos ist es, das Auge des Betrachters einen Moment festzuhalten und über das Bild wandern zu lassen.

Die Komposition trägt dazu bei, ein bestimmtes Element im Bild besonders zu betonen. Viele Fotografen wenden hierzu die so genannte Dreiteilungsregel an, bei der die Bildfläche imaginär durch drei vertikale und zwei horizontale Linien in neun gleichgroße Flächen eingeteilt wird.

In dem Beispielfoto erzeugen die leeren Sitze im Zug von Philadelphia nach Atlantic City ein rhythmisches Muster, das durch den einsamen Passagier durchbrochen wird.

Dynamische Bildkomposition: Gleichmäßige Stuhlreihen, durchbrochen von einem Passagier (für Komplettansicht bitte anklicken) Zur Großansicht
Elin Rantakrans/ dpunkt-Verlag

Dynamische Bildkomposition: Gleichmäßige Stuhlreihen, durchbrochen von einem Passagier (für Komplettansicht bitte anklicken)

Bei einigen Kameras ist dieses Kästchenmuster sogar auf dem Display oder im Sucher zu sehen. Liegt das Motiv nun auf einer dieser Linien oder auf einem der Schnittpunkte, wird es als besonders wichtig im Bild empfunden. Es gibt aber keine Faustregel für alle Fotosituationen, deshalb hilft nur eins, um herauszufinden, was funktioniert und was nicht: Viel fotografieren!

Tipp 2: Muster und Farben erkennen

Auffallend oft sind es rhythmische Muster oder Strukturen, die den Unterschied zwischen einem guten und einem schlechten Bild ausmachen. Das Motiv kann dabei ganz einfach sein, wie zum Beispiel abblätternde Farbe auf einer rauen Steinwand, ein Farbkontrast oder ein einzelnes Detail, das aus dem Bild heraussticht und den Rhythmus des Bildes unterbricht.

In dem Beispielfoto erlaubt es eine zufällige Lücke im Menschenmeer vor dem Kolosseum in Rom, Mutter und Kind auf effektvollem einem Untergrund zu zeigen.

Muster: Die Hintergrundstruktur hebt das Motiv im Vordergrund hervor (für Komplettansicht bitte anklicken) Zur Großansicht
Tobias Hagberg / dpunkt-Verlag

Muster: Die Hintergrundstruktur hebt das Motiv im Vordergrund hervor (für Komplettansicht bitte anklicken)

Tipp 3: Nicht immer aus Augenhöhe

Linien geben dem zweidimensionalen Bild Perspektive und Tiefe. Fotografiert man aus Augenhöhe, wirkt das dezent und funktioniert praktisch immer, es kann allerdings schnell langweilig werden, alles und jeden so abzulichten. Die Vogelperspektive, bei der man auf das Motiv herunterschaut, verkleinert und kann herablassend wirken, während die Froschperspektive mit dem Blick von unten ein Motiv optisch vergrößert.

Das Beispielfoto zeigt das Ribergsborgs-Schwimmbad im südschwedischen Malmö, die formelle Komposition zieht den Blick auf die Bildmitte.

Der richtige Blickwinkel: Etwas unter Augenhöhe fotografiert, der Blick wird auf die Bildmitte gezogen (für Komplettansicht bitte anklicken) Zur Großansicht
Elin Rantakrans / dpunkt-Verlag

Der richtige Blickwinkel: Etwas unter Augenhöhe fotografiert, der Blick wird auf die Bildmitte gezogen (für Komplettansicht bitte anklicken)

Die richtige Perspektive ist besonders wichtig, wenn man Gebäude oder Stadtlandschaften fotografiert. Um dem Foto Tiefe zu verleihen, sollte man nicht direkt vor dem Motiv stehen, sondern ein wenig seitlich davon. Bei Gebäudefotos ist auch das Licht wichtig: Ein etwas härteres Sonnenlicht betont architektonische Details und erzeugt Volumen, während diffuses Licht flach macht und ein Gebäude nichtssagend erscheinen lässt. Ein bewölkter Tag kann hingegen andere Qualitäten des Gebäudes hervorheben, wie beispielsweise dessen Farben oder die vorherrschende Stimmung.

Tipp 4: Das Wichtigste betonen

Will man ein Detail im Bild besonders betonen, kann es ganz weit vorne in der Bildkomposition platziert, isoliert oder durch Licht hervorgehoben werden.

Verwirrende Details: Trotz der vielen farbigen Bänke wirkt das Bild klar und einfach - der Fotograf ist nah genug an das Kind herangetreten. Zur Großansicht
Tobias Hagberg/ dpunkt-Verlag

Verwirrende Details: Trotz der vielen farbigen Bänke wirkt das Bild klar und einfach - der Fotograf ist nah genug an das Kind herangetreten.

Fotografiert man beispielsweise die Akropolis mit einem winzig kleinen Menschen davor, so ist der Mensch wohl kaum das Wichtigste auf dem Foto, sondern vielmehr ein Hilfsmittel, um zu zeigen, wie groß das Gebäude ist.

Ist hingegen der Mensch wichtiger als das Gebäude, platziert man ihn näher vor die Kamera, sodass die Akropolis zum Hintergrund wird statt zum Hauptmotiv.

Das Beispielfoto wurde im Vergnügungspark Gröna Lund in Stockholm aufgenommen - weil der Fotograf nah genug an das Kind heranging, gelang ihm auch in diesem Durcheinander von Details ein einfaches und klares Bild.

Noch ein Tipp: Unser Blick wird automatisch von Schrift angezogen. Passen Sie also auf, wenn Sie ein Reklameschild oder ein T-Shirt mit Textaufdruck im Bild haben, weil der Betrachter des Fotos immer zuerst den Text lesen wird, bevor er den Rest des Bildes wahrnimmt.

Tipp 5: Details entdecken

Ein kleines Detail kann viel erzählen. Fotografiert man eine ganze Hausfassade, kommt die Besonderheit des Gebäudes möglicherweise gar nicht zur Geltung. Ein Detail kann indes exemplarisch für das Ganze stehen.

Detail: Durch Heranzoomen des Motivs entsteht ein intimerer und offenerer Eindruck, als wenn man das gesamte Gebäude von Weitem fotografiert hätte. Zur Großansicht
Elin Rantakrans/ dpunkt-Verlag

Detail: Durch Heranzoomen des Motivs entsteht ein intimerer und offenerer Eindruck, als wenn man das gesamte Gebäude von Weitem fotografiert hätte.

Anstatt große Motive mit dem Weitwinkelobjektiv aus entsprechender Entfernung aufzunehmen, kann man sein Bild auch im Kleinen finden. Richten Sie Ihren Blick ab und zu nach unten oder gehen Sie ganz nah an ein Motiv heran. Lassen Sie das Unwichtige einfach weg und fokussieren Sie auf das, was Sie mit Ihrem Bild aussagen möchten.

Diese fünf Tipp stammen aus dem Foto-Ratgeber "Das perfekte Foto - 71 Tipps vom Profi", verfasst von Elin Rantakrans und Tobias Hagberg, erschienen beim dpunkt Verlag.

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insgesamt 13 Beiträge
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1. ...
champagnero 17.08.2012
Zitat von sysopElin Rantakrans / dpunkt-VerlagDetails hervorheben, Strukturen entdecken, einen überraschenden Blickwinkel wählen: Wer beim Fotografien genau hinsieht und etwas nachdenkt, dem gelingen ungewöhnliche Aufnahmen. Fünf Tipps aus dem Fachbuch "Das perfekte Foto". http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,850624,00.html
Bei der Dreiteilungsregel wird das Bild mit jeweils ZWEI horizontalen und vertikalen Linien geteilt... ;-)
2. Wenn das schon nicht stimmt,
hdudeck 17.08.2012
Zitat von champagneroBei der Dreiteilungsregel wird das Bild mit jeweils ZWEI horizontalen und vertikalen Linien geteilt... ;-)
was soll man dann vom Rest des Artikel halten?
3. zwei horizontale
Konrad Lischka SPIEGEL ONLINE 17.08.2012
Vielen Dank für den Hinweis! Ich habe den Vertipper korrgiert.
4.
hyperlord 17.08.2012
Zitat von Konrad Lischka SPIEGEL ONLINEVielen Dank für den Hinweis! Ich habe den Vertipper korrgiert.
Wenn Sie jetzt von den drei vertikalen Linien auch noch eine wegnehmen, würde es sogar stimmen.
5. Die Waage ;-]
Altesocke 17.08.2012
Zitat von champagneroBei der Dreiteilungsregel wird das Bild mit jeweils ZWEI horizontalen und vertikalen Linien geteilt... ;-)
Sieht (zumindest) Sony auch als funktionsfaehig fuer Videos an. Sind in's Display einzublenden, und nicht nur eine gute Hilfe um in Waage zu bleiben!
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