Probleme bei Digitalwährung Große Bitcoin-Plattformen schränken Handel ein

Die drei größten Handelsplätze für die digitale Währung Bitcoin schränken Auszahlungen und Transaktionen drastisch ein. Die Anbieter begründen das mit Schwachstellen in der Bitcoin-Software - es werden auch gezielte Angriffe vermutet.

Internet-Währung Bitcoin: Mt. Gox, BTC-E und Bitstamp schränken den Handel ein
REUTERS

Internet-Währung Bitcoin: Mt. Gox, BTC-E und Bitstamp schränken den Handel ein


Zwei der größten Handelsplattformen für die Digitalwährung Bitcoin haben den Handel in der Nacht zum Mittwoch eingeschränkt. Bei den Anbietern Bitstamp und BTC-E können Privatleute die Bitcoin zu aktuellen Kursen gegen staatliche Währungen tauschen oder Bitcoin erwerben. Bitstamp hat nun den Transfer von Guthaben (in Bitcoins und Währungen) gestoppt, BTC-E spricht von "Verzögerungen" beim Abwickeln von Transaktionen.

Die beiden Plattformen sind nach dem Handelsumsatz die größten Umschlagsplätze für die Digitalwährung Bitcoin. Das geht aus Handelsdaten des Software-Anbieters Blockchain.info und von Bitcoincharts.com hervor. Laut beiden Plattformen hatten Bitstamp und BTC-E in der jüngsten Vergangenheit einen erheblich höheren Handelsumsatz als die wohl bekannteste Bitcoin-Handelsplattform Mt. Gox.

Die Betreiber der Handelsplattformen deuten an, dass Überlastungsangriffe auf ihre Infrastruktur und Software-Probleme die Ursache für die Unregelmäßigkeiten beim Handel sind. Bitstamp (laut eigenen Angaben im britischen Reading ansässig) verweist in einer knappen Erklärung auf Software-Probleme. Die Verwaltungsprogramme für die Guthaben und Bitcoin-Transaktionen hätten fehlerhafte Ergebnisse geliefert, Grund seien Überlastungsangriffe.

Diese würden eine Schwachstelle in der Software eines Verwaltungsprogramms für Bitcoin-Guthaben ausnutzen. Die Bitstamp-Verantwortlichen versprechen eine schnelle Behebung des Problems: "Wir sind zuversichtlich, dass alles bald wieder normal läuft."

Die Stellungnahme von BTC-E ist wesentlich kürzer:

Wegen eines DDOS-Überlastungsangriffs auf das Bitcoin-Netzwerk könne es "Verzögerungen" bei der Abwicklung von Transaktionen geben, die zwischen dem 10. und 11. Februar ausgeführt wurden, schreibt ein Vertreter der angeblich in Zypern ansässigen Firma.

Die dritte große Bitcoin-Handelsplattform Mt. Gox hatte bereits am Montag einen temporären Stopp aller Bitcoin-Auszahlungen angekündigt. Mt. Gox begründet das Aussetzen ebenfalls mit Software-Problemen, die ganz ähnlich wie die bei Bitstamp und BTC-E klingen. Die technische Erklärung bei Mt. Gox ist detaillierter als bei der Konkurrenz. Ein Fehler in der Bitcoin-Software ermögliche es, durch gezielte Angriffe zu verhindern, dass der Transfer von Bitcoin von einem Speicherort zu einem anderen protokolliert wird. Das digitale Geld wechselt zwar den Besitzer, doch im kollektiven Speicher aller Transaktionen taucht dieser Transfer bei einem erfolgreichen Angriff nicht auf. Die Aufzeichnung aller Transaktionen ist aber ein zentraler Bestandteil des Bitcoin-Systems.

Die Überlastungsangriffe, von denen BTC-E und Bitstamp sprechen, könnten Versuche sein, diese Schwachstelle auszunutzen. Es könnten aber auch Versuche sein, den Handel zu stören und so Preise für Bitcoin in staatlichen Währungen fallen zu lassen - Kursmanipulation mittels Softwareangriffen. Bereits am Montag war der Bitcoin-Kurs in Euro eingebrochen. Am Mittwochvormittag lag er, leicht erholt, in der Region von 490 Euro pro Bitcoin.

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
tatwort 12.02.2014
1. Banken
Zitat von sysopREUTERSDie drei größten Handelsplätze für die digitale Währung Bitcoin schränken Auszahlungen und Transaktionen drastisch ein. Die Anbieter begründen das mit Schwachstellen in der Bitcoin-Software - es werden auch gezielte Angriffe vermutet. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/digitalwaehrung-grosse-bitcoin-plattformen-schraenken-haendel-ein-a-952924.html
Ein solcher Angriff bedarf einerseits eines grossen Fachwissens, andererseits aber auch umfassender finanzieller Mittel. Wer jemals in Deutschland, Österreich und der Schweiz versucht hat, eine Firma aufzubauen, welche sich mit Bitcoins beschäftigt, der weiss, dass die Banken hier _keine_ Hand bieten, im Gegenteil: sie versuchen, einem möglichst viele Steine in den Weg zu legen. Wer zudem noch gelesen hat, welche Diskussionen in der Bankenwelt über die Zukunft des Handels mit Fiat-Währungen laufen, findet schnell eine Antwort auf die Frage: Cui bono.
juerler@saxonia.net 12.02.2014
2. Bitcoin
Zitat von sysopREUTERSDie drei größten Handelsplätze für die digitale Währung Bitcoin schränken Auszahlungen und Transaktionen drastisch ein. Die Anbieter begründen das mit Schwachstellen in der Bitcoin-Software - es werden auch gezielte Angriffe vermutet. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/digitalwaehrung-grosse-bitcoin-plattformen-schraenken-haendel-ein-a-952924.html
Die Banken werden schon das nötige tun um ihre Monopolstellung zu verteidigen.Natürlich mit hilfe der Regierungen, speziell der USA.
GaliX622 12.02.2014
3. -----
1.)ein SPON Artikel der Bitcoin nicht als "Hackerwährung" und schlecht über Bitcoin berichtet? Ein schöner Tag. 2.) Die Auszahlungen der Bitcoins aus den Börsen betreffen nur auszahlungen von 10-11.02. Aktuell funktionieren withdraws wieder. 3.) Mt. Gox ist tot. Gox hat gar keine Aussagekraft. Dort gibt es schon seit über 3 Monaten keine Bank-Fiatgeld Auszahlungen. Des Weiteren gibt es bis unbestimmte Zeit dort keine Bitcoin Auszahlungen mehr. Kurzgesagt: Mt.Gox ist ein schwarzes Loch.
middleline 12.02.2014
4.
Zitat von tatwortEin solcher Angriff bedarf einerseits eines grossen Fachwissens, andererseits aber auch umfassender finanzieller Mittel. Wer jemals in Deutschland, Österreich und der Schweiz versucht hat, eine Firma aufzubauen, welche sich mit Bitcoins beschäftigt, der weiss, dass die Banken hier _keine_ Hand bieten, im Gegenteil: sie versuchen, einem möglichst viele Steine in den Weg zu legen. Wer zudem noch gelesen hat, welche Diskussionen in der Bankenwelt über die Zukunft des Handels mit Fiat-Währungen laufen, findet schnell eine Antwort auf die Frage: Cui bono.
Ich würde den Banken auch nicht über den Weg trauen. Aber der Schluss Banken böse -> Banken schuld ist doch schon sehr kurz gegriffen. Zumal die Banken dann ja auch gerne als strunzdumm beschrieben werden. Für jemanden der nicht weis, wie man einen Rechner einschaltet müsste es doch eine hohe Hürde sein, das angeblich zu 100% sichere Bitcoinsystem zu hacken. Aber hauptsache wir haben gleich mal wieder eine Verschwörungstheorie. Dann ist alles schön schwarz/weiß und wir können die möglicherweise kompliziertere Realität ignorieren.
muellerthomas 12.02.2014
5.
Zitat von juerler@saxonia.netDie Banken werden schon das nötige tun um ihre Monopolstellung zu verteidigen.Natürlich mit hilfe der Regierungen, speziell der USA.
Ist ein Monopol aus tausenden banken ein Monopol? Zudem ist es doch nicht verboten, eine neue Bank zu gründen. Worin besteht also das Monpol?
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