Kostenloskultur Das gibt es gerade im Netz geschenkt

Clipfish zeigt eine Comedyserie über Billigflieger, ein Reporter spaziert durch den wohl traurigsten Vergnügungspark der Welt - und die "Computer Show" lässt die Achtziger aufleben. Fünf Gratisangebote aus dem Netz.

Von


1. Mit Perücke und Fettanzug: "Come Fly With Me"

Die zwei vom Check-in: Matt Lucas und David Walliams als Melody und Keely
Clipfish/ BBC

Die zwei vom Check-in: Matt Lucas und David Walliams als Melody und Keely

"Wir hatten keinen Flugzeugabsturz seit Dienstag!", prahlt Omar. In der britischen Comedy-Serie "Come Fly With Me" leitet er die Billigfluglinie "Flylo" - und kennt, wenn es ums Sparen geht, keine Tabus. Schwimmwesten gibt es nur gegen Geld, Toiletten werden abgeschafft. "Ist Flug eine Stunde lang? Du kannst das halten!", versichert Omar.

Die Mockumentary von den "Little Britain"-Machern Matt Lucas und David Walliams handelt von einem fiktiven Flughafen und karikiert schamlos Flugbegleiter, Check-in-Personal und Kaffeeverkäufer. Viele Figuren werden von Lucas und Walliams selbst gespielt - sie tragen Perücken und falsche Glatzen, künstliche Nasen und Fettanzüge. Die Männer schlüpfen in Frauenrollen, verkleiden sich mal als Drag Queen oder Großmutter, mal als japanische Schulmädchen mit Zahnspange.

Der politisch inkorrekte Klamauk wurde unter anderem von Oliver Kalkofe und Oliver Welke synchronisiert. Die sechs Folgen der BBC-Serie sind in deutscher Übersetzung und im Original bis März 2016 kostenlos auf Clipfish zu sehen.

2. Zurück in die Achtziger: "Computer Show"

Zum Verwechseln retro: "Computer Show" im Stil der Achtzigerjahre
YouTube/ Computer Show

Zum Verwechseln retro: "Computer Show" im Stil der Achtzigerjahre

Nein, diese Sendung stammt nicht aus den Achtzigerjahren - trotz dumpfer Tonspur und Chiptune-Intro, trotz ockerbraunem Studio und des Bildformats 4:3. Die "Computer Show" könnte die perfekte Fälschung alter TV-Formate wie etwa den US-amerikanischen "Computer Chronicles" sein - wenn nicht die Talkgäste der englischsprachigen Sendung Online-Entwickler von heute wären, die auch mal ihr Smartphone auf den Tisch legen.

Entwickelt wurde das Format von Filmemachern der Agentur "Sandwich Video", die vor allem Werbeclips für Techunternehmen produziert. Die zwei auf YouTube verfügbaren Folgen der "Computer Show" sind aber mehr als ein PR-Gag: Sie sind eine Hommage an die TV-Ästhetik der Achtziger, eine Augenweide für Retrofans, Technikliebhaber und Nerds - und zugleich eine Comedy-Serie, die zeigt, welchen Unterschied drei Jahrzehnte Digitalisierung machen.

Die hölzernen Moderatoren der Sendung geben nämlich vor, auf dem Wissenstand der Achtzigerjahre zu sein. "Gibt es auch eine Community für Pferde?", will der Moderator wissen, als Reddit-Mitbegründer Alexis Ohanian in einer Folge sein soziales Netzwerk vorstellt. Und als Ohanian sein Smartphone zeigt, fragt der Moderator skeptisch: "Dieser kleine Taschenrechner soll alle Neuigkeiten zusammenstellen können?"

3. Held aus Pappe: "Paper Monsters Recut"

Screenshot von "Paper Monsters Recut": Liebevolle 3D-Optik
Crescent Moon Games

Screenshot von "Paper Monsters Recut": Liebevolle 3D-Optik

Sein Kopf ist ein Pappkarton, sein Lächeln ein Bleistiftstrich: Der Held aus der Spiele-App "Paper Monsters Recut" hüpft durch ein quietschbuntes Teletubby-Land. Wie Super Mario überwindet er Schluchten und vernichtet watschelnde Bomben durch Draufhopsen. Während Super Mario aber goldene Münzen sammelt, gibt er sich mit losen Knöpfen und Büroklammern zufrieden.

Nach ein paar eher leichten Levels muss der Held auch mal einen Schneeschlitten und ein U-Boot steuern, sich mit Laserkanone und Raketenrucksack ausrüsten. Die zweidimensionale Welt von "Paper Monsters Recut" ist mit grafischen Details in 3D-Optik ausgeschmückt - beispielsweise dreht der Held bei jedem Sprung kunstvolle Pirouetten und die Objekte werfen selbst bei den düsteren Levels im Mondlicht realistische Schatten.

Nur die Steuerung ist etwas gewöhnungsbedürftig. Um den Helden zu bewegen, muss der Spieler den Bildschirm nicht einfach nur antippen, sondern nach rechts oder links wischen. Bei einem Sprung in eine bestimmte Richtung ist also Übung gefragt - vor allem wenn man seinen Helden nicht in den Abgrund stürzen lassen will. "Paper Monsters Recut" gibt es gratis für Android, für iOS-Nutzer ist die App kostenpflichtig.

4. Der Stimmungskiller: "Ein Tag in Dismaland"

Mürrisch im Vergnügungspark: Besuch in Banksys "Dismaland"
Arte

Mürrisch im Vergnügungspark: Besuch in Banksys "Dismaland"

Arielles Schloss ist eine Ruine, auf dem Pferdekarussell dreht sich ein Schlachter mit gezücktem Messer im Kreis: Mit "Dismaland" hat der britische Künstler Banksy einen distopischen Vergnügungspark geschaffen. Alles, was in einem gewöhnlichen Vergnügungspark Spaß machen würde, ist in Dismaland trostlos und hässlich. Selbst die Mitarbeiter stellen mürrische Mienen zur Schau.

Das Kunstprojekt ist seit Ende September für Besucher geschlossen. Wer die düstere Disneyland-Parodie trotzdem kennenlernen möchte, kann sich die Arte-Dokumentation "Ein Tag in Dismaland" anschauen.

In der Dokumentation lässt sich ein Arte-Reporter von einer Kunst-Bloggerin durch den Park führen. Der Reporter wirkt dabei zwar etwas bedrückt und stellt eher einfallslose Fragen - fängt damit aber treffend die Stimmung auf dem Gelände ein. Sehenswert ist auch der künstlerische Kurzfilm "Dismaland - The Official Unofficial Film" von Jamie Brightmore auf Vimeo. Eine Reportage über den Besuch in Dismaland lesen Sie hier.

5. Hass im Netz: "Im Shitstorm"

Screenshot: Zum "Überleben in den sozialen Netzwerken"
ZDF

Screenshot: Zum "Überleben in den sozialen Netzwerken"

Was tun, wenn der Shitstorm kommt? Das ZDF hat dem Netzphänomen ein Scrollytelling mit Fotostrecken und Videoclips gewidmet. "Es fühlt sich an wie Krieg, ein Krieg einer gegen alle", schreiben die Verfasser über den Shitstorm. "Du fühlst dich allein, hilflos und missverstanden."

In einem eingebetteten Interview erzählt die ehemalige Piraten-Politikerin Julia Schramm, wie ein Shitstorm aus dem Jahr 2012 bei ihr eine posttraumatische Belastungsstörung auslöste. Social-Media-Experten erklären, wie Unternehmen gestärkt aus einem Shitstorm hervorgehen können.

Die konkreten Ratschläge für Betroffene von Shitstorms fallen dagegen eher mau aus - obwohl der Untertitel des Scrollytellings "Überleben in den sozialen Netzwerken" lautet. Wer dazu mehr lesen will, kann sich den Artikel "Shitstorm-Management: 8 Dinge, die man berücksichtigen sollte" aus dem Magazin "t3n" näher anschauen.


Nichts gefunden? Diese Tipps gab es vergangene Woche:

Mafia-Serie "Gomorrha"

Arte zeigt die italienische Mafia-Serie "Gomorrha" in der Free-TV-Premiere. Jede Woche erscheinen zwei neue Folgen in der Mediathek und sind dann sieben Tage lang verfügbar.

"Space Invaders": Die besten Gratis-Apps

Vom taktisch anspruchsvollen "Space Cadet Defender" bis hin zur kniffligen Multiplayer-App "TwinShooter" – wir zeigen spannende Variationen des Spieleklassikers "Space Invaders" fürs Smartphone.

Deutsche Single-Charts: Playlist der Top 100

Auf Viva.tv und Mtv.de gibt es kostenlose Playlists mit Musikvideos der offiziellen deutschen Single-Charts. Die Liste aus 100 Videos wird jeden Freitag aktualisiert.

Journalismus aus Afrika: "JournAfrica!"

Unter dem Motto "Afrika anders denken" sammeln die Macher von "JournAfrica!" Berichte von afrikanischen Journalisten vor Ort. Die Texte erscheinen kostenlos auf Deutsch.

Literatur-Verfilmung: "Der Besuch der alten Dame"

Die Verfilmung von Friedrich Dürrenmatts Tragikomödie "Der Besuch der alten Dame" ist bis 19. Oktober in der ARD-Mediathek verfügbar.

Kultur kostenlos?
Haben Sie im Netz kostenlose Angebote gefunden, die Sie mit den Lesern von SPIEGEL ONLINE teilen möchten? Das können neu verfügbare Filme, Alben, Apps und Spiele sein - oder alles, was sonst noch spannend ist. Schicken Sie einfach eine Mail an kostenloskultur@spiegel.de. Wir freuen uns auf Ihre Tipps.

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bettini 24.10.2015
1. Weder geschenkt, noch kostenlos
Die Inhalte der öffentlich-rechtlichen Sender, hier wieder Arte und diesmal ZDF sind finanziert durch den haushaltabhängigen sog. Rundfunkbeitrag. Demnach sind diese online abrufbaren Inhalte weder "geschenkt", noch " kostenlos".
Zauberlehrling 24.10.2015
2. Befristete Aktionen für iPhone und iPad (iOS)
Alles hochqualitative und redaktionell getestete Apps, keine versteckten Kosten, keine Werbung: Pflanzen gegen Insekten, Turmverteidigung ‚Forest Spirit‘ (erstmals in Gratis-Aktion) +++ ‚Galactic Nemesis‘ – willkommene Ergänzung für den Space-Shooter-Ordner (bald mit Apple TV; 0,99 € statt 1,99 €) +++ Animierte und tönende Wettervorhersage ‚YoWindow‘ (gratis statt 2,99 €) +++ Gelegenheitsspiele ‚Flick Kick Football‘, ‚Flick Kick Rugby‘ + Echtzeit-Strategie ‚Pirate Legends TD‘ (gratis statt jeweils 1,99 €) +++ Spielhallenromantik, 2D Space Shooter ‚Star Defender 4‘ (iPad; statt 1,99 €) +++ Edu-Game für Kinder – eine riesige Welt erkunden: ‚Dr. Pandas Postbote‘ (statt 3,99 €) +++ Flüssiges Arcade-Game ‚Octoboy‘ + Aufklappbücher für Kids… (statt jeweils 3,99 €) +++ DLNA/UPnP Media Player/Streaming Server + Memo-Recorder (Apple Watch) + ‚Commander Compass‘ + Fotofilter (statt zus. 12 €) +++ Kultspiel ‚Angry Birds Seasons‘ (bietet „Top In-App-Käufe“ um echtes Geld) + Tap-Zählwerk +++ Dienstprogramm für Musiker: ‚AccuTune – Guitar Tuner‘ (statt 6,99 €) +++ Alternative für die Kalender-App ‚Week Calendar‘ (iPad; statt 3,99 €) + Rätsel +++ Dienstprogramm für Musiker: ‚Jam Player – Time and Pitch Audio Player‘ (statt 8,99 €) +++ Bahnen und ÖPNV in AT, DE und CH ‚nextstop‘ (statt 1,99 €) +++ Objekte in Fotos ausschneiden und Effekte hinzufügen ‚Aftercut‘… +++ Match-Three reloaded ‚Chain3D‘ +++ Retro-Geschicklichkeitsspiel ‚Juggle Pocket Machine‘ (iPhone) + Match-Three-Game +++ Notenblätter scannen und abspielen ‚Learn Music: MusicPal‘ +++ Deutsche Literaturklassiker in Erstausgaben +++ Brettspielsimulation ‚Ticket to Ride Europe Pocket‘ (‚Zug um Zug‘; statt 1,99 €) +++ Plakative To-Do-App ‚Kanbanfor‘ (statt 3,99 €) + Tools für Reisende + Handschriftliche Notizen +++ Quelle, weitere Aktionen, Links und Details im Rossau-Blog: https://rossau.wordpress.com
sonntagsberg 25.10.2015
3. Wenn
Zitat von bettiniDie Inhalte der öffentlich-rechtlichen Sender, hier wieder Arte und diesmal ZDF sind finanziert durch den haushaltabhängigen sog. Rundfunkbeitrag. Demnach sind diese online abrufbaren Inhalte weder "geschenkt", noch " kostenlos".
Sie sich im Kino einen Film anschauen, müssen Sie auch dafür bezahlen. Die Filmrolle mit nach Hause nehmen dürfen Sie deswegen noch lange nicht.
bettini 25.10.2015
4. Erst lesen, dann antworten
Zitat von sonntagsbergSie sich im Kino einen Film anschauen, müssen Sie auch dafür bezahlen. Die Filmrolle mit nach Hause nehmen dürfen Sie deswegen noch lange nicht.
Wenn ich nicht ins Kino gehe, zahle ich weder für einen Fim, noch eine Filmrolle. Die hier als "kostenlos" und "geschenkt" verlinkten ÖR-Inhalte sind durch den Rundfunkbeitrag finanziert, den im Regelfall auch Sie bezahlen. Wenn ich dafür bezahlt habe, dann ist es nicht kostenlos. Es sind Kosten entstanden. Und jetzt erklären Sie doch bitte einmal den Sinn Ihres Kino-Vergleichs. Oder nennen Sie den allen Ernstes auch "kostenlos" und "geschenkt", nachdem Sie dafür bezahlt haben?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.