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Domain gekapert: Google und Denic weisen Schuld von sich

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Mit einem vorgegaukelten Providerwechsel hat ein Mann aus Frankfurt die Seite Google.de lahm gelegt. Der Schildbürgerstreich gelang, weil sein Antrag nicht überprüft wurde. Sowohl Google Deutschland als auch die Internetverwaltung Denic fühlen sich unschuldig.

Die Ursachenforschung bei der deutschen Domainverwaltung Denic dauerte etwas länger. Bereits heute morgen um 7.17 Uhr hatte die Nachrichtenagentur dpa berichtet, dass in der Nacht zum Dienstag Google.de zeitweise nicht erreichbar war, nachdem die Domain an einen Mann aus Frankfurt übertragen worden war.

Seltsame Startseite: Dies bekamen Surfer gestern Nacht zu sehen, wenn sie Google.de aufriefen

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Acht Stunden später kurz nach 15 Uhr meldete sich dann die Denic mit einer Pressemitteilung zu Wort. Man habe die Abläufe der unfreiwilligen Google.de-Übertragung mit Google Deutschland abgesprochen, hieß es darin. "Herzlichen Dank für Ihre Geduld." Zwei Prüfungsmechanismen für Providerwechsel hätten "nicht funktioniert".

Zum einen hätte der Provider Goneo, bei dem der Antrag auf den Wechsel von Google.de eingegangen war, kontrollieren müssen, ob der Antrag überhaupt berechtigt war. "Der Provider muss nachprüfen, ob der Auftraggeber mit dem Domaininhaber identisch ist oder in dessen Auftrag handelt", sagte Denic-Sprecher Klaus Herzig. Dies sei im Falle Goneo aber nicht geschehen. Die Schuld liege also bei dieser Firma und nicht bei der Denic.

Goneo-Geschäftsführer Marc Keilwerth hatte SPIEGEL ONLINE berichtet, dass einer seiner Kunden am 13. Januar die Domain google.de bei ihm bestellt habe. Derartige Anträge würden vollautomatisch verarbeitet. "Da guckt kein Mensch mehr drüber." Der Kunde habe angegeben, Inhaber von Google.de zu sein.

Provider verschlief Widersprichsfrist

Zum anderen wurde auch bei Googles Provider in den USA ein folgenschwerer Fehler gemacht, kann man aus der Denic-Mitteilung schlussfolgern. Der Provider habe die Verpflichtung, den Providerwechsel abzulehnen, wenn er nicht sicher sei, dass dieser dem Willen des Domaininhabers entspreche, sagte Herzig. Der Google-Provider habe jedoch innerhalb der für diese Fälle üblichen Frist von fünf Werktagen nicht reagiert, was so interpretiert wurde, dass dem abgebenden Provider keine Gründe vorlägen, die gegen einen Wechsel sprächen.

Für den offensichtlichen Fehler des Providers fühlt man sich bei Google Deutschland nicht verantwortlich. Die Denic habe bestätigt, dass Google.de keine Schuld treffe, erklärte Google-Sprecher Stefan Keuchel.

Das erstaunliche Fazit des Schildbürgerstreichs: Er ist gelungen aber niemand fühlt sich schuldig. Dabei scheint das vollautomatische Verfahren sehr anfällig gegen Missbrauch zu sein. Schon 2004 war auf ähnliche Weise eBay kurzzeitig seiner deutschen Domain beraubt worden.

Denic-Sprecher Herzig sagte immerhin, man arbeite daran, weitere Sicherheitsmechanismen zu entwickeln, die solche Vorfälle künftig verhindern sollten. "Das Problem ist, dass es für manche Leute ein Spaß ist, Domains umzuleiten." Die Denic bearbeite monatlich Zehntausende Providerwechsel. Da sei es nicht auszuschließen, dass in einzelnen Fällen Fehler passierten.

Die Umleitung von Google.de zu einer Goneo-Seite war jedoch nicht die einzige Panne der Nacht. Nachdem der Fehler von Goneo bemerkt worden war, versuchte die daraufhin alarmierte Denic, den Wechsel rückgängig zu machen. Doch statt an den richtigen Google-Provider wurde die Domain an einen Domaingrabber aus Wiesbaden weitergereicht, der kurzzeitig als Besitzer von Google.de galt. Wie dieser zweite Faux-pas passieren konnte, darüber konnte Denig-Sprecher Herzig nur spekulieren. Womöglich habe man zu später Stunde nicht genau hingeschaut und vorschnell gehandelt, sagte er.

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