Doppelgänger-Blog: Der falsche Apple-Boss ist enttarnt

Ein Blogger hat 14 Monate lang Steve Jobs gemimt und die gesamte IT-Branche gefoppt. Sein satirisches Tagebuch war in Details so wirklichkeitsnah, dass es als Insider-Werk galt. Jetzt ist klar, dass ein Finanz-Journalist dahintersteckt - im Oktober kommt sein Jobs-Buch.

Der echte Steve Jobs liest sein Blog, der echte Bill Gates sowieso -und das gesamte Silicon Valley ohnehin: Die bitterbösen Einträge von " Fake Steve" zeichnen mit vielen Details das Bild des echten Apple-Chefs als selbstherrlichen, aber liebenswerten Egomanen. Jetzt ist klar, warum Fake Steve Apple so gut kennt: Der Autor ist ein erfahrener IT-Reporter des US-Wirtschaftsmagazins "Forbes".

Seit 14 Monaten versuchen Blogger herauszufinden, wer hinter Fake Steve steckt. Die "New York Times" hat es jetzt enthüllt: Daniel Lyons, 46, Wirtschaftsjournalist und Romanautor. Zuletzt erschien sein Roman "Dog Days" in deutscher Übersetzung: "Der Windhund". Das Buch spielt in der IT-Branche, erzählt nah an der Groteske die Geschichte zweier Software-Entwickler, die "Star Trek" lieben und den Hund eines Mafia-Bosses entführen.

Eine Ironie der Geschichte: Der Blogger, über dessen wahre Identität die gesamte Blogosphäre debattiert hat, ist ein klassischer Reporter - und wurde von einem solchen entdeckt und in einer gedruckten Zeitung enthüllt.

Entdeckt hat der "Times"-Reporter Brad Stone Lyons über sein nächstes Buch. "Options – The Secret Life of Steve Jobs" soll im Oktober erscheinen. Der Agent hatte Verlagen das Buch mit dem Hinweis darauf angeboten, der anonyme Verfasser sei Romanautor und Reporter bei einem großen Wirtschaftsmagazin. Die "New York Times" erfuhr von dieser Werbung, fügte die Details zusammen und kam so auf Lyons.

Der kündigt jetzt als Fake Steve an, das Blog weiterzuschreiben – auf der Webseite von "Forbes" allerdings. "Jetzt kommt raus, dass sie das Blog auch gelesen haben – wer konnte das wissen?" Seinen Biss hat er nicht verloren. Sein letzter Blogeintrag als Fake Steve: "Wenn jemand eine coole Art kennt, den Namen Brad Stone (oder einen Teil davon) als Verb zu benutzen – lasst es mich wissen."

Fake Steves Verb-Vorschläge für Brad Stone bislang:

  • einen schmierigen Schreiber-Kollegen gnadenlos bloßstellen und den Spaß für alle verderben, um sich selbst zu erhöhen,
  • in einen Pool pinkeln.

lis

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