Doppelgänger-Blog: Fake-Jobs und wie er die Apple-Welt sieht

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Ein Blogger mimt den Apple-Chef. Und weil der falsche Steve witziger ist als der echte, zitieren alle sein satirisches Tagebuch: Bill Gates, "Forbes", "Business Week". Sogar der echte Jobs findet seinen Doppelgänger "ziemlich lustig" – offiziell zumindest.

Mit dem iPhone war das so, schreibt Steve Jobs: Jahrelang haben bei Apple alle hart gearbeitet, "als erstes die Werbeabteilung natürlich". Dann die Feng-Shui-Berater, dann die Designer und irgendwann zuletzt durften auch Ingenieure über die Technik nachdenken. Das klingt völlig überzogen, aber nicht völlig abstrus. Ganz so, wie man es beim Namen des Autors erwartet: "Fake Steve Jobs". Dieser bloggende Widergänger des Apple-Chefs ist ein Star im Silicon Valley.

1229 Blog-Einträge hat der falsche Jobs geschrieben, seit er am 9. August vorigen Jahres loslegte. Und noch immer rätselt die US-IT-Branche, wer hinter dem Pseudonym steckt. Bill Gates hat schon jede Beteiligung dementiert: "Als erstes will ich feststellen: Ich bin nicht Fake Steve", scherzte er Ende Mai vor dem Publikum der Konferenz "All things Digital".

Wer auch immer es ist: Er oder sie kennt Apple und den echten Jobs gut. Viele stimmige Details zeichnen das Bild eines selbstherrlichen, aber irgendwie doch liebenswerten Egomanen. Sein Lieblingsfilme? "Toy Story, Toy Story 2, Findet Nemo" (alle von Jobs' Firma Pixar, heute eine Disney-Tochter). Seine Lieblingsbücher? "Alles von Mona Simpson. Sie ist meine Schwester." Was ihn ärgert? "Dass immer wieder andere Leute behaupten, der iPod sei zum Teil auch ihre Idee gewesen."

Spielberg, denk an die Falafel zum Film!

Und immer wieder reibt der falsche Jobs seinen Lesern unter die Nase, wer ihn gerade angerufen hat. Ein gutes Dutzend seiner Beiträge trägt Überschriften wie "Gates hat mich angerufen". Und wenn sich dann mal Steven Spielberg mit einer Film-Idee meldet, erklärt Jobs ihm, wie das Geschäft funktioniert: Eine Geschichte über einen palästinensischen und einen israelischen Jungen? Etwas Ernstes? Oh Gott!

"Und wo ist der sprechende Fisch? Sprechende Autos? Irgendwelche Superhelden?", fragt der falsche Jobs und schlägt vor: "Warum machen wir nicht einen Jungen und ein Mädchen daraus, heben das Alter etwas an, so dass wir eine Teenager-Liebe daraus machen können?" So geht es weiter. Nach ein paar Sätzen ist der falsche Jobs - ein Vermarktungsgenie wie der echte - schon bei der Kooperation mit "Burger King" und den Falafel zum Film.

Mit solchen bitterbösen Seitenhieben ist der falsche Jobs zum US-Medienstar geworden. Das Magazin "Business 2.0" hebt ihn in der aktuellen Ausgabe auf Platz 37 der 50 "einflussreichsten Menschen in der US-Wirtschaft".

Wer steckt dahinter?

US-Magazine und Technik-Blogs spekulieren, wer denn nun hinter dem Pseudonym steckt. Als erster war der Journalist Leander Kahney im Gespräch, Apple-Kenner und geschäftsführender Redakteur des Fachmagazins "Wired". Aber diese Behauptung musste das Branchen-Blog "Valleywag" nach zwei Tagen zurückziehen. "Business Week" vermutet einen Apple-Insider - die Vertrautheit mit der berüchtigten PR-Maschine der Firma sei verblüffend.

Die Pointen sind so treffend, die Sprache so gut, dass "Forbes" hingegen einen engagierten Profi-Schreiber hinter dem Pseudonym wähnt, den womöglich ein hochrangiger Apple-Mitarbeiter mit Firmen-Interna füttert. Andererseits: Der Autor lebt womöglich gar nicht im Silicon Valley, vielleicht gar nicht einmal in Amerika. Dafür spricht, so die Auguren, dass der falsche Jobs seine ersten Beiträge immer sehr, sehr früh - 5 Uhr morgens nach kalifornischer Zeit - veröffentlicht. In Europa wäre es da Nachmittag, eine wesentlich angenehmere Zeit zum Schreiben als der frühe Morgen, spekuliert "Forbes". Außerdem: Ab und an tauchen britische Slang-Ausdrücke wie "Chav" in den Blog-Einträgen auf. Dafür spricht auch, dass der falsche Jobs eine E-Mail-Anfrage von SPIEGEL ONLINE mittags binnen einer Stunde beantwortet hat (siehe Kasten unten).

Im Oktober kommt das Buch zum Blog

Sogar der echte Steve Jobs hat sich schon gegen den Verdacht, er stecke hinter dem Blog, verteidigen müssen: Auf die Publikumfragen dazu antwortete Jobs auf der Konferenz "All things Digital" mit einem klaren, ein wenig entnervten "Nein". Und dann fügte er hinzu: "Ich habe einige dieser Fake-Steve-Jobs-Einträge gelesen und finde sie ziemlich lustig."

Das könnte sich im Oktober ändern, wenn das Buch zum Blog des falschen Jobs erscheint: "Options" soll es heißen. Vermutlich arbeitet der falsche Jobs gerade daran - seine Blog-Einträge jedenfalls verloren zuletzt an Biss. Der Buchtitel spielt auf ein Thema an, bei dem der echte Jobs keinen Spaß verstehen und nicht einmal vorspielen dürfte: die Ermittlungen der US-Börsenaufsicht wegen falsch verbuchter Aktienoptionen bei Apple.

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