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Downloads bei Phonoline: Robbie Williams? Haben wir nicht!

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Kein Grönemeyer, kein Robbie, keine Stones und auch keine Nummer-Eins-Hits - die deutsche Musikbranche blamiert sich mit einem lückenhaften Repertoire auf ihrer neuen Download-Plattform Phonoline. Sie verklagt lieber Musiktauscher, statt ihnen attraktive, legale Alternativen anzubieten.

Popstar Williams: Bei Phonoline nicht vertreten
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Die Peitsche hat die deutsche Musikbranche schon mal ausgepackt - 68 Musiktauscher bekommen demnächst Post von den Anwälten der Labels. Doch das versprochene Zuckerbrot fehlt. Aktuelle Songs oder begehrte Raritäten finden Musikfans nicht etwa auf der neuen Plattform Phonoline, sondern - wie gehabt - am besten in den Tauschbörsen von KaZaa & Co.

Als am 18. März, dem ersten Tag auf der Cebit, die Musikplattform Phonoline eröffnet wurde, warf einer der anwesenden Journalisten den Vergleich mit dem Mautdesaster in die Runde. Gerd Gebhardt, Chef der deutschen Phonoverbände, wies dies entschieden zurück. Zwar habe es auch bei Phonoline mehrmonatige Verzögerungen gegeben, doch jetzt stehe und funktioniere das Angebot.

Große Lücken bei Phonoline: Top Five der Single-Charts fehlen
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Heute, knapp drei Wochen nach dem Phonoline-Start, stellt sich heraus, dass der Vergleich mit dem Mautchaos so abwegig nicht war. Technisch funktioniert Phonoline zwar - die deutschen Ingenieure und Programmierer können es also doch. Aber in zwei wichtigen Punkten bewegen sich die deutschen Phonoverbände auf ähnlichen Pfaden wie Toll Collect.

Zum einen bei den Gema-Abgaben. Offenbar herrscht bis heute keine Einigkeit mit der mächtigen Urhebervereinigung über die Höhe der Vergütung von Musikdownloads. Hinter den Kulissen läuft ein seltsames Gezerre. Der ursprünglich auf der Cebit geplante erste Phonoline-Download durch Bundeskanzler Gerhard Schröder wurde kurzerhand und kleinlaut abgeblasen, nachdem die Gema einen geharnischten Brief an den Kanzler geschrieben hatte, in dem sie ihn quasi vor einer illegalen Handlung warnte.

Longplay-Charts: Nur zwei von zehn CDs im Angebot
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Noch viel schwerer wiegen aber die Schwächen der Phonoline-Plattform selbst. Einen "umfassenden Musikkatalog von zum Start 250.000 verschiedenen Titeln mit täglich wachsendem aktuellem Chartsrepertoire" verspricht das Angebot in seiner Selbstdarstellung. "Mit 250.000 Titeln stellen wir schon zum Start ein Riesenangebot für Musikfans zur Verfügung", sagte Verbandschef Gebhard.

Doch wer in dem Online-Shop von Eventim-Music.de stöbert, derzeit der einzige Shop mit dem vollen Phonoline-Sortiment, wundert sich ziemlich schnell. Von einem umfassenden, attraktiven Angebot kann keine Rede sein. Musik etwa von den Beatles, Robbie Williams und Madonna gibt es derzeit überhaupt nicht. Bei Sarah Connor fehlen aktuelle Hits wie "Just One Last Dance". Fehlanzeige auch bei Songs von den Ärzten, Herbert Grönemeyer oder den Toten Hosen.

Auswahl bei Popmusik: Zwei Songs von Beyoncé, 13 von Shakira, kein einziger von Madonna
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Ebenso katastrophal die Situation bei den aktuellen Charts: Die Top Five der Single-Hitparade (15. Kalenderwoche) findet man zwar bei Tauschbörsen wie KaZaa - nicht jedoch bei Phonoline. Immerhin sind schon mal die Plätze sechs bis zehn legal im Angebot.

Bei den Longplay-CD-Charts sind gerade zwei von zehn Alben verfügbar - ein Plattenladen mit derart leeren Regalen müsste nach ein paar Wochen mangels Umsatz wieder schließen.

"Was wir hier haben, ist einmalig in der Welt: eine Branchen übergreifende Plattform", jubelte Gerd Gebhardt vor drei Wochen auf der Cebit. Doch die Branche scheint nicht mitzuspielen, wie sonst sind die großen Lücken im Repertoire zu erklären?

Wo sind die Deutschen? Kein Pur, keine Ärzte...
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Vor einer knappen Woche verkündete die deutsche Musiklobby die ersten Klagen gegen deutsche Tauschbörsenbenutzer. "Wir verfolgen im Internet eine ganz klare Doppelstrategie", betonte Gebhard. "Einerseits legale, komfortable, attraktive, sichere und umfangreiche Musikangebote unterstützen, andererseits gegen illegale Angebote konsequent vorgehen."

Schaut man auf Phonoline, dann scheint die Branche jedoch nur eine Strategie zu verfolgen: verunsichern, einschüchtern und verklagen. Das versprochene umfangreiche Musikangebot finden Surfer allenfalls in den großen US-Shops (in denen Deutsche nicht einkaufen dürfen), nicht jedoch bei Phonoline. Selbst der britische Großhändler für Online-Musik, OD2, ist deutlich besser bestückt. OD2 versorgt auch einige deutsche Musikshops wie Karstadt und Tiscali.

Lücken bei Oldies: Beatles nicht verfügbar
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Die Lücken im Musikangebot sind kaum verständlich. "Wir haben mit 250.000 angefangen. Es kommen jede Woche neue dazu", sagte Harmut Spiesecke, Sprecher der Deutschen honoverbände gegenüber SPIEGEL ONLINE. 250.000 Titel, was etwa 20.000 Alben entspricht, bedeuteten auch, dass noch 2,5 Millionen fehlten, so Spiesecke.

Ausreden für die Lücken selbst bei namhaften Musikern findet er viele. Etwa: "Kein Künstler ist verpflichtet, seine Zustimmung zu geben, dass sein Titel online veröffentlicht wird." Oder: "Üblicherweise enthalten Künstlerverträge erst seit Mitte der neunziger Jahre auch die Rechte zur Online-Veröffentlichung."

Seltsam, dass andere Musikangebote diese Probleme nicht haben - so auch alle die Shops, die ihre Musik von OD2 beziehen. Für den Käufer wird die Sache so jedoch immer komplizierter. Die OD2-Shops verkaufen ihre Songs in dem Microsoft-Format WMA, bei Phonoline sind es MP3s mit Kopierschutz. Zum Abspielen benötigt man eine spezielle (kostenlose) Zusatzsoftware.

Independent? Fehlanzeige
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Möglicherweise hat Phonoline ja gar nicht die versprochenen 250.000 Songs im Sortiment. Die Zahl hat sich mittlerweile zu einer Art Hausnummer für erfolgreiche Download-Portale entwickelt. Alle US-Shops von iTunes über Napster bis zu Musicmatch haben genau mit 250.000 Tracks angefangen. Mittlerweile liegen sie bei 500.000 Titeln. Ob es bei Phonoline tatsächlich die versprochene Viertelmillion Songs sind oder nicht, lässt sich über Abfragen bei Eventim-Music.de nicht nachprüfen.

Die Datenbank CDDB, auf die viele Audioprogramme zugreifen, um Titel oder ganze CDs automatisch zu erkennen, umfasst derzeit über 2,5 Millionen CDs und fast 34 Millionen Titel. Für Phonoline bleibt also noch eine Menge zu tun, egal ob das aktuelle Repertoire nun 50.000, 100.000 oder tatsächlich 250.000 umfasst.

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