Bildkritik von fokussiert.com: Drei Profi-Tipps für bessere Fotos

Landschaftsfoto: Durch das 200-mm-Teleobjektiv wirkt die Sonne größer als gewohnt Zur Großansicht
David Prinz

Landschaftsfoto: Durch das 200-mm-Teleobjektiv wirkt die Sonne größer als gewohnt

Der Kontrast etwas stärker, die dunklen Bildbereiche etwas heller, der Beschnitt etwas enger und schon wirken Landschafts- und Bühnenfotos viel stärker. Welche Handgriffe gute Fotos noch besser machen, erläutern Profis an Beispielen - drei Hinweise für bessere Fotos vom Fachblog fokussiert.com.

Für das Schweizer Foto-Blog fokussiert.com analysieren Profi-Fotografen regelmäßig herausragende, von Lesern eingereichte Fotos. Die Profis beschreiben die Stärken der Aufnahme und geben Hinweise, wie sich die Bildwirkung verbessern lässt. SPIEGEL ONLINE veröffentlicht einmal im Monat eine Auswahl dieser Bildkritiken.

Die Sonne im Nebel

Kommentar des Fotografen David Prinz:

Dieses Bild wurde im verträumten Allgäu an einem frühen Herbstmorgen aufgenommen. Es war wolkig, die Sonne war kaum zu sehen und "alles war Grau in Grau". Ich wollte auf diesem Morgentrip lediglich einen Fotoplatz für Aufnahmen bei besserem Wetter ausfindig machen. Doch als ich an einem kleinem Bach vorbei schlenderte, sah ich plötzlich die Sonne aufsteigen, die Wolken waren so gut wie verschwunden und es gab lediglich noch etwas Nebel am Horizont..

Profi Robert Kneschke zum Foto:

Gute Landschaftsfotos sind sehr stark vom passenden Wetter abhängig und damit entweder oft eine Frage der Geduld oder des Glücks. Kann der Fotograf lange genug an einer Stelle ausharren, um auf die richtigen Wetterverhältnisse zu warten oder ist ihm ein glücklicher Zufall hold, der ihm das passende Wetter genau dann liefert, wenn der Fotograf einsatzbereit ist?

David Prinz hatte das Glück und nutze es, indem er Kamera mit Teleobjektiv zückte und die Sonne festhielt, wie sie aus einer nebelbedeckten Landschaft aufsteigt. Durch das 200mm-Teleobjektiv wirkt die Sonne größer als gewohnt und das macht zum Teil den Reiz des Fotos aus. Den Rest erledigt der wabernde Nebel, der die Baumreihen in eine märchenhafte Szenerie verwandelt. Außerdem hilft er mit, dass die Sonne nicht zu stark leuchtet, sonst wäre die Helligkeitsverteilung im Bild nicht so ausgewogen. Durch die zwei Baumreihen entsteht auch die Wirkung von Tiefe.

Leider wird die verträumte Atmosphäre etwas durch den eher bläulichen Landstreifen getrübt, der farblich nicht im Einklang mit den gelben, braunen und orangenen Farbtönen des restlichen Bildes steht. Ich würde deshalb (wie in meinem gezeigten Beispiel) empfehlen, oben und unten das Bild zu beschneiden, damit eine Panorama-Variante mit weniger Ablenkung entsteht. Wo ich schon mal dabei war, habe ich minimal die Kontraste und Sättigung erhöht, kräftiger wirken zu lassen. Das ist aber wieder Geschmackssache, denn auch die sanften Pastellfarben der Ausgangsversion haben ihren Reiz.

Bearbeitete Version: Höhere Kontraste, anderer Schnitt (für Vollbild bitte anklicken) Zur Großansicht
David Prinz

Bearbeitete Version: Höhere Kontraste, anderer Schnitt (für Vollbild bitte anklicken)

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Mehr Licht auf die Bühne!

Bühnenfoto: Der Bereich links ist sehr dunkel - hier sind kaum Bildinformationen enthalten Zur Großansicht
Lukas Baumheier

Bühnenfoto: Der Bereich links ist sehr dunkel - hier sind kaum Bildinformationen enthalten

Kommentar des Fotografen Lukas Baumheier:

Dieses Foto habe ich in einem amerikanischen High School Musical aufgenommen. Mir gefallen Bildausschnitt, Farben und die Gesichtsausdrücke sehr gut.

Profi Thomas Rathay zum Bild:

Das Bild von Lukas Baumheier zeigt sehr gut, wie schwierig es doch ist, von Bühnenstücken gute und druckbare Bilder zu bekommen. Ich bin wie der Fotograf der Ansicht, dass die gedämpfte Farbigkeit der Aufnahme einen Eindruck der Zeit vermittelt, in der das Musical spielt. Lukas stand bei dieser Fotografie sehr nah an der Bühne, was bei größeren Aufführungen nicht immer gelingt. Noch einen Hauch besser wäre es, wenn die Darsteller auch in die Richtung der Kamera also direkt zu den Zuschauern geguckt hätten. Wenn ich für meine Agentur in der Oper oder im Theater fotografiere, wird immer gewünscht, dass der Schauspieler direkt zu Kamera blickt.

Das nächste Problem bei der Bühnenfotografie ist das Licht. Wir können es nicht beeinflussen, Blitzen ist nicht möglich. In Lukas Bild ist der Lichtkegel schön auf den Hauptdarsteller gerichtet. Sein Gesicht ist optimal beleuchtet und lenkt so die ganze Aufmerksamkeit auf ihn. So soll es sein! Für einen Abdruck in der Zeitung oder in einem Magazin ist aber zu viel Schwarz im linken Bereich. Ich denke, für den Hausgebrauch und zum Erfreuen am Computermonitor spielt das keine Rolle, aber als Hinweis vom Berufsfotografen wie die Branche tickt, wollte ich dir das nicht vorenthalten.

Aufgehellt: So sind die Darstellern besser zu erkennen Zur Großansicht
Lukas Baumheier

Aufgehellt: So sind die Darstellern besser zu erkennen

Ich habe das Bild in Photoshop noch etwas in den dunklen Bereichen aufgehellt, somit sehen wir auch etwas mehr von den Gesichtern. Direkt bei der Aufnahme hättest du noch ein wenig überbelichten können, ohne dass die hellen Gesichter ausfressen, aber auch nicht viel mehr, denn an der Stirn des mittleren Herrn sind schon sehr helle Stellen zu sehen.

Alles in allem bleibt zu sagen, dass die Bühnenfotografie ein Feld der Fotografie ist, die viel Übung, Antizipation und Nacharbeit erfordert. Du musst oft etliche Bilder schießen, bis das eine, optimale Foto heraus kommt.

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Regeln kennen und brechen

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Lucas Schmitz

Kommentar des Fotografen Lucas Schmitz:

Dieses Bild ist Anfang September im Monchique-Gebirge im Süden Portugals entstanden. Wir sind dort hoch gefahren um den Sonnenuntergang zu fotografieren. Beim Anblick des Steines, von dem man einen atemberaubenden Blick über das Land und das Meer hat, haben wir uns entschlossen, die Bildkomposition um das Element eines Menschen zu erweitern, der seinen Blick schweifen lässt. Mich stört an der Komposition ein wenig, dass der Mensch rechts im Bild ist und auch nach rechts schaut. Der Betrachter sieht also nicht, was die Person auf dem Bild sieht. Wie man sieht, habe ich das Bild bereits bearbeitet. Das Blau und Rot des Himmels ist verstärkt worden, der Granit, auf dem die Person steht ist aufgehellt. Häufig habe ich das Problem, dass ich meine Bilder zu stark nachbearbeite, so dass sie am Ende unnatürlich wirken. Hier bin ich mir nicht sicher.

Profi Thomas Rathay zum Bild:

Welches Foto im Internet, ist nicht irgendwie bearbeitet? Ich selber gebe auch kein Bild raus, das nicht von mir optimiert wurde. Wenn du im RAW-Format fotografierst, kommen die Bilddaten ja unbearbeitet auf die Speicherkarte und du musst etwas damit machen, um das Optimum aus dem Foto herauszuholen.

Also keine Bedenken, ich finde deine Fotografie aus Portugal vernünftig bearbeitet, eigentlich merkt man das beim Ansehen gar nicht und so soll es ja auch sein.

Der ideale Komplementärkontrast zwischen Blau und Orange gibt dem Bild schon Spannung. Dann hast du an der Stelle des Bildes, die immer zuerst betrachtet wird, einen hellen Fleck, die Sonne. Von dort führt uns der (positiv) aufsteigende Felsen direkt zu dem Menschen im Bild, ebenso wie die strahlenförmig von der Sonne ausgehenden Wolken.

Nun kommt dein Bedenken, dass die Person ja aus dem Bild heraus schaut. Das stimmt sehr wohl und ist auch meistens nicht ratsam. Im Normalfall würde sich Derjenige mit dem Gesicht in Richtung Kamera wenden und somit den Blick des Rezipienten aufnehmen.

In diesem Fall finde ich es aber nicht schlimm, wenn der Mann in die uns unsichtbare Ferne und auch gegen den Rand des Bildes sieht. Er ist ja nur als Scherenschnitt zu erkennen und bildet eigentlich die Fortsetzung des Felsens. Deine Idee den Felsen noch etwas aufzuhellen, war nicht verkehrt, dadurch sehen wir auch, dass es ein Felsen ist. Es wäre aber meines Erachtens nach nicht unbedingt nötig. Das Ganze wirkt auch als reine Silhouette.

Und du hast die Möglichkeit oben Links noch Text einzufügen, wenn du daraus zum Beispiel eine Glückwunschkarte oder Ähnliches basteln möchtest.

Ich stimme dir zu: Dein Bild ist gelungen!

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insgesamt 12 Beiträge
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1.
gbk666 18.01.2013
Was hat dieses Thema mit der Netzwelt Sparte zu tun?
2. optional
patina 18.01.2013
Das dritte Bild mit dem Felsen ist tatsächlich nicht schlecht. Es gewinnt Spannung dadurch, dass der Betrachter sich fragt, wo der Mensch denn wohl hinblickt. Noch besser wäre es aber. wenn der Horizont (recht zu erahnen) gerade und damit der Mensch senkrecht wäre...
3. Sonne im Nebel
dcraasi 18.01.2013
Ich finde das Original besser, als die viel zu knallige bearbeitete Version, einzig hätte man die Sonne etwas aus der Mitte halten können.
4.
Rotaermel 18.01.2013
Zugegeben, bei den unteren beiden Bildern ist die Bearbeitung ganz passabel. Aber Bild Nummer eins ist ein gutes Beispiel, wie man es nicht macht und zeigt außerdem, wie lächerlich diese ganze Serie ist, von der es ja mittlerweile schon ein paar Ausgaben hier auf SPON gab. Irgendwelche sogenannten Experten geben "Profitipps", die jeder Fünfzehnjährige mit Photoshop oder einem vergleichbaren Programm vollbringen kann, dass in den meisten Fällen das Endergebnis schlechter aussieht als das Original. (Ich erinnere mich mit Grauen an so ein Bild von irgend einem Schuppentier (Gecko?) in einem Terrarium, das "nachgeschärft" werden sollte und am Ende eine eiskalte Fatbtemperatur und völlig verdrehte Farben hatte.) Fast immer beschränkt sich das gezeigte auf das Herumdrehen an den Reglern für Tonwertkorrektur, Kontrast und so weiter. Bild eins ist ein Musterbeispiel, wie so etwas schief gehen kann: Die milden, angenehmen und natürlichen Farben des Originalbildes sehen jetzt aus wie LSD-Visionen. Jetzt noch ein schnulziger Spruch drauf und es würde sich perfekt eignen, um auf der Facebookpinnwand einer Dreizehnjährigen zu hängen. Gegen einfache und effektive Bildbearbeitung ist wirklich nichts einzuwenden, aber solche Grundlagenhandgriffe als "Profitipps" zu verkaufen ist so, als würde man in einer Kochshow das Würzen mit Salz und Pfeffer als Geheimkniff von Sterneköchen darstellen.
5. grauenhafte..
allmendinger_ 18.01.2013
Bearbeitung! Besonders das Bühnenbild, vielleicht ist dem Bearbeiter ja nicht der Schrott im linken Bereich aufgefallen als er es viel zu hell gezogen hat.
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