Bildkritik von fokussiert.com Drei Profi-Tipps für bessere Fotos

Weniger Rand oben, dunkle Ränder als Halt fürs Auge, kleinere Blendenöffnung für mehr Schärfe: Mit diesen einfachen Handgriffen werden Fotos noch etwas besser. Profis vom Fachblog fokussiert.com zeigen an drei Beispielen, wie man Fotos durch Bildbearbeitung verbessert.


Für das Schweizer Foto-Blog fokussiert.com analysieren Profi-Fotografen regelmäßig herausragende, von Lesern eingereichte Fotos. Die Profis beschreiben die Stärken der Aufnahme und geben Hinweise, wie sich die Bildwirkung verbessern lässt. SPIEGEL ONLINE veröffentlicht einmal im Monat eine Auswahl dieser Bildkritiken.

Entenschatten

Entenschatten: Canon EOS 600D, EF 50 mm f/1.8 II, ISO 100, f/1,8, 1/1000 Sek.
Martin Göbe

Entenschatten: Canon EOS 600D, EF 50 mm f/1.8 II, ISO 100, f/1,8, 1/1000 Sek.

Kommentar des Fotografen Martin Göbe:

An einem See ist mir die Grenze zwischen dem noch zugefrorenen Teil und dem schon aufgetauten kleinen Streifen am Rand aufgefallen. Die Spiegelung der Ente sah eher wie ein Schatten aus, welcher für mich imposant und majestätisch wirkte. Nach mehreren Versuchen bewegte sich die Ente an die richtige Stelle. Genau an den Rand der Eisfläche, wo die Spiegelung ihre volle Wirkung entfaltete. Zunächst noch in Farbe geschossen, habe ich mich schon beim Ansehen für eine Entsättigung entschieden, um die Wirkung des Schattens noch zu verstärken.

Profi Thomas Brotzler zum Foto:

Hinsichtlich der Komposition (siehe Skizze unten) bieten sich der Bereich des größten Kontrastumfangs, also die Spiegelung der Ente, als Blickeinstieg an. Von hier aus wandert das Auge zur Spiegelung des Hauses und zur Gestalt der Ente. Es ist somit eine harmonische Blickführung, die Motivgruppe ist als geschlossene Einheit inszeniert. In Richtung der Bildränder ist viel Luft nach oben und wenig nach unten, das angeschnittene Blatt am unteren Bildrand irritiert auch etwas.

Foto: Martin Göbe

Die Tonwerte sind sehr ausgewogen und unterstützen das kompositorische Grundgerüst. Ein Blick auf die Feinstruktur (siehe Bild rechts) lässt uns in der 200-Prozent-Darstellung des Blickfangs (Gestalt und vor allem Gesicht der Ente) etwas erkennen, was vielleicht nicht als Unschärfe, aber doch als Weichheit erscheint. Hier hätte eine Blende von f/5,6 fast die doppelte Abbildungsleistung gebracht.

Die ausführliche Bildkritik auf fokussiert.com


Teehaus am Hemkund Sahib

Teehaus: Canon EOS 1000D, EF-S 18-55 mm f/3.5-5.6 IS, ISO 800, f/4,5, 1/24 Sek.
Alexander Kade

Teehaus: Canon EOS 1000D, EF-S 18-55 mm f/3.5-5.6 IS, ISO 800, f/4,5, 1/24 Sek.

Kommentar des Fotografen Alexander Kade:

Das Bild habe ich in Indien aufgenommen, am See Hemkund Sahib, einer Pilgerstätte der Sikh im Himalaja. Der Mann auf dem Bild schenkte in einer Hütte neben dem See Tee aus und die verdampfte Atmosphäre schien mir gut für ein Foto geeignet zu sein.

Profi Thomas Brotzler zum Foto:

Zwei Bildteile eignen sich besonders für den Blickeinstieg: zum einen der rechts unten so prominent positionierte und aus dem Halbdunkel hervorstechende Kessel, zum anderen das etwa im Goldenen Schnitt gelegene Gesicht der Hauptperson.

Beginnen wir beim Kessel rechts unten. Von hier aus wird der Blick links oben auf die von der Hauptperson gehaltene Tasse, danach kurz auf den links von der Hauptperson im Hintergrund gelegenen kleineren Kessel geführt. Unser Blick geht weiter zum Gesicht der Hauptperson, schweift vielleicht nochmals kurz zur Tasse, geht dann jedoch weiter zur zweiten Person im Hintergrund.

Hier entsteht eine kurze Irritation durch die Überstrahlung am oberen Bildrand und die angeschnittene dunkle Person am rechten Bildrand, bevor wir den kleineren Kessel am Bildrand wahrnehmen, von dem aus wir wieder zum Blickeinstieg rechts unten zurückfinden. Die dunklen Flächen links unten, links oben und rechts oben stützen die Komposition und halten den Blick im Bild.

Alexander Kade

Die Blickführung ist außerordentlich gut gelungen. Aus den verschiedenen Zwischenstationen lassen sich zahlreiche kompositorische Dreiecke konstruieren (wie etwa 1-2-6, 2-3-4, 2-4-5 und 2-5-6), die das Bild sehr lebendig werden lassen. Man mag sich den Kessel rechts unten vielleicht etwas schärfer wünschen, doch die Fokussierung auf das Gesicht der Hauptperson ist zweifelsohne richtig. Die halbdunklen Lichtverhältnisse des Innenraums ließen vermutlich keine kleinere Blendenöffnung (etwa f/8) zur Erreichung einer größeren Schärfentiefe zu.

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ts-fotografie 01.05.2013
1. schönes Beispiel
Also ich bin regelrecht beeindruckt von dem Teehausbild. Wirklich schön anzusehen. Auch wenn der Fotograf bestimmt noch etwas an der Ebv Schraube gedreht hat. Und wer sich jetzt nochmal die Ausrüstung des Fotografen anschaut, stellt wahrscheinlich mit entsetzten Fest." das ist ja die kleinste Einsteiger Dslr von Canon gepaart mit dem Kitobjektiv!? " ;)
ThorstenMUC 01.05.2013
2. Tiefenschärfe
Schöne Beispiele, an denen man sich vielleicht etwas für den Heimgebrauch abschauen kann. Sehr interessant finde ich, dass auf beiden Bilder mehr Tiefenschärfe gewünscht wird... aber der Trend bei Hobbyfotografen aktuell zu Vollformat-Sensoren geht, mit denen mehr Tiefenschärfe noch schwieriger zu erreichen ist (ISO hoch um die Blende kleiner stellen zu können). Bestätigt micht in meiner Einschätzung, dass mit APS-C bzw. FourThirds Sensoren eigentlich ein recht gut nutzbarer Kompromiss gefunden ist: Mit noch erschwinglichen, etwas lichtstärkeren Objektiven f1.8-2.8 kann man noch gut freistellen - durch moderates Abblenden kann man aber auch mal größere Bereiche scharf bekommen.
narm 01.05.2013
3.
die Bilder sind wirklich wunderschön aber bei den Kommentaren des "Profis" schwanke ich regelmässig zwischen einer Zustimmung und vollständiger ablehnung. Bei der Ente störte mich egientlich eher, dass sie zu weit Rechts im Bild ist, der Platz nach oben / unten fand ich eigrntlich nicht störend. Das Blatt bemerkte ich erst, als der "Profi-Kommentar" mich darauf aufmerksam machte, das spiegelnde Haus empfand ich als störend. Bei dem Teehaus dachte ich erst, es sei ein Filmausschnitt. Mein erster Blick kam direkt auf den Menschen erst danach kam der Kessel. Die Foto Tipps finde ich , im Gegensatz zu den früheren Werken dieser Reihe deutlich besser als die komischen Empfehlungen für Photoshop Fälschungen, allerdings bemerkt man bei einigen der Empfehlungen eben doch, dass Empfehlungen stehts subjektiv sind ! Der Profi sollte sich mit seinen subjektiven Meinungen zurück halten und sich stärker auf die Fakten konzentrieren, sonst erinnert es zu sehr an gewisse Sendungen von Herrn Bohlen.
chrome_koran 01.05.2013
4.
Zitat von ts-fotografieAlso ich bin regelrecht beeindruckt von dem Teehausbild. Wirklich schön anzusehen. Auch wenn der Fotograf bestimmt noch etwas an der Ebv Schraube gedreht hat. Und wer sich jetzt nochmal die Ausrüstung des Fotografen anschaut, stellt wahrscheinlich mit entsetzten Fest." das ist ja die kleinste Einsteiger Dslr von Canon gepaart mit dem Kitobjektiv!? " ;)
Das 1.8/50 EF II ist _kein_ Kit-Objektiv, sondern ein separat zu erwerbende Festbrennweiten-Objektiv. Nachdem Objektive dieser Art mehr als 20 Jahre lang so gut wie nicht mehr verkäuflich waren, erleben sie seit einigen Jahren ihre Renaissance - hauptsächlich dank APS-C (mit diesen Kameras avanciert die frühere „Standard-Brennweite“ dank des verkleinerten Bildwinkels zur „Portrait“-Brennweite). Das verwendete Objektiv von Canon ist optisch ausgezeichnet - handelt es sich doch um eine eine altbewährte Berechnung - und kann zugleich durch seine aufs Wesentliche konzentrierte Bauweise (klappriges Plastikgehäuse mit Kunststoff-Bajonett, billiger und lauter AF-Motor) sehr preiswert angeboten werden. Zum Preis von rund 100 € gibt es kaum mehr optische Qualität fürs Geld - und um die optische Qualität geht es letztendlich.
chrome_koran 01.05.2013
5.
Zitat von narmdie Bilder sind wirklich wunderschön aber bei den Kommentaren des "Profis" schwanke ich regelmässig zwischen einer Zustimmung und vollständiger ablehnung. Bei der Ente störte mich egientlich eher, dass sie zu weit Rechts im Bild ist, der Platz nach oben / unten fand ich eigrntlich nicht störend. Das Blatt bemerkte ich erst, als der "Profi-Kommentar" mich darauf aufmerksam machte, das spiegelnde Haus empfand ich als störend. Bei dem Teehaus dachte ich erst, es sei ein Filmausschnitt. Mein erster Blick kam direkt auf den Menschen erst danach kam der Kessel. Die Foto Tipps finde ich , im Gegensatz zu den früheren Werken dieser Reihe deutlich besser als die komischen Empfehlungen für Photoshop Fälschungen, allerdings bemerkt man bei einigen der Empfehlungen eben doch, dass Empfehlungen stehts subjektiv sind ! Der Profi sollte sich mit seinen subjektiven Meinungen zurück halten und sich stärker auf die Fakten konzentrieren, sonst erinnert es zu sehr an gewisse Sendungen von Herrn Bohlen.
Welche „Fälschungen“ meinen Sie? Wenn Sie der Ansicht sind, Bilder „ohne Photoshop“ wären nicht bereits „gefälscht“: Sie irren. Bei digitaler Fotografie wird Ihr Photo bereits in der Kamera durch deren internes „Photoshop“ „gefällscht“. Außer Sie shooten RAW, dann übernehmen Sie ganz persönlich diese „Fälschung“ später beim RAW-Entwickeln. In der Analogfotografie wurde schon immer „gefälscht“ - durch den Wahl des Filmmaterials, des Entwicklers, der Entwicklungstemperatur und -zeit, die Gradation des Papiers, hier nochmals die Entwicklungsparameter… Am lustigsten sind die Leute, die - immer noch oder jetzt wieder - voller Stolz mit analogen Kameras herumknipsen und sich einbilden, gegen das böse-böse Digitale so gewappnet zu sein. Dabei entwicklen nur die Wenigsten ihre Filme und Abzüge selbst - dabei wird, außer in extrem teuren Fachlabors, deren ach so analoge Film nach der Entwicklung digitalisiert, durchläuft eine automatische EBV und wird auf Papier digital ausbelichtet - wie schon in den 1980er und 90er. ;) Das ist Digitalfotografie zum Preis der Analogfotografie, der Traum jedes Marketingleiters :-))
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