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Bildkritik von fokussiert.com: Drei Profi-Tipps für bessere Fotos

Anderer Bildschnitt, etwas mehr Dynamik, durch Abdunkeln und Aufhellen wesentliche Bildelemente hervorheben: Profis vom Fach-Blog fokussiert.com zeigen an drei Beispielen, wie man Fotos durch bewusstes Bearbeiten verbessert.

Für das Schweizer Foto-Blog fokussiert.com analysieren Profi-Fotografen regelmäßig herausragende, von Lesern eingereichte Fotos. Die Profis beschreiben die Stärken der Aufnahme und geben Hinweise, wie sich die Bildwirkung verbessern lässt. SPIEGEL ONLINE veröffentlicht einmal im Monat eine Auswahl dieser Bildkritiken.

Schaukel und Schatten

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Christian Schmid

Kommentar des Fotografen Christian Schmid:

"Schattenspiel - mit meiner Tochter am Spielplatz. Aufgenommen mit einer Fuji X10, Brennweite 10,8 mm (Crop 4), 1/1.000 Sek., f/2,2, ISO 100 ."

Profi Thomas Brotzler zum Foto:

Das Bild weist eine moderne und dynamische Bildsprache auf, insbesondere durch die Reduktion der Bildelemente, den Anschnitt des Mädchens und dessen exzentrische Positionierung.

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Christian Schmid

Das Mädchen und sein Schatten sind die beiden Motivzentren des Bildes (gelbe Linien). Einige Linien im Hintergrund deuten noch die Schaukel an und rahmen somit die Handlung ein (blaue Linien).

Interessant ist die Blickführung. Zum einen erkennen wir die Bewegung des Mädchens nach rechts und die des Schattens nach links unten und folgen den Bewegungen abwechselnd (rote Pfeile). Zum anderen sind Mädchen und Schatten natürlich aufeinander bezogen, so dass unser Blick zwischen beiden pendelt (grüne Linien).

Das Bild lebt von der sehr dynamischen Blickführung. Je mehr ein Betrachter 'im Bild spazieren gehen kann', desto länger wird es ihn in seinen Bann ziehen.

Bei längerer Betrachtung könnte man den Raum links unten als etwas zu leer und weitläufig ansehen. Auch der (grundsätzlich angemessene) Anschnitt des Mädchen rechts oben erscheint nicht ganz optimal.

Ich stelle deswegen noch einen Beschnittvorschlag (siehe unten) zur Diskussion, der den Negativraum links unten etwas reduziert und den Schatten in den Goldenen Schnitt legt.

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Christian Schmid

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Glatte Küste

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Christoph Michel

Kommentar des Fotografen Christoph Michel:

"Die schlaftrunkene Wanderung zur Bucht von Cala Ratjada auf Mallorca hat sich gelohnt. Mein Ziel war es, die zu dieser Zeit dort anzutreffende Ruhe und Stimmung widerzuspiegeln. Das Bild ist kurz vor Sonnenaufgang entstanden. Das verwendete Werkzeug spielt für mich eine eher untergeordnete Rolle. Verwendet wurde ein 24-er-Tilt-Shift Objektiv. Aus zwei horizontalen Aufnahmen wurde das Bild am Rechner zusammengestitcht. So entsteht ein Format, das mir sehr gut gefällt."

Profi Thomas Brotzler zum Foto:

Nach meinem Eindruck hat Christoph sein Objektiv stark nach unten 'geshiftet', um den Horizont hochzuziehen und die Binnenfläche der Bucht zu betonen. Aus meiner Sicht führt der fliehende Bildrand zu einem Dilemma. Der Raum wirkt wie hochgeklappt, der sich in dieser Szene anbietende Tiefeneindruck vermindert sich beträchtlich.

Um diesem Effekt entgegenzuwirken, habe ich in der ersten Überarbeitungsversion (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) den unteren Bildrand einschließlich besagter Felsstruktur und Wolkenspiegelung im Sinne einer künstlichen Vignettierung deutlich nachbelichtet (abgedunkelt), die seitlichen Felsstrukturen jedoch in den Lichterpartien weiter abgewedelt (aufgehellt).

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Christoph Michel

Die zweite Überarbeitungsversion (siehe unten) beschränkt sich auf einen markanten Beschnitt von unten, der den Horizont zum Goldenen Schnitt herunterzieht.

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Christoph Michel

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Dramatisches Idyll

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Oliver Bedford

Kommentar des Fotografen Oliver Bedford:

"Blick vom Bergfried der Burg Are (Altenahr) ins Ahrtal. Aufgenommen bei einer Wanderung auf dem Rotweinwanderweg an einem sonnigen Oktobertag - ausnahmsweise ohne Menschenmassen im Bild. Aufgenommen mit einer Canon Powershot G12 in RAW. Entwickelt mit Darktable unter Linux: Tonwerte angepasst, lokale Kontraste erhöht, in Monochrom gewandelt, des Weiteren gedreht und beschnitten. In Gimp noch einen Objektivfehler bearbeitet und nachgeschärft."

Profi Thomas Brotzler zum Foto:

Olivers Arbeit besticht durch eine sehr gelungene Bildanlage und Komposition (wie man sieht, geht das auch mit einfacher Ausrüstung), in der Tonalität und Dramatik könnte meines Erachtens aber noch mehr herausgeholt werden.

Im Gesamteindruck wirkt das Bild etwas flau, die eindrucksvolle Naturszene könnte noch etwas mehr Dynamik vertragen - insbesondere der in Zone II gelegte Abfall ins Tal (siehe 1) und der unerklärlich dunkel gehaltene, rechte obere Bildrand bei diesiger Hügelkette (siehe 2) verdiente nach meinem Geschmack noch eine lokale Nachbearbeitung.

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Oliver Bedford

Ich habe in der untenstehenden Überarbeitung einmal skizziert, in welche Richtung das gehen könnte (für eine saubere Ausarbeitung bräuchte es das unverkleinerte und nicht komprimierte Ausgangsbild).

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Oliver Bedford

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1.
01099 02.03.2014
Ich muss immer lachen, wenn Fotografen immer noch mit dem Goldenen Schnitt anfangen. Gerade die Fotografie hat doch mit diesem überholten Ideal gebrochen und gezeigt, dass Bilder auch wirken, wenn sie nicht dogmatisch durchgeplant geschossen werden. Was ich im Übrigen für ein absolutes "no go" halte, ist der Beschnitt von Fotografien, wenn man sich schon auf dokumentarische Inhalte einlässt. Das muss sitzen. Wenn der Fotograf kein Gespür für den "decisive moment" hat, sollte er zuerst das "Sehen" lernen oder sich gleich ein anderes Hobby suchen.
2.
fuerbrie 02.03.2014
Bei Bild eins stimme ich zu. Es gibt eine Menge freien Raums unter dem Schatten, obwohl ich nicht ganz verstehe, warum der Teil mit dem Mädchen weiter angeschnitten werden muss. Bei Bild zwei und drei sehe ich ehrlich gesagt keinen großen Unterschied nach der Überarbeitung, und ich finde auch, dass das zweite Bild gerade wegen seines ungewöhnlichen Formats interessant wirkte. Deshalb verstehe ich nicht, warum das weggeschnitten wird, um stattdessen ein Standard-Foto zu produzieren. In Bild drei hätte ich eher etwas an der verschwommenen linken oberen Ecke geändert als die für mich kaum sichtbaren Veränderungen, die der Profi vorschlägt. Man könnte die Bilder nebeneinander darstellen, damit der Unterschied deutlicher wird.
3. Goldener Schnitt
tlatz 02.03.2014
Zitat von 01099Ich muss immer lachen, wenn Fotografen immer noch mit dem Goldenen Schnitt anfangen. Gerade die Fotografie hat doch mit diesem überholten Ideal gebrochen und gezeigt, dass Bilder auch wirken, wenn sie nicht dogmatisch durchgeplant geschossen werden. Was ich im Übrigen für ein absolutes "no go" halte, ist der Beschnitt von Fotografien, wenn man sich schon auf dokumentarische Inhalte einlässt. Das muss sitzen. Wenn der Fotograf kein Gespür für den "decisive moment" hat, sollte er zuerst das "Sehen" lernen oder sich gleich ein anderes Hobby suchen.
Durchaus richtig, dass sklavische Festhalten an Idealen ist Schwachsinn. Aber in diesem Foto passt es. Das unbeschnittene Original ist deutlich zu breit. Ich beschneide fast alle meine Fotos leicht, da ich persönlich denke, dass das Seitenverhältnis 3:2, das man aus dem Kleinbildfilm kennt und aus mir unerklärlichen Gründen bei praktisch allen digitalen Spiegelreflexkameras übernaommen hat, eh viel zu breit ist und gerade in diesem Bild sieht man, warum. Ich wünschte, dass Nikon, Canon oder Sony eine DSLR im Verhältnis 4:3 oder 5:4 für ihre Vollformatlinsen rausbrächten, das Teil wäre sofort gekauft!
4. aber bitte
Stabhalter 02.03.2014
Zitat von sysopChristian Schmid Anderer Bildschnitt, etwas mehr Dynamik, durch Abdunkeln und Aufhellen wesentliche Bildelemente hervorheben: Profis vom Fach-Blog fokussiert.com zeigen an drei Beispielen, wie man Fotos durch bewusstes Bearbeiten verbessert. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/drei-profi-tipps-fuer-bessere-fotos-a-955375.html
der goldene Schnitt hat auch heute noch Bestand,aber die neuen Macher egal welcher Art,meinen dass sie das Ei erfunden haben,einfach lächerlich,oder wissen die nicht was der goldene Schnitt ist.
5. mehr auch nicht...
IGEL-SPONLINE 02.03.2014
---Zitat--- Zum einen erkennen wir die Bewegung des Mädchens nach rechts und die des Schattens nach links unten und folgen den Bewegungen abwechselnd ---Zitatende--- Eine kühne, um nicht zu sagen überaus schlichte Behauptung... Davon abgesehen stellt sich "mir" (wie so oft) die Frage, was "wir" von diesem krampfhaft belehrenden formalen Dogmatismus innerhalb einer subjektiven Einschätzung eines angeblichen Profis halten sollen - ebenso kühn könnte ein Betrachter (beispielsweise der Urheber des Bildes, abweichend von der sog. Reinen Lehre) den alles bestimmenden Schattenriss im Rahmen des gewählten Ausschnitts als goldrichtig in der Mitte platziert empfinden usw.
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