DRM-Debakel: Bürgerrechtler wüten gegen Microsoft-Musik mit Verfallsdatum

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Riesenstreit um Microsofts Kopierschutz: Der IT-Gigant schaltet im Sommer die Server seines Systems "Playsforsure" ab. Die von Kunden gekaufte Musik verfällt beim nächsten PC-Wechsel. Ein grundlegendes Problem: So ein DRM-Debakel kann auch digitale Landkarten, Videos und Bücher wertlos machen.

Verrat – ein hartes Wort. So wertet die US-Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) die Entscheidung des Software-Riesen Microsoft, seinen Kopierschutzdienst "Playsforsure" Ende August einfach abzuschalten. Verrat am Kunden sei das, schreibt EFF-Geschäftsführerin Shari Steele in einem offenen Brief an Microsoft-Boss Steve Ballmer.

Entsorgt: Microsoft stellt das DRM "Playsforsure" ein - und nimmt den Käufern mittelfristig so die Möglichkeit, ihre gekauften Waren weiter zu nutzen
[M] SPIEGEL ONLINE

Entsorgt: Microsoft stellt das DRM "Playsforsure" ein - und nimmt den Käufern mittelfristig so die Möglichkeit, ihre gekauften Waren weiter zu nutzen

Der Aufreger: Kunden, die bei Microsofts Musikdienst "MSN Music" mit Playsforsure-Kopierschutz versehene Songs gekauft hatten, werden diese Musik nach Abschaltung der Server nur bis zum nächsten Computer- oder Betriebssystemwechsel hören können. Denn immer, wenn sich die PC-Konfiguration ändert, müssen die Musikdateien erneut von Microsoft freigeschaltet werden – ohne Server geht das nicht.

EFF-Geschäftsführerin Shari Steele schreibt Boss Ballmer dazu: "Jeder Kunde, der eine MP3-Datei bei Ihnen gekauft hat, im Glauben, dass sie trotz des nervigen DRM-Systems auf unterschiedlichen Geräten läuft, wird diese Musik verlieren, wenn er nach dem 31. August den PC aufrüstet oder seine Festplatte kaputt geht." Die EFF fordert von Microsoft mehr Anstrengungen, die zahlenden Kunden vorm Verlust ihrer Einkäufe zu schützen (siehe Kasten unten).

Sollte Microsoft weiter stur bleiben und Kunden raten, die Musik doch auf CD zu brennen, müssten Microsoft-Kunden daraus Lehren ziehen, warnt die EFF-Geschäftsführerin in ihrem Schreiben. Wer etwa Microsofts iPod-Konkurrenten Zune kaufe, solle sich gut überlegen, ob er DRM-geschützte Musik im Zune-Store erstehe. Denn, so Steele: "Wenn Microsoft seine MSN-Music-Kunden so schäbig behandelt, welchen Grund sollte es für die Annahme geben, dass sie andere Kunden besser behandeln?"

Doch dieses DRM-Debakel ist keine Microsoft-Besonderheit. Auch Google hat schon mal bei seinem Webvideo-Verkaufsangebot so unglücklich agiert. Daher sollten Kunden beim Kauf digitaler Waren genau auf möglichen DRM-Schutz und die manchmal in Geschäftsbedingungen versteckten Lizenzbedingungen achten.

Digitale Landkarten, Videos und Bücher – SPIEGEL ONLINE zeigt, wo mögliche DRM-Probleme drohen.

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