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Raubvögel im Polizei-Einsatz: Adler jagt Drohne

Die niederländische Polizei experimentiert mit Raubvögeln, die kleine Drohnen im freien Flug abfangen sollen. Ein Video zeigt, wie das aussieht.

Die Drohne hebt ab, steigt ein paar Meter, schwankt in der Luft, aber weit kommt sie nicht: Von rechts schießt ein Adler heran und packt den Multicopter mit seinen Krallen. Die von der niederländischen Polizei veröffentlichte Videosequenz zeigt, wie Raubvögel künftig Angriffe mit Drohnen vereiteln könnten. Man sei derzeit tatsächlich dabei zu testen, inwiefern sich die Raubvögel im Kampf gegen kleine Drohnen einsetzen lassen, sagte ein Polizeisprecher auf Anfrage.

Das Spezialunternehmen "Guard from Above" richtet die Tiere im Auftrag der Polizei ab. "Wir trainieren mit Raubvögeln, zum Beispiel Adlern, und lassen sie verschiedene Drohnen fangen", sagt der Direktor von "Guard from Above", Sjoerd Hoogendoorn. Als Übungsziele werden zum Beispiel die AR-Drohne des französischen Herstellers Parrot sowie die Phantom von DJI eingesetzt. Letztere ist offenbar auch im Video zu sehen.

Dass die Vögel sich an den extrem schnell rotierenden Propellern der Drohne verletzen, ist laut Hoogendoorn noch nicht vorgekommen. "Für die Vögel ist das sicher. Sie fangen in der freien Natur auch große Beute." Gleichzeitig prüfe man aber auch, ob es noch zusätzlichen Schutz für die Krallen der Vögel geben könne.

"Die Vögel können das"

Bei dem mehr als ein Jahr dauernden Training werde der Jagdinstinkt der Vögel genutzt. "Für die Vögel ist so eine Drohne wie eine Beute, die sie in der Luft packen und dann an einen sicheren Ort bringen." Wie viele Vögel Hoogendoorn schon darauf abgerichtet hat, will er nicht verraten.

Er teste seit zwei Jahren, ob die Vögel sich für den Einsatz gegen Drohnen eignen. Seit Sommer 2015 arbeite er auch mit der Polizei in den Niederlanden zusammen. Die und die nationale Behörde zur Terrorismusbekämpfung wollen im Sommer über den Einsatz von Raubvögeln entscheiden. Die ersten Ergebnisse seien vielversprechend, sagte ein Polizeisprecher.

Auch Hoogendoorn glaubt, dass die Raubvögel besser als zum Beispiel Netze dafür geeignet sind, Drohnen abzufangen. "Wir sind noch in einer Testphase, aber die Vögel können das."

Die niederländischen Sicherheitsbehörden testen trotzdem auch andere Mittel gegen den Missbrauch der unbemannten Fluggeräte. Dazu gehörten Spezialdrohnen und Computerprogramme, mit denen fremde Drohnen umprogrammiert werden können.

Holländisches Video: Adler auf Drohnenjagd

YouTube/Politie

gru/dpa

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1. Das
Flying Rain 02.02.2016
Das ganze ist m.M. nach Schwachsinn da es für die Tiere viel zu gefährlich ist wenn man bedenkt mit was für Rotoren Multikopter fliegen (gerne mal CFK oder GFK). Eine der wenigen sinnvollen Methoden wäre es die Multikopter abzuschießen. Eine mögliche Idee wäre ein gesteuerter Paintball-Markieret welche Gummigeschosse auf Multikopter schießt.
2. Ermessensausübung per tierischem Instinkt?
jozu2 02.02.2016
Und wie unterscheidet man bei dem System die illegale Drohne von der legalen Drohne (Kinderspielzeug im Vorgarten, zugelassene Geräte)? Wie bricht man den Einsatz ab, wenn der Vogel bereits gestartet ist und es sich herausstellt, dass die anvisierte Drohne doch OK ist? Wenn Gefängnisinsassen Rasierklingen verstecken, damit die Wärter sich bei Durchsuchungen schneiden, wie verhindert man, dass Drohnen-Piloten ihre Drohnen mit Rasierklingen o.ä. "bewaffnen"?
3.
max.snijder 02.02.2016
Ich habe selber eine "Drohne", einen Quadcopter, 450mm Motorabstand, Selbstbau aus CFK mit messerscharfen 9,5 Zoll (24,1cm) langen CFK Propellern. Die Motoren drehen im Flug bis 15000 Umdrehungen pro Minute, da kann ich mir nicht vorstellen, dass das ein Vogel überlebt, zumal es bei laufenden Rotoren kaum "Greiffläche" gibt, die nicht von den laufenden Rotoren abgedeckt wird. Die Drohne wird zwar abstürzen wegen Propellerbruch, aber der Vogel ist ebenso schwer verletzt oder gar tot.
4. Naiv
schmutziputz 02.02.2016
Spezialdrohnen, welche die "bösen" Drohnen, welche Gefangene befreien, Sprengstoff transportieren, Angelas Handy ausspionieren.... Leute, welche Sau wird hier wieder durchs Dorf getrieben. Bei soviel Nonsense tun mir nur die armen Greifvögel leid und ich hoffe, die Naturschützer schreien mal auf.
5. Raubvogel...
sg17681 02.02.2016
...ist laut Duden veraltet (http://www.duden.de/rechtschreibung/Raubvogel). Es heisst heutzutage korrekt "Greifvogel". Wir schreiben ja politsch korrekt auch nicht mehr von "Unkräutern". Davon abgesehen halte ich als Falkner die Gefährdung von Fängen und Ständern (Beinen) der Greife durch die sich schnell drehenden Rotoren für nicht unerheblich. Wer als Mensch schon mal in einen laufenden Drohenrotor gegriffen hat wird wissen, was ich meine.
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Drohnen im Einsatz: Krieg per Mausklick

Die wichtigsten Drohnentypen
"MQ-1 Predator"
Die "MQ-1 Predator" war im Jahr 1995 die erste Drohne, die bei der US-Luftwaffe zum Einsatz kam.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: rund 4.5 Millionen Dollar
Bewaffnung: zwei Luft-Boden-Raketen "AGM-114 Hellfire"
Maße: 8,23 m lang, 14,84 m Flügelspannweite
Reichweite: 3704 km
Flughöhe: max. 7620 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"MQ-9 Reaper"
Die "MQ-9 Reaper"(früher "Predator B") basiert technisch gesehen auf der "MQ-1 Predator". Sie ist aber für den Angriff optimiert, da sie die zehnfache Waffenlast im Vergleich zum Ursprungsmodell befördern kann. Eingesetzt wird sie von der US-Marine und Luftwaffe.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: 10,5 Millionen Dollar
Bewaffnung: bis zu 1361 kg
(z.B. Raketen der Typen "AGM-114 Hellfire" und "AIM-9 Sidewinder" oder Bomben der Typen "GBU-12 Paveway II" und "GBU-38 DAM")
Maße: 10,97 m lang, 20,12 m Flügelspannweite
Reichweite: 5926 km
Flughöhe: max. 15.400 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"RQ-7 Shadow 200"
Die "RQ-7 Shadow 200" dient bei der US Army und dem US Marine Corps zur Aufklärung. Sie ist seit 2003 im Einsatz und kann keine Ziele angreifen.

Hersteller: AAI Corporation
Stückpreis: 275.000 Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 3,4 m lang, 3,9 m Flügelspannweite
Reichweite: 125 km
Flughöhe: max. 4600 m
Steuerung: autonom, mit GPS
"RQ-4 Global Hawk" / "Euro Hawk"
Die "RQ-7 Global Hawk" wird als Langstrecken-Aufklärungsdrohne eingesetzt. Sie existiert in zwei Versionen. Die spätere (RQ-4B) wurde auch von der Bundeswehr als "Euro Hawk" eingeführt, ausgestattet mit Sensoren der deutschen EADS. Die Drohne ist wesentlich größer als "Predator", "Reaper" und "Shadow" und mit einem Strahltriebwerk ausgestattet.

Hersteller: Northrop Grumman
Stückpreis: 35 Millionen Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 13,53 m lang, 35,42 m Flügelspannweite (RQ-4A) bzw. 14,50 m lang, 39,89 m Flügelspannweite (RQ-4B)
Reichweite: 25.000 km (RQ-4A) bzw. 22.780 km (RQ-4B)
Flughöhe: max. 19.800 m
Steuerung: autonom, mit GPS


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