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18. Juli 2014, 12:50 Uhr

NSA-Spähaffäre

Snowden warnt Nutzer vor Dropbox

Edward Snowden rät in einem Interview, Daten nicht beim Cloud-Anbieter Dropbox zu sichern. Der Speicherdienst sei ein leichtes Ziel für die NSA. Das Unternehmen wehrt sich gegen die Vorwürfe - der Whistleblower empfiehlt eine konkrete Alternative.

In einem Interview mit der britischen Zeitung "The Guardian" warnt der Whistleblower Edward Snowden vor dem beliebten US-Speicherdienst Dropbox. Der Cloud-Service sei "eine Gefahr für die Privatsphäre".

Der Grund: Die Mitarbeiter von Dropbox und ähnlichen Diensten haben Snowden zufolge unverschlüsselten Zugang auf Nutzerdaten in der Wolke. Somit sei der Speicherdienst ein interessantes Ziel für den US-Geheimdienst. "Wie Sie wissen, steht Dropbox auf der Wunschliste als Prism-Partner", sagt Snowden gegenüber dem "Guardian".

Dropbox wehrt sich gegen die Vorwürfe des Ex-Geheimdienstmitarbeiters. Gegenüber SPIEGEL ONLINE sagt eine Sprecherin des Konzerns, es sei oberste Priorität, die Nutzerdaten zu schützen. "Wir sind nicht in Prism involviert und würden uns gegen jedes Programm dieser Art wehren", sagt die Dropbox-Sprecherin.

In den Privatsphäre-Richtlinien habe sich das Unternehmen dazu verpflichtet, sich breit angelegten Regierungsanfragen zu widersetzen. "Wir kämpfen dafür, die Gesetze so zu ändern, dass die Privatsphäre der Nutzer überall auf der Welt geschützt wird."

Snowden sieht die einzige Möglichkeit, den Spähangriffen der Geheimdienste zu entgehen, darin, dass mehr Cloud-Dienste darauf setzen, die Informationen und Passwörter der Nutzer komplett verschlüsselt zu speichern und zu übertragen - ohne selbst Zugriff auf die unverschlüsselten Daten zu haben.

Snowden hat eine konkrete Empfehlung

"Zero-Knowledge" nennt sich die Technologie, bei der die Anbieter keinen Einblick in die Daten der Nutzer haben. "Das ist der einzige Weg, den Kunden zu beweisen, dass ihre Informationen in sicheren Händen sind", sagt Snowden.

Er empfiehlt, auf Online-Datenspeicher wie Spideroak umzusteigen, die ebenfalls Speicherplatz in der Wolke anbieten, wo sich Filme, Videos und Dokumente ablegen lassen. Bei Spideroak werden die Daten allerdings bereits auf dem Rechner der Nutzer verschlüsselt, und nach Angaben der Betreiber wird das Passwort nie als Klartext auf den Servern abgelegt. Demnach hat niemand außer dem Nutzer selbst Zugriff auf die unverschlüsselten Daten.

"Die Strafverfolgungsbehörden müssen also immer noch zu einem Richter gehen und eine Anordnung einholen, um das Passwort von Ihnen selbst zu bekommen", sagt Snowden.

In dem Interview mit dem "Guardian" erklärt Snowden sehr anschaulich, was mit Daten passieren kann, die an den Geheimdienst weitergeleitet werden. Demnach sei es durchaus üblich, dass intime Nutzerdaten in den Geheimdienstbüros zum Privatvergnügen missbraucht werden. Snowden sagt, bei der NSA würden zum Teil sehr junge Menschen mit sehr großer Verantwortung ausgestattet. Bei der täglichen Recherche würden sie immer wieder über Material stolpern, das völlig irrelevant für ihre Arbeit sei - aber dennoch verlockend.

Es sei durchaus üblich, dass die Geheimdienstmitarbeiter Nacktfotos und sexuell kompromittierende Bilder der überwachten Nutzer ihrem Büronachbarn zeigen und an Kollegen weiterleiten. "Niemand bekommt davon etwas mit, weil die Kontrolle dieser Systeme so unglaublich schwach ist."

jbr

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