Berliner Start-up Dropbox soll mit Readmill-Übernahme liebäugeln

Das Berliner Start-up-Unternehmen Readmill steht angeblich in Verkaufsverhandlungen mit dem Cloud-Speicherdienst Dropbox. Die amerikanische Firma soll vor allem am Personal interessiert sein - dabei bietet Readmill auch eine vielgelobte Produktidee.

Screenshot der Readmill-Website: Berliner Vorzeige-Start-up

Screenshot der Readmill-Website: Berliner Vorzeige-Start-up


Das Berliner Start-up Readmill steht angeblich in Verkaufsverhandlungen mit dem Internetdienst Dropbox. Das US-Blog "Techcrunch" will erfahren haben, dass derzeit die Übernahme der Firma für ungefähr acht Millionen Dollar diskutiert wird. Angeblich werde über ein "Acqui-Hiring" nachgedacht - über das Aufkaufen der Firma, um an neue qualifizierte Mitarbeiter zu kommen. Träfe das zu, stünde wohl die Zukunft von Readmill als Internetdienst zur Debatte. Beide Unternehmen waren bis Freitagnachmittag nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Readmill galt lange als ein Berliner Vorzeige-Start-up. Der Internetdienst ist eine hübsche Leseoberfläche und zugleich ein intelligentes Lesezeichen für digitale Bücher. Readmill schaut dem Leser bei der Lektüre über die Schulter, protokolliert den Lesefortschritt und zeigt Hervorhebungen und Anmerkungen anderer Leser zum jeweiligen Textabschnitt an. Readmill-Mitglieder führen dazu ein quasiöffentliches Literaturverzeichnis ihrer Bücher, weisen ihre Freunde auf interessante Passagen hin und diskutieren mit ihnen Sinn und Unsinn der Texte.

Das Unternehmensziel, so die beiden schwedischen Gründer David Kjelkerud und Henrik Berggren, sei es, das Bücherlesen sozial zu machen und, letztlich, neue Bücher zu entdecken. Möglichst viele E-Book-Anbieter und -Lesedienste sollten mitmachen, um so das soziale Erlebnis - und damit den eigentlichen Nutzen von Readmill - zu verstärken.

Die Hoffnung auf das schnelle Geld mit Apps ist weg

Zwar gibt Readmill kaum Unternehmenszahlen heraus, aber es ist anzunehmen, dass der große Erfolg bislang ausblieb, trotz der durchaus hohen Produktqualität. Dafür spricht auch der - sollte das Gerücht stimmen - mit acht Millionen Dollar dürftige Kaufpreis. Mehr als das Unternehmen dürfte einer Firma wie Dropbox das Humankapital von Readmill zusagen: Immerhin bewies das Team um Berggren und Kjelkerud bislang, dass es eine Produktidee äußerst fokussiert und elegant umsetzen kann - keine Selbstverständlichkeit bei Apps und Internetdiensten.

Für die Berliner Start-up-Szene wäre der Verkauf von Readmill an Dropbox ein weiteres schlechtes Zeichen: Nach dem Boom der Anfangstage ist die Hoffnung auf Berlin als neues, internationales Gründerzentrum erst einmal vorbei. Alte Stars wurden aufgekauft oder gingen ein, das Geld fließt noch immer nicht, die bürokratischen Hürden sind noch immer nicht abgebaut und die Hoffnung auf das schnelle Geld mit Apps statt soliden Geschäftsideen ist auch perdu.

fkn



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insgesamt 3 Beiträge
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wedeko 28.03.2014
1. Deutschland technisches 3. Welt Land
Wer seine Ideen und sein Geld in Berlin / Deutschland investiert, muss einfach damit rechnen nicht von der Stelle zu kommen. Hier blockieren Beamte, der Staat und 100ooo Formulare jegliches Weiterkommen. Wochenlanges und monatelanges Warten auf Genehmigungen ersticken jede Idee im Keim. Von den veralterten technischen Möglichkeiten in DE ganz abgesehen. In DE bewegt sich nichts.
martin2011ac 28.03.2014
2. Klar, immer die anderen
Ich teile wiedeko einstellung nicht, weil was ich in der Berliner Szene sehe sind fast alles Leichtgewichte und irgendwelche (easy to copy) Shop Konzepte für Baby Kleidung, Wein usw. An den Behörden liegt es jedenfalls nicht, so haben wir unser Project die jb-webs.com gleich in den USA angemeldet um weltweit über unsere US Inc. zu operieren, weil wer ernsthaft etwas machen will muss doch sowieso n den US Markt … heisst ja nicht umsonst www und nicht bnw (bundes-netz-werk)
happenpappen 29.03.2014
3. Schon offiziell
Der Verkauf wird doch auf readmill.com offiziell bestätigt...
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