Neue DSL-Tarife Web-Aktivisten verspotten Drossel-Telekom

Die Telekom will künftig DSL-Anschlüsse drosseln, sobald eine bestimmte Datenmenge übertragen wurde. Bei Anwendern und Politikern ist die Empörung groß - aber nicht bei allen. Manche Spaßvögel machen sich über den Plan lustig und zeigen, wie sich das gedrosselte Web anfühlt.


Bald ist es soweit: Vom 2. Mai an will die Telekom bei neuen Verträgen Obergrenzen für den monatlichen Datenverkehr in Festnetz-Flatrates einführen. Wer dann einen 16-Megabit-Anschluss bucht, darf maximal 75 Gigabyte pro Monat per DSL übertragen. Wird diese Grenze überschritten, wird die DSL-Geschwindigkeit auf 384 Kilobit pro Sekunde gedrosselt. Nur Telekom-Dienste wie das Videoangebot Entertain sind von dieser Regelung ausgenommen.

Die Ankündigung hat für viel Aufregung gesorgt. In Foren und sozialen Netzen ereifern sich enttäuschte Kunden, der Videoanbieter Watchever kritisiert den Plan als rückwärtsgewandt und die Bundesregierung schaltet sich ein. Verbraucherministerin Aigner verlangt eine Prüfung des Unterfangens.

Ein paar Scherzbolde lassen sich von all der Aufregung nicht den Spaß verderben und machen sich über die Drosselpläne lustig statt sich darüber zu ärgern. So wie Facebook-Nutzer Friedemann Weise, der eine Anzeige im Stil der Telekom-Werbung gebastelt hat und schreibt: "Nehmen Sie sich mehr Zeit - für Ihre Streams, Ihre Downloads...".

Wesentlich aktiver ist dagegen der Twitter-Account der fiktiven Firma Deutsche Drosselkom, die von dem ebenso fiktiven Geschäftsführer Gernot-Dirk Schmalband geführt wird. Bis Mittwochnachmittag waren über diesen Account bereits 184 satirische Tweets abgesetzt worden, die sich über die neuen Regeln lustig machen. Statt von der Datenautobahn ist da vom Datenfeldweg die Rede. Den fiktiven Kunden wird empfohlen, doch lieber mal eine schöne Tasse Tee zu trinken, statt hektisch im Web zu surfen.

Einige Seiten bieten informative Inhalte zum Thema. Unter der Adresse drossl.de haben die Grimme-Online-Award-Gewinner von OpenDataCity einen Rechner ins Netz gestellt, der ausrechnet, wie lange man nach Einführung der neuen Regeln mit seinem bisherigen Internetanschluss im Netz surfen könnte. Und der bringt erschütternde Ergebnisse zustande: Demnach würde ein 16-Megabit-Anschluss nach zehn Stunden und 40 Minuten Dauersurfen gedrosselt, bei einem 100-Megabit-Anschluss wäre sogar schon nach sechs Stunden und 50 Minuten Schluss.

Besonders plakativ allerdings stellt ein Video des Vimeo-Nutzers yetzt dar, wie sich die Drosselung im Alltag auswirken wird. Dazu hat er die Webseite der Telekom über einen Proxy-Server aufgerufen, der die Zugriffsgeschwindigkeit auf 384 Kilobit pro Sekunde begrenzt. Er filmte den derart gedrosselten Seitenaufbau. Das Ergebnis: Erst nach 101 Sekunden hat sich die Webseite des Unternehmens vollständig aufgebaut.

Da bleiben keine Fragen offen.

mak

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insgesamt 77 Beiträge
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Seite 1
schinderhannes02 24.04.2013
1. C 64 reaktivieren
und Filme über die Datasette downloaden; dann zwei Wochen Urlaub an der Nordsee und nach der Rückkehr entspannt den runtergeladenen Film ansehen. Oder Proust lesen: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit ;-)
Dyl Ulenspegel 24.04.2013
2. ihr seid ja so verwöhnt!
wir surfen hier - nur 10 km von einer bekannten Unversitätsstadt entfernt, die über 100-MBit-Verkabelung verfügt - mit maximal 800 KBit. Oft ist es sogar noch langsamer. Dagegen regt sich leider kein medienwirksamer Protest...
mark78 24.04.2013
3.
Zitat von Dyl Ulenspegelwir surfen hier - nur 10 km von einer bekannten Unversitätsstadt entfernt, die über 100-MBit-Verkabelung verfügt - mit maximal 800 KBit. Oft ist es sogar noch langsamer. Dagegen regt sich leider kein medienwirksamer Protest...
Aber deshalb alle auf durchschnittlich 1 MBit/s runterzudrosseln kann ja wohl auch nicht die Lösung sein, oder? Zumal ich das wahre Problem in dem verletzten *Netzneutralität* ist. Wir bräuchten eigentlich wie in Holland doch eine gesetzliche Verankerung denn die Telekom hat anscheinend zu viel macht oder man spaltet sie in mehrere Anbieter auf. Ansonsten kostet demnächst alles (Mail/Videos/Youtube/Social Media) jeweils einzeln extra.
thelinguist 24.04.2013
4. sowas gibt's echt nur in D-Land
Ich lebe seit 14 Jahren in GB und bin Internetkunde bei British Telecom, dem GB-Äquivalent der Telekom. ich zahle £15 im Monat für eine "Flatte Ratte" und habe gerade 'mal meine Geschwindigkeit getestet. Ergebnis: download 72,82 mb/s upload 15,52 mb/s ping 29 ms. Tja - davon können Kunden der Deutschen Telekom nur träumen...
wachhund70 24.04.2013
5. Dauerdrossel
Da die Telekom mir sowieso nur 384 kBit anbieten kann, könnte es mir egal sein. Auch wenn 300m neben meinem Haus die Hochschule Koblenz-Landau mit 100mBit ist...aber was soll es...Telechaoten und Politik haben mit der Netzagentur ein Kuckucksei gelegt. Seit dem ist ein Investitionsende eingetreten... Deutschland schafft sich ab!
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