DSL-Drosselung Webdienste sollen sich von Telekom-Bremse freikaufen

Wen bremst die Telekom in Zukunft online aus? Derzeit sind nur Neukunden betroffen. Doch der Konzern stellt bis 2018 alle Verträge um, womöglich samt Bremsklausel. Streaming-Diensten bietet die Telekom schon jetzt an: Kauft einen Sendeplatz in unserem Internetfernsehen.

Telekom: Der Konzern drängt Alt-Kunden in neue Verträge, vielleicht samt DSL-Bremse
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Telekom: Der Konzern drängt Alt-Kunden in neue Verträge, vielleicht samt DSL-Bremse


Neue, pikante Details zu den Drossel-Plänen der Telekom: Der Deutschland-Chef des Konzerns bietet Konkurrenten an, sie könnten sich von der Drosselung freikaufen.

Onlinedienste sollen zahlen: Im Interview mit der "Welt" antwortet Niek Jan van Damme auf die Frage nach der Benachteiligung anderer Online-Filmdienste wie Lovefilm und Maxdome: Man verhandle gerne mit diesen Firmen über Kooperationen und würde die neuen Erlöse dann in den Netzbau investieren.

Die Telekom will ihr eigenes Fernsehangebot T-Entertain nicht drosseln. Wer aber bei anderen Anbietern im Netz Filme schaut, braucht damit sein Datenvolumen beim Internetprovider Telekom auf. Wenn Online-Anbieter von der Volumenschranke ausgenommen werden wollen, sollen sie sich offenbar einen Platz im T-Entertain-Paket kaufen.

Genau vor diesem Szenario warnen die Verfechter der Netzneutralität schon seit Jahren: Die Telekommunikationsunternehmen könnten ein Zweiklassennetz einführen, in dem unbegrenzt nur derjenige zu erreichen ist, der bezahlt. Wo solche Verträge bereits bestehen, ist im Übrigen unklar: In Frankreich etwa bezahlt Google bereits jetzt dafür, dass beispielsweise YouTube-Videos ruckelfrei zu den Nutzern durchgeleitet werden.

Neue Verträge für alle Telekom-Kunden: Im Zuge der Umstellung aller Breitbandkunden auf die neue Netztechnologie All-IP gibt es Neuverträge für alle Kunden. Die Telekom sieht das so: Mit dem Wechsel der Anschlussart von Analog- und ISDN-Anschlüssen auf All-IP vollziehe der Kunde einen Tarifwechsel, sei danach rein rechtlich ein Neukunde. All-IP bedeutet, dass der gesamte Anschluss über eine Internetleitung abgewickelt wird, auch Telefonate vom Festnetzgerät werden dann als Voice-over-IP-Gespräche abgewickelt.

Diese Umstellung werde sich aller Voraussicht nach bis 2018 hinziehen, sagt der Deutschland-Chef der Telekom Niek Jan van Damme der "Welt". Ob die genannten Datenobergrenzen in Zukunft gelten, ist laut van Damme fraglich. Derzeit wird bei einer gebuchten Verbindungsgeschwindigkeit von 16 Megabit pro Sekunde schon nach 75 Gigabyte im Monat auf 384 Kilobit pro Sekunde abgebremst. "Wer weiß, wie die Datengrenzen 2018 aussehen werden? Wir leben in einer sehr dynamischen Branche", so van Damme.

Drossel womöglich für Altkunden: Der von manchen Kritikern geäußerte Vermutung - spätestens 2018 wäre das Ende der Internet-Flatrate gekommen, danach würden von der Telekom nur noch Volumentarife angeboten - tritt das Unternehmen allerdings entgegen.

Auf Nachfrage antwortet die Telekom:

"Wer ab heute einen Vertrag zu Call&Surf oder Entertain abschließt, hat die Volumenbegrenzung in den AGB stehen. Die tatsächliche Umsetzung erfolgt frühestens 2016. Und was die IP-Umstellung betrifft: In fünf Jahren werden wir die AGB von 2018 nutzen und nicht die von 2013."

Wie die Verträge 2018 aussehen sollen, sagt die Telekom nicht.

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Seite 1
Plasmabruzzler 02.05.2013
1.
---Zitat von Artikel--- "Wer ab heute einen Vertrag zu Call&Surf oder Entertain abschließt, hat die Volumenbegrenzung in den AGB stehen. Die tatsächliche Umsetzung erfolgt frühestens 2016. Und was die IP-Umstellung betrifft: In fünf Jahren werden wir die AGB von 2018 nutzen und nicht die von 2013." Wie die Verträge 2018 aussehen sollen, sagt die Telekom nicht. ---Zitatende--- Mit anderen Worten: wer heute bis 2016 einen Vertrag abschließt, kauft die Katze im Sack. Planungssicherheit gleich null.
dani216 02.05.2013
2. Warten wir mal ab, wie die Zahlen
Zitat von sysopAFPWen bremst die Telekom in Zukunft online aus? Derzeit sind nur Neukunden betroffen. Doch der Konzern stellt bis 2018 alle Verträge um, womöglich samt Bremsklausel. Streaming-Diensten bietet die Telekom schon jetzt an: Kauft einen Sendeplatz in unserem Internetfernsehen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/dsl-telekom-will-internet-nicht-bremsen-a-897658.html
über die Neuverträge aussehen, die sich die Verantwortlichen bei der Telekom monatlich anschauen. Mal sehen, was passiert, wenn drei Monate ins Land gegangen sind.
earl grey 02.05.2013
3. Es ist unglaublich
Zitat von sysopAFPWen bremst die Telekom in Zukunft online aus? Derzeit sind nur Neukunden betroffen. Doch der Konzern stellt bis 2018 alle Verträge um, womöglich samt Bremsklausel. Streaming-Diensten bietet die Telekom schon jetzt an: Kauft einen Sendeplatz in unserem Internetfernsehen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/dsl-telekom-will-internet-nicht-bremsen-a-897658.html
Es ist unglaublich, was hier in diesem Land abgeht. Überall auf der Welt werden die Netze ausgebaut und sind ohne Beschränkung; sogar in Rumänien ist eine 100MBit Leitung schon Standard... ich habe in einer Großstadt in D nur 6MBit, mehr geht angeblich über die Leitung nicht... Wir haben in D in vielen Bereichen des Lebens die teuersten Preise und bekommen dafür die miesesten Leistungen; gerade im Internet hinken wir sogar Entwicklungsländern gnadenlos hinterher. Aber mit den dummen Deutschen kann man es ja machen - die meckern zwar wie die Weltmeister, reagieren sonst aber nicht. Ich hoffe, dass diesen Wahnsinn, losgetreten von der Telekom, irgendwann mal jemand stoppt.
prefec2 02.05.2013
4. Was für ein grandioser ...
aber man soll ja keine unflätigen Vokabeln nutzen. Ich würde jetzt gerne von Frau Aigner und Herr Rösler etwas substantielles im Bezug auf Netzneutralität hören. So z.B. dass sie ein Gesetz erlassen, welches diese Netzneutralität verpflichtend vorschreibt. Man kann BTW an solchen Auswüchsen mal wieder erkennen, dass Infrastruktur nicht gut von privat wirtschaftenden Organisationen betrieben werden kann. Ohne Regeln fallen sie dann irgendwann über die Allgemeinheit her. Ich muss glaube ich mal meinen Handyanbieter wechseln schließlich ist das der gleiche Laden.
Deep Thought 02.05.2013
5. Ist nichtdumm... Im Grunde das apple-Prinzip
Mit iTunes und ihrem geschlossenen System macht apple doch im Grunde genau diese amsche vor ! Und wird dafùr auch noch geliebt...
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