Dubiose Webseiten Millionenschäden durch Internet-Abzocke

Verbraucherschützer warnen: Mit scheinbar kostenlosen Web-Angeboten werden immer mehr Websurfer um ihr Geld gebracht. Von überstürzten Zahlungen wird abgeraten - auch wenn die Abzocker mit Inkasso-Büro und Anwalt drohen.


Das Angebot schien verlockend: Er sollte nur seinen Namen, die Adresse und Telefonnummer angeben und wenige Sekunden später würde er erfahren, woher sein Familienname stammt, welche Bedeutung er hat. Da konnte Klaus K. nicht widerstehen. Der pensionierte Hobby-Genealoge trug alles brav ein und bekam auch die versprochenen Informationen. Eine Woche später bekam er allerdings auch Post. Eine Rechnung über 60 Euro. Die sei sofort zahlbar, weil er online ein Abo abgeschlossen habe. Den entsprechenden Hinweis hatte er übersehen. Kein Wunder, er war im Kleingedruckten am unteren Seitenrand versteckt.

So wie Klaus K. ergeht es offenbar immer mehr Internet-Nutzern in Deutschland. Bei den Verbraucherzahlen gehen zumindest immer mehr entsprechende Beschwerden ein. "Die Anfragen haben sich seit 2006 verdoppelt. Internet-Abzocke ist das Wort des Jahres in den Verbraucherzentralen", sagte Gabriele Beckers von der Verbraucherzentrale Hessen.

Insgesamt 6660 Betroffene hat die Verbraucherzentrale online nach ihren Erfahrungen mit den Abzockern befragt. das Ergebnis der Studie wurde heute in Frankfurt vorgestellt. Demnach rekrutieren die Betrüger ihre Opfer aus allen Altersschichten und -klassen. Die Schäden sollen mehrstellige Millionenhöhe erreichen.

Bundesverbraucherschutz-Staatssekretärin Ursula Heinen (CDU) will sich nun für eine Kennzeichnungspflicht von Kosten im Internet einsetzen. Heinen: "In der digitalen Welt tummeln sich mehr und mehr unseriöse Anbieter." Die Verbraucherzentrale fordert zudem, dass rechtsgültige Online-Verträge künftig durch eine E-Mail bestätigt werden müssten. Außerdem wurden härtere Sanktionen gegen den unlauteren Wettbewerb gefordert.

Im Durchschnitt 120 Euro

In 10 der bundesweit 16 Verbraucherzentralen seien von Januar bis Ende September dieses Jahres 62.000 Anfragen wegen Internet-Abzocke aufgelaufen, erklärte Beckers. Die Online-Umfrage ergab, dass die ahnungslosen Internet-Nutzer durchschnittlich 120 Euro bezahlen sollten.

In etwa der Hälfte der Fälle sei den Betroffenen ein Abonnement, beispielsweise für Hausaufgabenhilfe oder Rezepte, untergeschoben worden. Ebenso häufig wurde die Gebühr für Einmalleistungen erhoben. Die Online-Ermittlung von Stammbäumen, Musikdownloads oder Berechnungen von Routen und Lebenserwartungen gehören zu den Standard-Lockmitteln. Ein Viertel der Betroffenen soll minderjährig gewesen sein.

Weigert sich ein Betroffener die Rechnung zu zahlen, schalten die dubiosen Anbieter häufig Inkasso-Büros und Anwälte ein. Das scheint ausgesprochen oft der Fall und Teil des Geschäftsmodells zu sein, da nur jeder Zehnte Betroffene angab, sofort bezahlt zu haben.

In solchen Fällen arbeiten die Anbieter mit harten Bandagen. "Allen Anbietern gemeinsam ist, dass eine immense Drohkulisse aufgebaut wird", sagt Anwalt Peter Lassek. Dennoch sollten die Abzocke-Opfer nicht leichtfertig klein beigeben. Stattdessen sollten sie sich unbedingt beraten lassen.

mak/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.