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Durchbruch: Apple startet Musikverkauf ohne Kopierschutz

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Der Computerkonzern Apple verkauft im Internet künftig Lieder ohne Kopierschutz. Ein wegweisender Deal mit EMI macht's möglich: Musik des Labels wird bei iTunes bald ohne DRM angeboten - wenn die Kunden 30 Cent Aufpreis zahlen.

Den heutigen Tag dürfte sich Apple-Chef Steve Jobs rot im Kalender angestrichen haben. Anfang Februar hatte der erklärte Bob-Dylan-Fan die Plattenfirmen in einem offenen Brief aufgefordert, digitale Musik aus ihren Kopierschutzfesseln zu befreien. Die führten nur dazu, dass sich die Raubkopierer und die Entwickler des digitalen Rechtemanagements (DRM) einen ewigen Kampf liefern. Außerdem würde ein Verzicht auf DRM den Online-Musikverkauf weiter anheizen und zudem weiteren, kleineren Firmen den Eintritt in den Markt ermöglichen.

Apple-Chef Jobs: Neuer Schub für den Online-Musikmarkt erwartet
REUTERS

Apple-Chef Jobs: Neuer Schub für den Online-Musikmarkt erwartet

Heute nun verkündete der EMI-Chef Eric Nicoli, seine Firma werde ihre Musik künftig vollständig ohne Kopierschutz anbieten. Die Entscheidung hatte EMI mit Hilfe von Marktforschern getroffen. Die hatten herausgefunden, dass die Anwender für Songs ohne DRM auch einen höheren Preis zahlen würden. In einem Test griffen zehnmal mehr Käufer zu den teureren Songs ohne Kopierschutz.

EMIs Antwort auf das Problem: ein Sowohl-als-auch. Ab sofort wird die Plattenfirma ihre Lieder zusätzlich zu den Normalversionen als Premium-Downloads ohne DRM, aber mit deutlich höherer Klangqualität anbieten.

Was dies genau bedeutet, sagte Apple-Chef Steve Jobs. Pro Lied müsse der Käufer im iTunes-Store 30 Euro-Cent Aufpreis zahlen. In Deutschland wird ein DRM-freier Song aus dem EMI-Katalog also 1,29 Euro kosten.

Alben hingegen werden weiterhin zu demselben Preis wie bisher angeboten. Damit will EMI den Abverkauf kompletter Alben fördern. Zusätzlich sollen auch Videodownloads ohne DRM angeboten werden.

Update "alter" Musik ist möglich

Wem der Aufpreis zu hoch ist, steht frei, weiterhin kopiergeschützte Varianten der Titel zum bekannten Preis von 99 Cent zu kaufen. Umgekehrt haben Anwender, die bereits Songs aus dem EMI-Katalog bei iTunes erworben haben, die Möglichkeit, ihre Titel gegen Zahlung von 30 Cent pro Stück auf das DRM-freie System aufzuwerten.

Als zusätzlichen Anreiz werden die DRM-freien Titel in höhere Klangqualität angeboten, nämlich mit 256 statt 128 kBit/s komprimiert. Ab Mai soll der gesamte EMI-Katalog DRM-frei bei iTunes verfügbar sein.

Steve Jobs sieht in dieser Maßnahme den "nächsten großen Schritt der digitalen Musikrevolution". Er rechnet damit, dass bis zum Jahresende die Hälfte aller Songs im iTunes-Store ohne DRM angeboten werden können - allerdings weiterhin im von Apple bevorzugten AAC-Format. MP3-Dateien wird es bei Apple auch zukünftig nicht geben.

Interessant dürfte es sein, die weitere Entwicklung bei den Verkäufen von MP3-Playern zu beobachten. Bisher galt die Kopplung von Musik aus dem iTunes Store, die ausschließlich auf Apples iPod-Playern abspielbar war, als verkaufsfördernd für die Geräte des kalifornischen Herstellers. Mit der Aufnahme nicht-kopiergeschützter Songs ins Angebot öffnet sich Apples Online-Shop nun erstmals auch Anwendern von Playern anderer Hersteller. Inwieweit sich diese Änderung auf die Verkäufe der Apple-Player auswirkt, dürfte nur schwer abschätzbar sein.

Dass eine Abkehr vom DRM-Prinzip den Kunden zugute käme, hat auch der deutsche Marktführer für Online-Musikverkäufe, Musicload, eingesehen. Denn laut Musicload sind Probleme mit gekauften Songs in drei von vier Fällen auf DRM zurückzuführen. Auf der Suche nach Alternativen hat das Musikportal Verhandlungen mit der Musikindustrie aufgenommen. Als ersten Erfolg wertet Musicload eine Kooperation mit dem Berliner Plattenlabel Four Music, deren Gesamtkatalog im MP3-Format ohne Kopierschutz erhältlich ist. Laut Musicload sind die Verkäufe der von Four Music vertretenen Künstler seither um 40 Prozent angestiegen.

Deutsche Erfahrungen ohne DRM

Diese Entwicklung deckt sich mit aktuellen Zahlen des Weltverbands der Musikindustrie, IFPI, der erwartet, dass die Musikindustrie bis 2010 ein Viertel ihrer Umsätze im Internet erzielt. Derzeit liegt dieser Anteil noch bei zehn Prozent.

Ein solches Wachstum ist laut Musicload aber nur mit einem offenen Standard möglich, da die derzeit verwendeten DRM-Lösungen die Nutzung von Musik erschweren und verhindern, dass sich der legale Download zum Massenmarkt entwickelt.

Dass es auch anders geht, demonstrieren einige kleinere Online-Plattenläden bereits seit geraumer Zeit. So bezeichnet sich der auf Independent-Labels spezialisierte Hamburger Anbieter finetunes selbst als einen der "größten Online-Distributoren". Dort kostet Musik, ebenso wie im iTunes Store, 0,99 Euro pro Song im Einzelkauf und 9,99 pro Album - das alles aber generell ohne DRM.

Denn, so sieht es die Firmenphilosophie vor, "kostenpflichtige Musik-Download-Services werden erst dann erfolgreich sein, wenn sie mindestens genauso komfortabel und attraktiv sind wie vergleichbare illegale Angebote". Dass ein System ohne DRM Erfolg haben wird, da ist man sich bei finetunes sicher, denn "Kunden geben gerne Geld aus, es muss nur funktionieren und Spaß machen".

Den Vogel in Sachen Preisgestaltung schießt jedoch der Kopierschutzfreie Shop von emusic ab. Zwar ist Musik dort nur im Abo zu bekommen, bestellt man aber beispielsweise 100 Songs pro Monat, zahlt man pro Titel nur 0,25 US-Dollar (0,19 Euro). Was beiden Shops - und vielen vergleichbaren Angeboten - fehlt, sind allerdings die Top-Stars. Stattdessen bekommt man dort eben nicht die Formatradio-kompatiblen Chartstürmer, sondern eher Ohrenfutter für den individuellen Geschmack.

Mit der Ankündigung von heute macht EMI ohne Frage einen riesigen Schritt in die richtige Richtung.

P.S.: Die Songs der Beatles sind wie zuvor von den Vereinbarungen zwischen EMI und Apple ausgenommen.

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Forum - Online-Musikverkauf ohne Kopierschutz?
insgesamt 76 Beiträge
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1.
Landegaard 02.04.2007
Zitat von sysopApple und EMI wollen künftig Musik ohne Kopierschutz, dafür aber in besserer Audioqualität anbieten. Ist es gerechtfertigt, für Songs, die frei kopiert und auf beliebigen Endgeräten abgespielt werden können, mehr Geld zu verlangen?
Gute Frage. Wenn ich eine CD alter Schule als Basis nehme, wo ebenfalls hohe Qualität und kein Kopierschutz drauf war, zugrunde lege, hätte es zunächst einmal einen Preisnachlass geben müssen, als die Qualtiät verschlechtert wurde und durch Kopierschutz-Maßnahmen die Nutzung beschnitten wurde. Dies ist jedoch nicht geschehen. Daher finde ich es seltsam, nun andersrum zu argumentieren. Weiterhin bezahle ich nach wie vor GEMA-Gebühren beim Kauf von Rohlingen, genau aus diesem Grund. Ich finde es bereits bedenklich, diese Gebühren per Kopierschutz ad absurdum zu führen. Mir ist auch nicht erinnerlich, dass deshalb einmal über den Verzicht dieser Gebühren gesprochen wurde. Böse Zungen könnten jedoch sinnig argumentieren, dass der Wegfall von Softwarebeschaffung zur illegalen Kopieerstellung entfällt, was einen höheren Preis rechtfertigen könnte. :)
2.
Scaithy, 02.04.2007
Zitat von sysopApple und EMI wollen künftig Musik ohne Kopierschutz, dafür aber in besserer Audioqualität anbieten. Ist es gerechtfertigt, für Songs, die frei kopiert und auf beliebigen Endgeräten abgespielt werden können, mehr Geld zu verlangen?
Rein dafür, dass sie kein DRM mehr haben - nein. Das ist aus meiner Sicht Grundvoraussetzung, um Download-Versionen überhaupt zu kaufen. Ein Preisaufschlag, um die evtl. entstehenden Verluste aufgrund von leichterer Kopierbarkeit auszugleichen, ist auch reichlich dämlich. Wer illegal kopieren will, macht das ohnehin, den interessiert es nicht, ob die Songs mit oder ohne DRM vertrieben werden. Je teurer das Produkt, desto höher der Anreiz, illegal ran zu kommen. Deswegen steht die Entscheidung eigentlich im Gegensatz zum Ziel, nämlich aufgrund der DRM-Freiheit mehr Songs zu verkaufen.
3.
tempestas, 02.04.2007
da bleibt nur zu sagen: ENDLICH! wollen wir hoffen, dass die anderen schnell nachziehen und apple sein AAC gegen MP3 tauscht. Nervt doch sehr, dass mein Auto zwar ein mp3 Radio hat, mir das aber gar nichts nützt. Denn gerade im Auto will ich ja so wenig CDs wie möglich rumfliegen haben....zu Hause wird ja eh alles auf dem PC gespeichert
4. Ich denke: ja
score365, 02.04.2007
Zitat von sysopApple und EMI wollen künftig Musik ohne Kopierschutz, dafür aber in besserer Audioqualität anbieten. Ist es gerechtfertigt, für Songs, die frei kopiert und auf beliebigen Endgeräten abgespielt werden können, mehr Geld zu verlangen?
Was habe ich Bange gehabt, als nach dem Kauf des neuen Rechners, iTunes erst einmal meine gekauften Lieder zum 2. Mal (von 3) frei geschaltet hat. Ich nahm mir vor, diese unbedingt als CD zu brennen, auf dass ich sie dann im Falle eines Falles wiederherstellen kann. Ich weiss nicht, ob diese auch von diese Vereinbarung betroffen sind, aber ich zahle den Aufpreis gerne für die DRM-Freiheit. Die "bessere Qualität" wird sich erst Vorteil zeigen müssen - ich höre den Unterschied zwischen 128kBit und 192kBit nicht immer...
5.
FaripiY, 02.04.2007
Zitat von sysopApple und EMI wollen künftig Musik ohne Kopierschutz, dafür aber in besserer Audioqualität anbieten. Ist es gerechtfertigt, für Songs, die frei kopiert und auf beliebigen Endgeräten abgespielt werden können, mehr Geld zu verlangen?
Nein! In der mickrigen Qualität sind die Songs ohnehin masslos überteuert. Die hilft auch das upgrade von 128 auf 256kbs nicht viel. Alles über €1 liegt jenseits der Schmerzgrenze. Jeder Preis über €1 öffnet außerdem die Tür für psychologisch einfach durchsetztbarere Preiserhöhungen. Wayne interessierts, wenn der Preis von 1,29 auf 1,34 etc angeboben wird. Steht doch noch eine 1 vorm Komma. Zum Glück regt sich selbst in den iTunes-User Bewertungen der Widerstand gegen einige "Abzocke"(1)-Methoden von iTunes. (1)Zitat aus User-Bewertung. Ich selbst habe schon seit Monaten keinen Titel mehr bei iTunes u.a. gekauft. Online-Radio als Alternative. Leider soll den Online-Stationen durch irrsinninge Lizenzgebühren die Luft zum Leben abgedreht werden. Dazu kommt noch: wenn man davon absieht, dass Apple die Dateien weiterhin im AAC-Format anbieten wird und nicht als offenes MP3
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