E-Books für iPad und Co.: Es geht auch ohne

Von

Mehr Geld für Autoren: ob für iPad und Kindle oder als Book-on-Demand, Bücher einfach selber verkaufen, ganz ohne Verlag. Bestseller-Schreiber Markus Albers hat es ausprobiert - und ist überrascht.

Markus Albers mit seinem E-Book: Mal den Verlagen zeigen, was ohne sie geht Zur Großansicht
Martin Mai

Markus Albers mit seinem E-Book: Mal den Verlagen zeigen, was ohne sie geht

Es reicht nicht einmal für einen Cheeseburger. Der durchschnittliche Autor eines durchschnittlichen Taschenbuchs bekommt rund zehn Prozent vom Verkaufspreis eines Exemplars. Kostet sein Buch 9,95 Euro im Laden, wie ein Großteil der Neuerscheinungen, die mit einer Auflage zwischen drei- und zehntausend Exemplaren in die Läden kommen, reicht ihm der Verlag 95 Cent weiter.

Markus Albers nimmt lieber alles. Er verzichtet auf einen Verlag - und bekommt deshalb deutlich mehr Geld. Er verkauft sein neues Sachbuch für 9,99 Euro einfach selber. "Meconomy", ein Buch über die Zukunft der Arbeits- und Lebenswelt, gibt es auf seiner Web-Seite. Den erbaulichen Ratgeber für sich selber vermarktende Kreative gibt es als E-Book für verschiedenen Plattformen und, etwas teurer, auch eigens auf Bestellung ausgedruckt.

"Es ist wahnsinnig einfach, ein PDF über das Internet zu verkaufen", sagt Albers. Eigentlich hatte er schon einen Verlag für das Buch, doch der wollte die Veröffentlichung verschieben. Weil er keine Zeit verlieren wollte, wagte er das Eigenbau-Experiment. Seinen Text gab er einem Lektor zur Korrektur, eine Illustratorin beauftrage er mit der Cover-Gestaltung - und brachte das fertige Buch schließlich selber heraus, "um zu zeigen, dass es auch ohne Verlag geht".

Nischenprodukte lohnen sich plötzlich

Gut zwei Monate ist das nun her. Mehr als 600-mal hat sich "Meconomy" seitdem verkauft, vor allem als PDF. Damit ist es nicht gerade ein Bestseller. Doch die Kosten für die Produktion, für Lektorat und Cover, sind schon wieder eingespielt. "Ich habe vorher ausgerechnet, dass ich ab 200 verkauften Büchern Gewinn mache", sagt Albers. Der Vorteil des Eigenvertriebs: Auch Bücher mit einer überschaubaren Käuferschaft, deren Produktion sich für einen Verlag nicht rechnet, finden ihren Markt.

Ganz so einfach ist Albers Rechnung dann doch nicht: Verkauft er ein PDF, gehen nur ein paar Cent an die Firma E-junkie, von der die Bezahlung abgewickelt wird. Wird aber ein gedrucktes Buch geordert, geht der Auftrag an das Unternehmen epubli. Weil der Druck teurer ist, fällt Albers Anteil kleiner aus. Dafür besorgt epubli auch eine ISBN-Nummer und listet das Buch in Verzeichnissen des Buchhandels. Schließlich wird auch für die Aufnahme in digitale Buchläden ein Anteil fällig.

Für das Einsortieren von "Meconomy" in den Kindle-Buchladen verlangt Amazon von jedem dort verkauften Buch 35 Prozent. Damit das Buch auf iPhone und iPad kommt, arbeitet Albers mit der Berliner Firma Textunes zusammen. Die verkauft über Apples App Store deutschsprachige E-Books. Eigentlich haben zum Textunes-Angebot dort nur renommierte Verlage Zugang. Zwischen Büchern wie Frank Schätzings "Limit", das für 26 Euro geladen werden kann, sollen keine unredigierten Hobby-Ergüsse stören.

Dienstleister übernehmen den Digital-Vertrieb

Bei Markus Albers machten sie eine Ausnahme - er hatte mit "Morgen komm ich später rein" bereits einen Bestseller vorzuweisen. Das überzeugte Textunes von der Qualität. "Man kommt außerdem mit allen gut ins Gespräch, weil sich gerade soviel verändert", sagt Albers. Die Verlage sind noch nicht in der digitalen Welt angekommen, gewöhnen sich erst langsam an E-Books. Da ist auch Platz für Experimente wie das von Albers und seiner "Meconomy".

In den USA gibt es bereits Dienstleister, die einen solchen digitalen Vertrieb für Autoren komplett übernehmen. Die Schreiber liefern ein fertiges Produkt ab, Anbieter wie Lulu.com oder Smashwords machen daraus dann eine Datei im ePub-Format und kümmern sich um die Aufnahme in die passenden Plattformen.

Darunter ist auch der iBookstore, der zum Start des iPads in den USA gestartete digitale Buchladen von Apple. Ob es den auch für Deutschland geben wird, wenn das Gerät im Mai verkauft wird, wollte Apple nicht sagen. Noch fehlen dafür offenbar die Verträge mit den Verlagen, die hierzulande mit Libreka eine eigene, aber weitgehend erfolglose Plattform für E-Books aufgebaut haben.

Veröffentlichen ist einfach

Verkauft hat Albers "Meconomy" vor allem als PDF-Datei, erst an zweiter Stelle kommen die iPhone-Bücher, die über Textunes verkauft wurden. Die gedruckte Version hat sich bisher vergleichsweise nicht so gut verkauft. "Darin sind die Verlage unheimlich gut, mit ihrem Vertrieb und ihren Kontakten Bücher in die Läden zu bringen. Das kann die Verkaufszahlen enorm steigern", sagt Albers. Das könne ein Einzelner niemals leisten.

Ein Buch lässt sich auch ohne Verlag einfach veröffentlichen - schwieriger ist es, auch Käufer für das Werk zu finden. Albers hatte es da vergleichsweise leicht, er war als Autor bereits bekannt. Schon während er "Meconomy" schrieb, veröffentlichte er in seinem Blog Zwischenergebnisse und Interviews, die er für das Buch geführt hatte. So wurde sein Buch von der Netzgemeinde schon erwartet.

Ist das Experiment nun geglückt? Reichen 600 verkaufte Exemplare zum Glück? "Ja, aber ich muss davon auch nicht leben", sagt Albers. Aber allein um den Verlagen mal zu zeigen, dass es auch ohne sie und ohne lange Produktionszeiten geht, habe es sich gelohnt.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. kein titel
malte71 10.04.2010
Zitat von sysopMehr Geld für Autoren: Ob für iPad und Kindle oder als Book-on-Demand, Bücher lassen einfach selber verkaufen, ganz ohne Verlag. Bestseller-Schreiber Markus Albers hat es ausprobiert - und ist überrascht. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,687744,00.html
Wie schon in dem Artikel steht: Er "hatte seine Kosten wieder drin" bezieht sich auf die reinen Veröffentlichngskosten, aber wohl kaum auf die Kosten zur Schaffung des Werkes, sprich Lebensunterhalt des Autors. Es mag immer mal wieder Ausnahmen a la "Schnappi" geben, aber i.d.R. dürfte ein nicht etablierter Autor ohne Vermarktungsmaschinerie (ob nun online oder offline ist egal) vom Schreiben leben können. Veröffentlichen ist eben nicht gleich Verkaufen. Bei bekannten, etablierten Autoren sieht das natürlich anders aus. Von denen gibt es aber nur eine Handvoll. Insofern wird auch im Internet der Weg des unbekannten Autors ohne Agent, Verlag/ Vermarkter etc. nur in Ausnahmefällen erfolgreich sein. Abertausende niemals gelesene Werke, die bei books on demand etc. vor sich hin rotten, sind die stummen Zeugen.
2. ...
m-pesch 10.04.2010
Zitat von sysopMehr Geld für Autoren: Ob für iPad und Kindle oder als Book-on-Demand, Bücher lassen einfach selber verkaufen, ganz ohne Verlag. Bestseller-Schreiber Markus Albers hat es ausprobiert - und ist überrascht. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,687744,00.html
Das ist etwas das Apple und amazon gerne übersehen. Warum sollten sich in Zukunft die Verlage oder sogar die Autoren selbst dieses Geschäft entgegehen lassen. Direktvertrieb ist im Internet kein allzu großer Kostenfaktor mehr.
3. ....
m-pesch 10.04.2010
Zitat von malte71Insofern wird auch im Internet der Weg des unbekannten Autors ohne Agent, Verlag/ Vermarkter etc. nur in Ausnahmefällen erfolgreich sein. Abertausende niemals gelesene Werke, die bei books on demand etc. vor sich hin rotten, sind die stummen Zeugen.
Und das ist anders venn man über einen Verlag und Amazon geht? Eher nicht. Man hat dort keine Möglichkeit sich von anderen abzuheben. Es sind halt abertausende.
4. Ausgezeichnet ! Nur Mut.
frank_lloyd_right 10.04.2010
Ich wäre jederzeit bereit, dem Autor selbst mehr zu zahlen, als Äppel oder irgenddeinem anderen Geschäftemacher. Voraussetzung ist natürlich, daß ich ziemlich sicher sein kann, daß mir sein Produkt ewas gibt - das war bei mir und anderen immer schon entscheidend beim Buchkauf, wie lange habe ich in Buchhandlungen erst geblättert - oder, in Eile, bei Prosa einen mir bekannten Namen gewählt... letzteres ist für Newcomer ein Problem. Auch die Sprache, man sollte Englisch zur Muttersprache hinzufügen und sich erst dann ins Netz wagen... für die meisten sicher ein Problem, aber der Riesenmarkt ! Es braucht Leseproben und Inhaltsangaben (sowas findet man bei Amazon kaum), hier hat der Autor echt Chancen, sich auf seiner eigenen Seite selbst besser zu vermarkten. Eine Ebookseite, die Autoren beim Vermarkten hilft, werden wir bald hochziehen, Novelibro.com - aber da werden wir hoechstens 10 Prozent "schneiden", nicht umgekehrt ! Die Domain "schlummert" seit 7 Jahren und wartet auf ein günstiges Klima, so wie die Autoren... allmählich wird es interessant. Ich selbst lese ja erst Bücher auf Computern, seitdem es anständige Netbooks gibt, darum wundert mich die Verzögerung auch gar nicht. Ich war nur überrascht, daß sich das Lesen nun optisch angenehmer gestaltet als mit einem echten Buch, auch der Effekt, daß man beim Lesen das Buch entweder extrem vorsichtig handled oder es teilweise zertört, hat sich erledigt.
5. Nicht so einfach
W. Robert 10.04.2010
Ich hatte noch nie ein gutes Gefühl bei eBay, Amazon, iTunes und ich kaufe dort bewusst nichts. eBay verlagert den Trödelmarkt weg von der Lokalzeitung, was unnötige Transportwege verursacht. Sie mischen sich auch in den ganz gewöhnlichen Handel ein, auch hier wieder zu Lasten des lokalen Handels. Amazon sorgt dafür, dass auch noch der lokale Anbieter von Medien nichts verdient, was ganz konkret zu weiteren Arbeitslosen führt. iTunes bietet sowieso eine miserable komprimierte Klangqualität, da ist ja schon ein gutes Internet-Radio überlegen. Natürlich versuchen nun die Verlage, die Reader großflächig zu pushen. Sie erhoffen sich eine neue Einnahmequelle. Gerade Kindle und das iPad sind aber als geschlossene Systeme abzulehnen. Das Hauptproblem bleibt im Internet eben das Bezahlsystem. Ich gebe prinzipiell keine Kreditkartendaten über das Netzt heraus und begnüge mich mit Nachnahme-Käufen. Damit ist die Missbrauchsgefahr minimiert und die Datenkraken schauen in die Röhre. So denken viele, mehr als den Verlagen recht sein kann. Da bleibt nur ein Geheimtipp: Einfach die Qualität erhöhen, wieder auf Recherche statt auf Abschreiben setzen, nicht ganz so stark die Interessen der Eigentümer vertreten. Dann klappt das auch wieder am Kiosk. Autoren sollte sich vielleicht mehr um gemeinsame Projekte kümmern, meinetwegen Webseiten, wo sie ihre Arbeit vorstellen und vermarkten können. Die Hürde bleibt aber der unsichere Zahlungsverkehr und vor allem die Gratismentalität von Google, den Internetradios, den Filesharern. All das führt zu einer Verarmung der Kultur, wie man an der gegenwärtigen Musikszene in Deutschland gut verfolgen kann. Umsonst gibt es eben nur Staatskunst, und die kostet ziemlich viele Steuern.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Web
RSS
alles zum Thema E-Book-Reader
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 26 Kommentare
Fotostrecke
Textunes: Bücher fürs Handy

Fotostrecke
E-Books: Lesehilfen für Nerds


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.