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E-Books: Google will Buchhändler spielen

Wie von vielen Buchhändlern befürchtet plant Google, sein E-Book-Engagement auch auf Neuerscheinungen auszudehnen. Zum ersten Mal würde Google mit der Eröffnung eines E-Book-Shops vom Info-Makler zum Verkäufer - und zur direkten Konkurrenz für Buchhändler.

Washington - Es ist ein "dream come true" - allerdings aus Sicht vieler Verleger und Buchhändler ein wahr gewordener Alptraum: Der Internet-Konzern Google will künftig auch literarische Neuerscheinungen als elektronische Bücher verkaufen. Das Angebot solle noch in diesem Jahr starten, teilte ein Unternehmenssprecher mit. Google wolle den Verlagen damit eine weitere Möglichkeit geben, ihre Bücher zu verkaufen. Google bietet bereits mehr als eine halbe Million eingescannte ältere Bücher, auf die kein Urheberrecht mehr besteht, als E-Books an.

Tom Turvey, im Google-Management zuständig für strategische Partnerschaften, sagte der "New York Times", die bald über Google verkauften Neuerscheinungen in elektronischer Form sollten auf jedem internetfähigen Gerät wie etwa Mobiltelefonen lesbar sein.

Nach Informationen der Zeitung besteht keine direkte Verbindung mit Googles heiß umstrittenen Buch-Scan-Projekt: Seit einigen Jahren bemüht sich Google, alles, was in gedruckter Form erhältlich ist, zu digitalisieren und online verfügbar zu machen. Den Rechteinhabern bietet Google die Möglichkeit des Widerspruchs - wer sich nicht wehrt, wird eingescannt. Amerikanische Verleger erstritten vor Gericht einen Kompromiss mit Google, der zumindest eine Beteiligung an daraus resultierenden Umsätzen regeln soll.

Google als Shop?

Eingescannte Werke, deren Inhalte erschlossen werden, sind jedoch etwas anderes als E-Books. Viele Verlage schätzen und nutzen Googles Buchsuche inzwischen als Promotion-Werkzeug, indem sie ihre Produkte nur in Auszügen verfügbar machen. Die digitalisierten Bücher sind auch nicht herunterzuladen, können also auch nicht vollständig über Laptops, Lesegeräte oder Smartphones konsumiert werden. E-Books dagegen sind Dateien, die komplette Werke umfassen und das gedruckte Buch so in elektronischer Form ersetzen und zugänglich machen. Alle großen Verlage engagieren sich zunehmend in diesem Geschäftsfeld.

Das Google-Vorhaben könnte zu einer ernsthaften Konkurrenz für den Internet-Buchhändler Amazon werden. Der bisherige Marktführer verkauft ebenfalls E-Books über das Internet, bindet diese jedoch an ein proprietäres Format, das nur mit dem exklusiv von Amazon vertriebenen Lesegerät Kindle zu lesen ist. In Konkurrenz dazu stehen verbreitete Formate wie PDF oder das neue Epub-Format des International Digital Publishing Forum, das Kopierschutzmechanismen unterstützt.

Googles für das Jahresende geplanter Markteintritt könnte die Karten in diesem noch sehr kleinen Markt neu mischen. Signifikante Verkaufszahlen hat bisher nur Amazon USA vorzuweisen. In Europa wird das Kindle-Lesegerät - in den USA bereits in zweiter technischer Generation auf dem Markt sowie in einer Großversion - noch immer nicht angeboten.

In Deutschland teilen sich mehrere Anbieter von Lesegeräten einen Markt, der auch darum bisher nur zur Mini-Nische taugt, weil es ein ernstzunehmendes Verkaufsangebot nicht gibt: Libreka, die Antwort des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels auf Googles Buch-Projekte, wirkt bisher eher wie der Versuch, den Verkauf von E-Books zu behindern.

pat/AFP

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