Von Frank Patalong
Wie sich so etwas äußert, kann man beim "Börsenblatt" des Buchhandels nachlesen, das mal wieder den drohenden Untergang prognostiziert. "Preissturz ins Bodenlose" heißt der Artikel aus dem Dezember vorigen Jahres, der seine Leser auf folgende Weise lockt: "Die Dumping-Strategie im Online-Buchgeschäft und bei E-Books gefährdet nicht nur den unabhängigen Buchhandel in den USA, sondern bedroht auch die Geschäftsgrundlage der Verlage."
Korrekt beschrieb der Artikel die Situation als Rabattschlacht, bei der kleinere Ketten und Einzelläden zwischen den Großhändlern Amazon und Barnes & Noble zerrieben zu werden drohen. Amazon ist dabei das, was Apples iTunes für die Musikbranche wurde: das richtige digitale Angebot aus Sicht der Kunden. Ein Angebot, dass der etablierte Handel zu lang ignorierte. Auch dass das Internet einen medieninhärenten Trend zu Monopolen besitzt, ist nicht wirklich eine Überraschung. In einem globalen, ortlosen Medium nutzt man für einfache Dienstleistungen wie Einkauf, Nachschlagen, Internetsuche oder Auktion im Zweifelsfall eben nur einen guten Anbieter.
Offenbar sickert diese Erkenntnis inzwischen durch. "Europäische Buchhändler, die von der Buchpreisbindung profitieren, wie in Deutschland und Frankreich, verfolgen die Entwicklung mit Entsetzen", heißt es im "Börsenblatt". "Aber sie wird auch an ihnen nicht vorbeigehen, insbesondere dann, wenn Google alle gewünschten Bücher nach Belieben digitalisieren kann."
E-Book deutscher Machart hat kaum eine Chance
Die Ausgangslage ist also klar: Das Angebot an billigen legalen wie kostenlosen E-Books wird schnell steigen, das an Raubkopien ebenfalls. Film-Streams mit ihrem Datenvolumen von 700 MB bis 1,5 GB kann man mit Geo-IP-Technik noch effektiv blockieren. Ein Buch aber mit einer Dateigröße von wenigen hundert KB bis zu wenigen MB dagegen nicht: Im Zweifelsfall bezieht man es eben über einen Proxy, der die geografische Herkunft des Bestellenden verschleiert - oder lässt es sich von Social-Network-Freunden per Messenger schicken.
Aber das ist ja noch nicht einmal nötig. Importbücher unterliegen auch in Deutschland nicht der Buchpreisbindung. Clevere Amazon-Afficionados bestellen ihre fremdsprachigen Bücher nicht im deutschen Shop, sondern mit Preisvorteil in England. Und E-Books bekommt man dann eben sofort.
So mag auch ein Großteil der bisher in Deutschland verkauften E-Books fremdsprachig sein. Mit wachsender Nachfrage ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis E-Book-Shops irgendwo im Ausland beginnen, auch E-Books in deutscher Sprache anzubieten. Gegen die dann zu erwartenden Sonderangebote wird das buchpreisbindungsgeschützte E-Book deutscher Machart dann wohl kaum eine Chance haben.
iPad hin oder her - es ist Zeit, dass die druckende Branche begreift, dass man sich selbst schadet, wenn man die digitale Version verhindert, um das Druckwerk zu schützen.
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