E-Mail-Service Nachrichten an die Zukunft

Auf einer amerikanischen Website können Surfer eine E-Mail an sich selbst schreiben, die erst in einigen Jahren abgeschickt wird. Eine faszinierende Idee, die manchen zum Grübeln bringt.


Das kann ganz schön peinlich werden. In 20 Jahren zu lesen, was man heute gedacht hat. Oder wovon man geträumt hat und wovor man sich fürchtete. Vielleicht ist es aber auch eine spannende Sache, seine eigenen, zwei Jahrzehnte zurückliegenden Gedanken noch einmal zu lesen.

Das FutureMe-Prinzip: Briefe ans zukünftige Ich
DDP

Das FutureMe-Prinzip: Briefe ans zukünftige Ich

Wie das Experiment auch immer ausgeht, wer daran teilnehmen möchte, braucht nur die Seite www.futureme.org anzusteuern. Dort kann man Nachrichten eingeben und den Versendetag festlegen. Der kann morgen sein oder aber in 30 Jahren.

Ob es dann den Dienst futureme.org noch gibt und ob die eigene E-Mail-Adresse noch funktioniert, sei hier mal dahingestellt. Die meisten Nutzer entscheiden sich für einen Versand in drei Jahren - da sind die Chancen auf jeden Fall groß, dass futureme.org noch existiert. Das Angebot ist gratis. Fast 130.000 Nachrichten hat die Seite mittlerweile eingesammelt.

"Wir möchten, dass Menschen über ihre Zukunft, ihre Träume, ihre Ängste nachdenken", sagte Matt Sly, einer der Macher der Seite der Nachrichtenagentur AP. "Wir möchten das ernsthafte Grübeln über sich selbst erleichtern."

Der Zukunftsforscher Paul Saffo erklärte, Menschen wollten schon immer Dinge in die Zukunft übermitteln. "Auf gewisse Weise ist das auch ein Ausdruck von Optimisimus", sagte der Direktor des Institute for the Future im kalifornische Palo Alto.

Viele Botschaften sind auf futureme.org frei zugänglich, lediglich die Empfänger sind anonymisiert. So kann man in weniger Ernst gemeinten Texten von Schülern schmökern - aber auch durch jene von Älteren, die nicht nur aus Jux verfasst wurden.

Was ist aus den eigenen Sehnsüchten geworden?

"Der Ton ist nicht immer freundlich", sagte Sly, der 29 Jahre alt ist und an der Yale University studiert. Die meisten Nachrichten enthielten zwei Dinge: Sie erzählen, was die Person gerade mache, und sie fragen, ob sich die eigenen Sehnsüchte erfüllt hätten.

Verärgert reagierten Matt Sly und sein Mitstreiter Jay Patrikios auf das Forbes-Projekt "E-Mail-Zeitkapsel", das der US-Medienkonzern möglicherweise von ihrer Seite abgekupfert hatte. Vom 24. Oktober bis zum 30. November 2005 sammelte die Seite Nachrichten an die Zukunft, die man sich 1 Jahr, 3, 5, 10 oder 20 Jahre später zustellen lassen kann. Bei Forbes kamen mehr als 140.000 Botschaften zusammen.

"Wir können nicht hundertprozentig garantieren, dass unser Projekt funktioniert", bekannte der Verlag, aber man habe sich kompetente Partner gesucht - darunter Yahoo - um das sicherzustellen. Forbes hatte sich nach Angaben von Sly und Patrikios per Mail an futureme.org gewandt und eine mögliche Zusammenarbeit in Aussicht gestellt. Nach einer freundlichen Antwort auf die Anfrage hörten die beiden aber nichts mehr von Forbes - bis die "E-Mail-Zeitkapsel" online ging.

Um sicherzustellen, dass die Nachricht auch ankommt, empfiehlt Forbes übrigens, eine dauerhafte E-Mail-Adresse anzugeben. Am besten bei einem Anbieter, der nicht so schnell verschwindet. Genannt werden dann Yahoo, Google und Microsoft. Wenn das mal nicht zu voreilig ist.



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.