EBay Misstrauen, Angst, Unsicherheit

14,5 Prozent ihrer Online-Zeit verbringen deutsche Internetnutzer bei eBay. Doch viele Kunden sind unzufrieden, zeigen die Zuschriften von SPIEGEL-ONLINE-Lesern. Jetzt antwortet das Auktionshaus auf die Vorwürfe.

Von


Alle 50 Sekunden eine Digitalkamera, jede Minute ein Auto, täglich ein Kühlschrank - nirgends in Europa wird soviel online ersteigert wie bei eBay Deutschland. Doch nach dem rasanten Wachstum der vergangenen Jahre äußern jetzt immer mehr unzufriedene Kunden ihre Enttäuschung: Als Reaktion auf einen Artikel bei SPIEGEL ONLINE senden viele Leser der Redaktion ihre eBay-Erfahrungen. Die meisten sind negativ. EBay reagiert und erklärt, wie die bemängelten Zustände verbessert werden sollen.

Kaum noch Schnäppchen - wegen Preistreibern?

EBay Deutschland-Zentrale: Schnell weg von dem Internet-Auktionshaus, denken viele SPIEGEL-ONLINE-Leser
DDP

EBay Deutschland-Zentrale: Schnell weg von dem Internet-Auktionshaus, denken viele SPIEGEL-ONLINE-Leser

Die Kritik an den überhöhten Auktionspreisen kommentieren einige Leser abgebrüht: "Blind bei eBay kaufen, war von Anfang an nicht schlau, weil manchen Auktionsteilnehmern beim Steigern der Gaul durchgeht." Da bieten leichtgläubige Kunden für gebrauchte Digitalkameras, die im Handel neuwertig 144 Euro kosten, bis zu 190 Euro.

Die Konsequenz für viele eBay-Kunden: Sie kaufen bei Online-Auktionen nur noch spezielle Artikel, für die es nur vergleichweise wenig Nachfrage gibt: antiquarische Bücher, Autoersatzteile, Ersatzteile für Playmobil - Digitalkameras und Unterhaltungselektronik aber auf gar keinen Fall.

Eine mögliche Erklärung für die oft unverständlich hohen Gewinngebote ist die von eBay verbotene Preistreiberei. Sprich: Ein betrügerischer Kunde bietet unter anderem Namen für seine eigenen Auktionen oder lässt Bekannte mitbieten, um die Gebote hochzutreiben. Obwohl eBay verspricht, vehement gegen solche Trickser vorzugehen, schaffen es offensichtlich immer wieder einige, damit durchzukommen. Hinweise: Mitglieder ohne Bewertungen bieten mit - manchmal sperrt eBay solche Nutzerkonten, laut Kunden allerdings manchmal mit Verzögerung.

Misstrauisch machen auch solche Beispiele: Fünf identische Artikel bieten verschiedene Händler bei eBay an - und ausgerechnet bei dem mit den meisten Geboten treibt ein Bieter den Preis noch höher, ignoriert die anderen Auktionen völlig. Unerfahren? Betrügerisch! So der Verdacht vieler eBay-Nutzer.

EBay antwortet:

Gemäß unserer Allgemeinen Geschäftsbedingungen, die jeder eBay-Nutzer bei der Anmeldung akzeptiert, ist es Verkäufern eindeutig untersagt, eigene Auktionen durch Abgabe von Geboten unter Verwendung eines weiteren Nutzerkontos oder durch die gezielte Einschaltung eines Dritten zu manipulieren.

Diese Vorschrift trägt dazu bei, dass der Handel bei eBay fair verläuft. Erhalten wir Hinweise von Dritten - zum Beispiel von anderen eBay-Nutzern - auf ein solches Fehlverhalten, so wird dieser Sachverhalt vom eBay-Sicherheitsteam unverzüglich und individuell untersucht. Darüber hinaus überprüft das eBay-Sicherheitsteam den Online-Marktplatz auch in Eigeninitiative auf unzulässige Verhaltensweisen wie die Abgabe von Geboten auf eigene Auktionen oder die gezielte Einschaltung eines Dritten zur Manipulation einer Auktion.

Ist für das eBay-Sicherheitsteam die Abgabe solcher unzulässiger Gebote nachweisbar, werden die Mitgliedskonten der unberechtigt Bietenden vom Handel bei eBay ausgeschlossen. Außerdem wird der Verkäufer verwarnt und im Wiederholungsfall dauerhaft von der Nutzung des eBay-Marktplatzes ausgeschlossen. Dem eBay-Sicherheitsteam steht eine Reihe von Möglichkeiten zur Verfügung, um solche Manipulationen nachzuvollziehen.



Forum - Ihre Erfahrungen mit Ebay?
insgesamt 667 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Scaithy, 11.05.2007
1.
Woran eBay meiner Meinung nach krankt, ist das Bewertungssystem. Bewertungen sind Handelswaren nach dem Motto: Bewertest Du mich gut, bewerte ich Dich auch gut. Oder halt umgekehrt. Deswegen traut sich kaum jemand, schlechte Bewertungen abzugeben aus Angst vor einer schlechten Gegenbewertung. Und leider ist es auch so, dass regelmässig vom Käufer zuerst eine Bewertung erwartet wird, bevor der Verkäufer bewertet. Eigentlich unlogisch, wenn man bedenkt, dass der Käufer ja zuerst seine Leistung erbracht hat. Auch dass eBay grundsätzlich keine Bewertungen löscht, selbst wenn man nachweisen könnte, dass sie falsch sind, halte ich für eine Schwäche. Hier muss eBay dringend noch etwas tun, um an der Glaubwürdigkeit der Bewertungen zu arbeiten. Insgesamt ist die Plattform für mich uninteressanter geworden, seit vermehrt Händler auf eBay verkaufen.
Klo, 11.05.2007
2.
Zitat von ScaithyWoran eBay meiner Meinung nach krankt, ist das Bewertungssystem. Bewertungen sind Handelswaren nach dem Motto: Bewertest Du mich gut, bewerte ich Dich auch gut. Oder halt umgekehrt. Deswegen traut sich kaum jemand, schlechte Bewertungen abzugeben aus Angst vor einer schlechten Gegenbewertung. Und leider ist es auch so, dass regelmässig vom Käufer zuerst eine Bewertung erwartet wird, bevor der Verkäufer bewertet. Eigentlich unlogisch, wenn man bedenkt, dass der Käufer ja zuerst seine Leistung erbracht hat. Auch dass eBay grundsätzlich keine Bewertungen löscht, selbst wenn man nachweisen könnte, dass sie falsch sind, halte ich für eine Schwäche. Hier muss eBay dringend noch etwas tun, um an der Glaubwürdigkeit der Bewertungen zu arbeiten. Insgesamt ist die Plattform für mich uninteressanter geworden, seit vermehrt Händler auf eBay verkaufen.
Dem stimme ich zu. Rachebewertungen gibt es immer wieder, selbst wenn ein bezahlter Artikel nie abgeschickt wurde und versicherter Versand vereinbart wurde. Dies sollte bestraft werden als Bewertungsmißbrauch.
donemile, 11.05.2007
3. Ebay ist gut
Als erfahrener Nutzer von Ebay, ich bin seit 1999 dabei, würde ich sagen im Allgemeinen nicht schlecht. Verbesserungen sind immer möglich. Werden auch durchgeführt. Wenns nicht für die Leute nützlich wäre, hätte es mit Sicherheit nicht so einen Erfolg und das schon über Jahre.
Heulboje, 11.05.2007
4. Naja
Als ich damals mit ebay anfing war ich restlos begeistert. Mittlerweile hab ich das Gefühl, es sind viel mehr Händler unterwegs und viel weniger Privatmenschen. Oder täuscht mich da was? Zumindest in meinen Lieblingsbereichen haeb ich schon den Eindruck.
**Kiki** 11.05.2007
5.
Zitat von HeulbojeAls ich damals mit ebay anfing war ich restlos begeistert. Mittlerweile hab ich das Gefühl, es sind viel mehr Händler unterwegs und viel weniger Privatmenschen. Oder täuscht mich da was? Zumindest in meinen Lieblingsbereichen haeb ich schon den Eindruck.
Mein Eindruck ist auch, daß der Anteil der Privatverkäufer immer weiter abnimmt, aber das wundert mich auch nicht. Für Privatverkäufer lohnt sich die Sache schon seit der vorletzten Gebührenerhöhung nicht mehr. Ich habe Anfang des Jahres bei der letzten Aktion mit reduzierten Einstellgebühren ein paar Sachen eingestellt, aber wenn ich den Zeitaufwand für das Einstellen, Beantworten von Mails, Sendungen fertigmachen, Konto im Auge behalten, den Krempel zur Post bringen und am Ende Bewerten mit dem Betrag in Relation setze, der am Ende nach Abzug der gesalzenen Gebühren rübergekommen ist: Das hätte ich mir im Grunde auch sparen können. Leider taugen die kostenlosen Konkurrenzplattformen allerdings noch weniger. Schade drum. Ich war übrigens eBay-Mitglied schon zu Zeiten, als es noch Alando hieß. Ja, ja, die gute alte Zeit ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.