Gemeine Bewertungen im Internet "Totaler Scheiß, seid gewarnt"

Kundenbewertungen im Netz können hilfreich sein - wenn Produkte fair beurteilt werden. Doch wehe, der Rezensent hat einfach nur schlechte Laune.

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Auf Onlineportalen wie Amazon, Tripadvisor und Yelp kann man nicht nur einkaufen und sich über Produkte und Angebote informieren, man kann sie auch bewerten. Manche Onlinenutzer nutzen solche Rezensionen als Waffe, um sich gegen schlechte oder falsch deklarierte Produkte zur Wehr zu setzen.

Je schlechter ein Produkt im Netz bewertet wird, desto mehr schrecken mögliche Kunden vor dem Kauf zurück.

Genervte Käufer beklagen sich über langweilige Bücher, schmuddelige Hotels oder hässliche Reiseziele. Und sie nutzen das im Netz verbreitete System, Produkte und Angebote mit Sternen zu bewerten, um ihrem Frust Luft zu machen. Wer fünf Sterne vergibt, war rundum zufrieden, doch mangelhafte Qualität und mieser Kundenservice werden mit nur einem Stern abgestraft.

Richtig übel wird es für die Anbieter, wenn Nutzer völlig absurde und unfaire Rezensionen abgeben. Bei solch fiesen Ein-Stern-Bewertungen geht es meist nicht um die Sache selbst, sondern eher um den Gag-Effekt. Manchmal dienen schlechte Bewertungen aber auch schlicht als Ventil, um aufgestauten Ärger abzulassen - so wie im Fall von Todd Ransom.

Der Entwickler hat eine App programmiert, die ihre Nutzer zu den schönsten Wasserfällen im westlichen North Carolina führt. Auf Twitter postete der fassungslose Ransom den Screenshot einer negativen Rezension seiner App. Darin beklagt sich jemand darüber, dass er bei einer Wanderung mit der App von Wespen attackiert und gestochen worden sei.

Natürlich kann Programmierer Ransom nichts für den Wespenangriff. Doch der gestochene Nutzer watscht ihn trotzdem mit einer miesen Bewertung ab, begründet seinen Ärger damit, dass er nicht gewarnt worden sei.

Nur eines von vielen Beispielen, wie Bücher, Filme und Sehenswürdigkeiten wie die Golden Gate Bridge mit miesen Bewertungen abgemahnt werden. Es komme kein Wolf im Hollywoodfilm "The Wolf of Wall Street" vor, singende Tiere in "Der König der Löwen" seien unrealistisch und in der Wüste sei es zu heiß: Das alles sind für manche Nutzer Gründe, Produkten nur einen Stern zu geben. Die fiesesten Bewertungen dieser Art haben wir im Folgenden gesammelt.




insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
gerd.leineune 30.05.2016
1.
Bei Rezensionen geht das noch einigermaßen. Schwierig sind Tatsachenbehauptungen, wenn sie kaum beweisbar, aber wahr sind. So warb ein Händler on- und offline für ein bestimmtes Produkt, was nur wenige Händler haben. Als ich mir dieses im Laden holen wollte,teilte mir der Verkäufer mit, er würde es mir nicht verkaufen, da ich kein Stammkunde sei und er wegen des niedrigen Preises nur wenig Gewinn machen würde. Als ich genau das als Bewertung online schrieb, drohte der Verkäufer den Plattformen, sowie mir, mit Schadenersatzforderungen sowie Strafanzeige und ich möge doch bitte beweisen, daß er mir das Produkt nicht verkauft hätte... Interessanterweise schien den Produkthersteller (der ja ein ureigenes Interesse am Verkauf haben sollte) nicht interessiert an der Klärung der Vorkommnisse, mehrfache Kontaktaufnahme meinerseits blieben gänzlich unbeantwortet. Nach ein wenig Recherche, konnte ich mehrere andere Kunden ausmachen, denen ähnliches widerfahren ist.
Georg_Alexander 30.05.2016
2. Die genannten Beispiele
sind doch ganz offensichtlich unsinnige Bewertungen. Wenn man sich ab und zu damit beschäftigt, dann fliegen solche Bewertungen doch sofort durch das gedankliche Raster... Problematischer empfinde ich die gekauften Pseudo-Bewertungen (entweder vom Anbieter selbst, oder von der Konkurrenz). Die gehen schon professioneller vor. Gibt es eigentlich eine seriöse Bewertung von Bewertungsportalen? Jemand, der die wirtschaftlichen Verflechtungen solcher Portale mal genauer untersucht und entsprechend veröffentlicht. Stiftung Warentest, ...?
cronotk 30.05.2016
3. Ist nicht ganz so schlimm...
... das hebt die offensichtlich von Sockenpuppen abgegebenen 5-Sterne Bewertungen wieder auf und korrigiert so die Durchschnittsbewertung.
fluxus08 30.05.2016
4. Wie oft habe ich schon erlebt,
dass negative Rezensionen nur dadurch zustande gekommen waren, weil der Anwender schlicht zu dumm war, um ein Gerät anständig bedienen können. Diese Schlauberger schieben dann ihren Frust und ihre Unfähigkeit gerne auf das Produkt ab.
christherz 30.05.2016
5.
"Gag-Bewertungen" sind generell nicht witzig. Die "humorvollen" Bewerter bedenken nicht, dass unzählige Kunden nur auf die Sternezahl achten, nicht aber auf den Inhalt. Und ist die Sternezahl schlecht, wird nicht mehr gekauft. Deswegen kostet so ein "Gag" schnell mal richtig Geld, gerade wenn es eine der ersten Bewertungen für das jeweilige Produkt ist. Und schon werden innerhalb einer Minute für einen schlechten Gag die Kundenzahl eines Restaurantbetreibers, die monatelange Arbeit einer Autorin oder die hohen Produktentwicklungskosten eines Herstellers gefährdet. Wenn man schon Bewertungen zulässt, müssen diese deshalb dringend seriös moderiert werden.
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