Eine vorweihnachtliche Geschichte Der große, heilige Käsebrot-Boom

Als eBay die Auktion abbrach, stand das Gebot bei 22.000 Dollar - und Diana Duyser war drauf und dran, den teuersten Käsetoast aller Zeiten an den Mann zu bringen. Denn im lecker angebräunten Belag zeige sich die Heilige Jungfrau Maria, sagt Duyser. Seitdem häufen sich die Wunder in der Auktionswelt - und das reaktivierte Käsebrot stieg auf 20 Millionen Dollar.

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Der Toast des Anstoßes: Ist das die Jungfrau Maria, die man dort erkennt?

Der Toast des Anstoßes: Ist das die Jungfrau Maria, die man dort erkennt?

Zehn Jahre soll es her sein, dass Diana Duyser sich diesen leckeren Käsetoast bereitete. Einmal biss sie hinein, sah sich dann die Scheibe an - und erstarrte vor heiligem Schreck: Sie entdeckte ein Gesicht, dass sich im gebräunten, geschmolzenen Käse deutlich abzeichnete, sagt sie. Kein Zweifel, das Gesicht der Heiligen Jungfrau Maria!

Voller Ehrfurcht und Angst, die anscheinend gesegnete Toastscheibe zu verzehren, verstaute Duyser diese in einer Tupperdose, die sie mit Baumwoll-Bällchen befüllte, um ein Verschimmeln der Reliquie zu verhindern.

Erst zehn Jahre später dann habe sie sich überlegt, dass sie dieses heilige Erlebnis mit der Welt teilen wolle. Und wo macht man so was heutzutage? Richtig: bei eBay.

Und zwar so lange, bis eBay das mitbekommt. Im Falle der heiligen Toastscheibe dauerte das bis zum Gebot 22.000 Dollar - dann machte eBay Schluss mit dem Zauber. Die Richtlinien der AGB erlaubten keine Auktionen, die "nur zum Spaß" durchgeführt würden.

Duyser erhob natürlich sofort Einspruch. Die Auktion sei durchaus kein Scherz, sondern der ernst gemeinte Versuch, eine Heiligenerscheinung mit der Welt zu teilen. Am Dienstag ging die Auktion noch einmal kurz online, verschwand dann aber im virtuellen Limbus - offenbar lassen sich die Entscheider bei eBay mit rein religiösen Argumenten ohne kirchliche Stützung so leicht nicht überzeugen.

Eher schon vom Publikumserfolg: Inzwischen ist die angeblich originale Auktion wieder online, die Gebote standen am Mittwochabend bei rund 20 Millionen Dollar. Seltsam nur, dass dieselbe Toastscheibe gleich mehrfach angeboten wird.

eBay und Spaßauktionen: ambivalentes Verhältnis

Mit "Spaßauktionen" hatte eBay immer wieder einmal Probleme. Bestens in Erinnerung sind noch die Versteigerungen von halben Käsebrötchen im März 2002 oder die "Party-Sixpacks" im Dezember letzten Jahres, bei denen sich Frauenclubs als Stimmungsmacher verkauften.

Kaum ein Beispiel zeigt auch besser, wie ambivalent eBays Verhältnis zu solchen Auktionen ist: Einerseits verstoßen sie gegen die Nutzungsbestimmungen, andererseits sind sie auch für eBay selbst beste Werbung. Denn erst dieser ganz normale eBay-Wahnsinn befördert die Handelsplattform zur Spaß-Arena "3, 2, 1, meins!". Ergo unterbindet eBay solche Spaßauktionen, außer sie haben ein Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit erreicht, dass es kontraproduktiv wirken könnte.

Schnelle Kunst: "Maria isst ein Käsesandwich"

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Natürlich kam auch im Falle des "gesegneten Toasts" die Notbremse viel zu spät.

Über 100.000 Besucher zählte die Toast-Auktion bis zu ihrer Abschaltung, und natürlich häufen sich seitdem die Wunder und die Toastscheiben. Nachdem eBay die originale Auktion wieder aktivierte, kam sie in wenigen Stunden auf über 500.000 Besucher.

Noch tobt in den eBay-Foren die Diskussion darüber, ob auf dem Toast nun wirklich die Jungfrau Maria zu sehen und ob Prince Charles nun wirklich mit Dracula verwandt ist. Während "mommy712003" noch darauf verweist, dass das nun wirklich ein "beängstigender, gestörter Mann" sei, den sie höchst ungern in ihrem Stammbaum sehen würde, und von dem sie gar nicht begreifen könne, wie er mit dem berühmten Dracula verwandt sei, verdichten sich die Hinweise darauf, dass das Bild im Toast auch Mae West oder eine junge Barbara Stanwyck zeigen könnte.

Derweil schießt die Zahl der Toastsichtungen in die Höhe. Die meisten der gebräunten Weißbrotscheiben zeigen "keine sichtbare Jungfrau Maria", doch selbst das scheint die Verkäuflichkeit getoasteten Altbrots zu erhöhen.

Ganz anders als Diana Duyser hat "mixylplik" mit seiner Auktion offensichtlich Schabernack im Sinne: Auch auf seinem im Kühlschrank gefundenen Teigballen habe er eine Marienerscheinung erkannt - die man allerdings auch als schlecht gezeichneten Schlumpf deuten könnte. Dieser böse Spott wird von den Auktionsbesuchern auch nicht honoriert, seit einem halben Tag wartet "mixylplik" vergeblich auf Bieter.

Jetzt rollt die Toast-Welle

"Sixpack": Im letzten Jahr versteigerten sich sechs junge Frauen in Deutschland als "Party-Zubehör"
obs/Krombacher Brauerei GmbH & Co

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Anders als "pounddesigns", dessen in Acryl gemaltes Popart-Marienbild "Maria isst ein gegrilltes Käsesandwich" am Mittwochmorgen immerhin schon 5,50 Dollar wert war. Eine lobenswert kreative Auseinandersetzung, kommerziell allerdings nicht so viel versprechend wie "shangrilofts" Auktion eines in Holz gerahmten Elvis-Porträts auf Toast. Inzwischen steigt die Zahl entsprechender Angebote schneller, als eBay sie löschen kann: In Toast gebrannt gibt es auch Jimmy Hendrix oder Mickey Mouse.

Und der große Run beginnt ja auch gerade erst. Noch ist die Zahl der Nachahmungs-Toastscheiben mit circa 300 gering, dafür mitunter aber schon in Gold gerahmt. Gülden glänzt auch der Cheddar-Käse, der in seinem bereits geöffneten Päckchen auf Bieter wartet. Der Werbespruch zum Käserest: "Make your own Mary!"

Das ließe sich zum Beispiel mit dem George-Foreman-Grill zur Zubereitung "perfekter eBay-'Virgin Mary Grilled Cheese'-Sandwiches" erledigen. Man sieht: der kapitalistische Geschäftsgeist paart sich fröhlich mit dem diesmal religiös scheinenden Verzücken der eBay-Gläubigen. Das geht so weit, dass mittlerweile sogar die Anbieter von durchaus ernst gemeinten T-Shirts mit religiösen Motiven diese mit Stichworten wie "grilled Cheese" verbinden und so bewerben.

Das Hamburger Käsebrötchen: Höchstgebot zehn Millionen Euro (März 2002)
© M. Rathscheck

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Ganz frisch in der Auktion sind auch zwei AIM-Namen für den AOL-Instant-Messenger, die "crossboe" kurz vor 10 Uhr deutscher Zeit online stellte: der pfiffige Marien-Vermarkter ließ sich "GrilledMary" und "MaryGrilledChees" reservieren. Auch ein entsprechender Gmail-Account "Virgin Mary" soll unter den Hammer.

Der schwungvolle Devotionalienhandel hat also begonnen: Neben Trittbrettfahrern, die ihre Reizwäsche mit dem Zusatz "nicht die heilige Maria" bewerben, über die "Käseglocke meiner jungfräulichen Tante Maria" reicht das Angebot bis hin zum Ölbild "George W. Bush nachdem er ein Sandwich mit gegrilltem Käse gegessen hat".

Längst schwappt die Toast-und-Gesichter-Welle in andere Teile des eBay-Angebots. Schon wurden Toastscheiben angeboten, auf denen sich die Gesichter der Olsen-Twins erkennen lassen. Ein Scherzkeks verkauft zurzeit eine Toastscheibe mit Ohrringen, ein anderer den "gekauten Kaugummi der Jungfrau Maria" - gespendet von "einer Frau namens Maria, die mir versichert hat, sie sei Jungfrau".

Das Thema wurde, wie so oft bei eBay, zum Selbstläufer. Kein Wunder, denn heilige Toastscheiben sind ein gefundenes Fressen für die Spötter im Web, wie für sie gemacht - und natürlich hat auch so etwas schon seine Tradition. Bereits seit 1996, behauptet etwa Bongo Java, Nashvills bekanntestes Café, könne man dort das vielleicht berühmteste Zimtplätzchen der Welt besichtigen. Der "Nun Bun" ähnelt angeblich Mutter Teresa.

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