Einigung Datenschützer erringen Sieg über Facebook 

Das Netzwerk Facebook pflegt einen laxen Umgang mit der Privatsphäre seiner Nutzer. Warnungen zum Trotz tut dies seiner Popularität keinen Abbruch. Deutschen Datenschützern gelang es nun nach SPIEGEL-Informationen, die Verbraucher wieder ein Stück vor sich selbst zu schützen.

Mark Zuckerberg: Macht Zugeständnisse an den Datenschutz, wenn es nicht anders geht
dpa

Mark Zuckerberg: Macht Zugeständnisse an den Datenschutz, wenn es nicht anders geht


Hamburg - Deutsche Datenschützer haben einen Etappensieg gegen den Internet-Giganten Facebook und dessen Chef Mark Zuckerberg errungen. Das Unternehmen sagte nach Informationen des SPIEGEL im umstrittenen "Friend-Finder"-Verfahren weitgehende Änderungen zu. Bisher bekamen Personen Einladungen zu einer Mitgliedschaft bei Facebook per E-Mail zugeschickt, selbst wenn sie niemals mit dem Online-Netzwerk zu tun gehabt hatten. Diese Einladungen enthielten oft auch Bilder von Personen, die sie teilweise tatsächlich kannten - was viele Adressaten beunruhigte.

"Vielen ist überhaupt nicht klar, woher Facebook wissen kann, dass sie diese Mitglieder im echten Leben kennen", sagte Johannes Caspar, Datenschutzbeauftragter der Stadt Hamburg, im Gespräch mit dem SPIEGEL.

Des Rätsels Lösung: Facebook-Mitglieder, die in ihren Konteneinstellungen Facebook einen Zugriff auf ihr Adressbuch erlauben, autorisieren das Netzwerk damit auch, diese Adressen für die Akquise neuer Mitglieder zu nutzen. Um die Glaubwürdigkeit der unverlangten Werbepost zu erhöhen, pappt Facebook mitunter Fotos der Menschen in die Mitgliedswerbung, von denen es die Adressen bekommen hat - der Freund oder Bekannte aus dem wahren Leben wird so oft unwissentlich zum Leumund der Kundenakquise des US-Unternehmens. Die Behörde des Hamburger Datenschutzbeauftragten leitete wegen dieses Vorgehens ein Bußgeldverfahren gegen Facebook ein.

Die Datenschützer handelten Facebook nun ab, zukünftig jedem Mitglied eine "transparente Kontrolle über die von ihm importierten Adressen" zu ermöglichen. Dafür soll es ein Adressbuch geben, mit dessen Hilfe der Nutzer auswählen kann, wer eingeladen werden soll. Auch soll es Warnungen geben, bevor man Facebook das eigene Adressbuch anvertraut oder eine Einladung verschickt wird: Der Nutzer wird künftig also ausdrücklich darauf hingewiesen, was für Nebenwirkungen die Datenfreigabe hat.

"Facebook muss einblenden, dass der Nutzer nur Kontakte einladen soll, die er persönlich kennt und die seiner Meinung nach eine Einladung wollen", sagt Caspar. Der eingeladene Nicht-Facebook-Nutzer muss ebenfalls informiert werden, warum er diese E-Mail erhält. Auch kann er verfügen, nie wieder von Facebook zu hören, und seine Adresse sperren. "Wir hätten es besser gefunden, wenn ohne Zustimmung der Betroffenen überhaupt keine Adressen gespeichert werden", sagt Caspar.

Ob die in Deutschland nun erreichten Änderungen auch in weiteren Ländern angeboten werden, vermochte Facebook nicht zu sagen.

Die Datenwächter warnen, doch die Netznutzer interessiert es kaum

Facebook stand vor Jahresfrist unter zeitweilig vehementer Kritik durch deutsche Datenschützer und Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, aber auch international. Diverse Features erlaubten Facebook einen weitgehend willkürlichen Umgang mit den persönlichen Daten seiner Mitglieder. Facebook-Chef Mark Zuckerberg selbst sorgte im Januar 2010 für eine Eskalation des Streits, als er in einem öffentlichen Statement den Schwund der Privatsphäre als "zeitgemäß" bezeichnete. Im Mai 2010 gab Facebook der internationalen Kritik dann in etlichen Punkten nach und stellte neue Datenschutzregeln für das Social Network vor.

Deutschen Datenschützern und vor allem Ilse Aigner gingen die aber nicht weit genug: Im Juni beendete die Verbraucherschutzministerin als Zeichen ihres persönlichen Protestes ihre Mitgliedschaft in dem Social Network. Zuletzt hatte ein für wenige Tage freigeschaltetes Facebook-Feature zu internationaler Kritik geführt, das es Drittfirmen erlaubte, auf Adressdaten von Facebook-Mitgliedern zuzugreifen.

Bereits im April hatten Verbraucherschutzverbände zum Boykott des Netzwerkes aufgerufen - natürlich ohne irgendeinen merklichen Effekt: Facebooks Mitgliederzahl und Marktanteil steigt auch in Deutschland weiter rasant, während Konkurrenznetzwerke aus deutschen Landen Mitglieder verlieren. Der Popularität von Facebook tat auch der Kinofilm "The Social Network" keinen Abbruch, obwohl darin die Facebook-Macher und namentlich Mark Zuckerberg alles andere als positiv dargestellt wurden.

In den letzten sechs Monaten stieg die Mitgliederzahl von Facebook in Deutschland von rund zehn Millionen auf rund 14 Millionen. Damit gehört das Land, in dem sich Facebook mit der vehementesten Kritik konfrontiert sieht, zugleich zu den Regionen mit dem stärksten Zulauf. Weltweit liegt die Mitgliederzahl bei angeblich 600 Millionen, eine Steigerung von 20 Prozent in den letzten sechs Monaten. Facebook ist damit das unangefochten populärste Social Network der Welt.

pat

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insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
ralf_si 22.01.2011
1. Tja
was erwartet man von einer verblödeten Bevölkerung. Es zieht keine Konsequenzen aus den laschen Urteilen der Justiz gegen die Miri-Familie, es straft Sarazzin Lügen, es hält Google für einen Wohltätigkeitsverein etc. Die Lämmer gehen halt freiwilllig zu Schlachtbank. Da haben Google, Facebook & Co. ganze Arbeit geleistet.
Dunedin, 22.01.2011
2. Deutschland schafft sich ab
Zitat von sysopDas Netzwerk Facebook*pflegt einen*laxen Umgang mit der Privatsphäre seiner Nutzer. Warnungen zum Trotz tut dies*seiner Popularität keinen Abbruch. Vor Gericht gelang es deutschen Datenschützern nun nach SPIEGEL-Informationen, die Verbraucher wieder ein Stück vor sich selbst zu schützen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,741023,00.html
Dieses Land und seine Bürger gehören vor sich selber geschützt.
chagall1985 22.01.2011
3. Die perfekte Überschrift!!
Datenschützer schützen Verbraucher vor sich selbst!! Irgendwelche Theoretiker legen Regeln fest die dann nach deren Meinung für alle gelten müssen. Und jeder der sich darum nicht kümmert und Sie für Unsinn hält muss vor sich selbst geschützt werden. So kann man wohl die ganze "Deutsche" Datenschutzdebatte zusammenfassen.
bolzenbrecher 22.01.2011
4. Germany meets USA...
US-Unternehmen und auch US-Regierungsbehörden pfeifen auf Datenschutz. In Europa und speziell Deutschland ist das anders. Hier können die Konzerne nicht schalten und walten, wie sie gern würden. Hier gibt es eine Lobby für Datenschutz, auch wenn diese durch die deutsche Regierung nicht sonderlich gefördert werden, ganz im Gegenteil! Was haben wir daraus gelernt ? Demokratie ist kein Automatismus...sie muss ständig und massiv verteidigt werden.
felisconcolor 22.01.2011
5. Gigant?
Ich kann Facebook nichts gigantisches abgewinnen. Oder ist jemand ein Gigant wenn ein Stück Papier eine Milliarde Euro wert ist? Hatten wir schon mal, nannte sich Inflationund Währungskriese. Oder ist jemand ein Gigant weil ... nach dem Motto eine Million Fliegen können sich nicht irren. Datenschutz hin oder her. Toll dieser Sieg der Papiertiger namens Datenschutz. Wenn die Politik dem einzenen Bürger mehr Rechte gäbe wäre vielen geholfen. Wenn ich Facebook oder Pfizer oder wie sie alle heissen auf Unterlassung verklagen könnte. Sie werden jetzt sagen, wie kann ein Konzern Schuld bekommen wenn in seinem Namen Spam vertrieben wird. Ganz einfach weil ein Konzern eher die Mittel hat gegen die multinationalen Spammer vorzugehen. Aber es ist ja nicht im Sinne der Konzerne den Spam zu unterbinden. Denn letztendlich ist es ja Werbung für sie. Ob die blauen Pillen oder Mitgliederwerbungen nun gefälscht sind oder nicht. Es bringt auch Gelder für die Konzerne. Und dort muss man ansetzen. Und es wird auch genügend Spam im Namen von "dubiosen" Geschäftemachern vertrieben. Ach ja und Adresshandel gehört auch verboten. Wer mir etwas verkaufen möchte hat die üblichen Kanäle. Das sollte reichen. Kaufe ich nicht, hab ich wohl auch kein Interesse daran.
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