Einigung über Vergütung: Bitkom und Gema ebnen Weg für Online-Musikdienste

Darauf haben Musikfans jahrelang gewartet: Der Weg für eine neue Generation von Musikangeboten im Internet ist frei. Eine neue Gebührenordnung ermöglicht Diensten wie Spotify und Simfy den Aufbau neuer Angebote in Deutschland. Nur YouTube-Nutzer haben davon vorerst nichts.

Gema-Hauptsitz in Berlin: Lizenzierungsgebühren für Online-Musikdienste geregelt Zur Großansicht
DPA

Gema-Hauptsitz in Berlin: Lizenzierungsgebühren für Online-Musikdienste geregelt

Hamburg - Jetzt kann ausgezahlt werden. Nach mehrjährigen Verhandlungen haben der IT-Branchenverband Bitkom und die Verwertungsgesellschaft Gema endlich eine Einigung in der Frage gefunden, wie hoch die Lizenzgebühren für Online-Musikdienste sein sollen. Zwischen sechs und neun Cent netto pro Titel sollen die Anbieter künftig an die Gema abführen. Zudem enthält der zwischen den beiden Organisationen geschlossene Vertrag ein Modell zur Lizenzierung von Urheberrechten für Streaming-Angebote, also die Direktübertragung von Songs über das Internet.

Die nun erzielte Einigung dürfte Musikdiensten wie Spotify, Simfy, Deezer, Apples iTunes Match, Nokias Music Mix und Google Music zugutekommen. Derartige Angebote basieren darauf, ihren Kunden gegen Gebühr Zugriff auf Musik zu gewähren, die auf ihren Servern gespeichert ist. Teils bieten sie ihre Musik nur als Online-Stream an, teils lassen sich ausgewählte Songs zur Offline-Nutzung mit entsprechenden Apps auf Smartphones herunterladen. Bisher litten die Anbieter derartiger Angebote darunter, dass es für sie nicht oder nur sehr schwer möglich war, Lizenzvereinbarungen abzuschließen, die den Betrieb ihrer Dienste in Deutschland ermöglichen würden.

Dreh- und Angelpunkt der Streitigkeiten zwischen Gema und Bitkom war die Frage, wie hoch die Gebühren für die Online-Musikanbieter anzusetzen seien. Um bis zu einer Einigung Handlungsfähig zu bleiben, führten Anbieter, die trotz der Lizenzproblematik bereits am Markt aktiv sein wollten, Vorabzahlungen ab. "Die in der Vergangenheit auf Hinterlegungskonten geleisteten Zahlungen können nun entsprechend der erzielten Einigung abgerechnet und sukzessive ausgeschüttet werden", sagte der Gema-Vorstandsvorsitzende Harald Heker. Der neue Gesamtvertrag von Bitkom und Gema gilt rückwirkend zum 1. Januar 2002.

90 Sekunden statt 30

Bitkom-Vizepräsident Volker Smid erklärte: "Einzelne Dienste, die bisher im Ausland erfolgreich sind, finden jetzt auch in Deutschland ähnliche Lizenzierungsbedingungen vor. Wir gehen deshalb davon aus, dass es künftig noch mehr Musikdienste in Deutschland geben wird, bei denen Nutzer für eine monatliche Pauschalgebühr alle Titel vollständig online hören können."

Ein weniger aufsehenerregender Bestandteil der Verträge ist, dass Online-Musikshops ihren Kunden künftig bis zu 90 Sekunden lange Hörproben vorspielen dürfen. Bisher waren maximal 30 Sekunden erlaubt. Apple war dieser Einigung offenbar schon vorangegangen, bietet im iTunes Store seit geraumer Zeit 90-Sekunden-Hörproben an.

Nicht alles konnte geklärt werden

Die Querelen um Musik auf Videoportalen wie YouTube sind damit allerdings noch nicht ausgestanden. Rein werbefinanzierte Musikdienste, Musikvideos und Online-Videoangebote würden von dem Vertrag bisher noch nicht abgedeckt, erklärten Gema und Bitkom. Sie würden ihre Verhandlungen zu diesem Thema aber weiter fortsetzen.

Auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd erklärte ein Google-Sprecher, man werte die heute getroffene Einigung als "das richtige Signal", auch wenn die Verhandlungen mit der Gema um YouTube von dem neuen Vertrag "nicht tangiert" würden. Welche Auswirkungen der Vertragsschluss auf das bisher nicht in Deutschland verfügbare Angebot Google Music haben werde, sei aber noch nicht abzusehen.

Solchen verhaltenen Aussagen zum Trotz kann man davon ausgehen, dass sich Anbieter wie Spotify und Apple nun beeilen werden, ihre Online-Musikdienste in Deutschland einzuführen. Abzuwarten bleibt allerdings, ob die beschlossenen Lizenzgebühren Auswirkungen auf die Monatsgebühren haben werden, die Kunden für deren Angebote zahlen müssen.

mak

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1. Ich finde es ...
MKasp 09.12.2011
Zitat von sysopDarauf haben Musikfans jahrelang gewartet: Der Weg für eine neue Generation von Musikangeboten im Internet ist frei. Eine neue Gebührenordnung ermöglicht Diensten wie Spotify und Simfy den Aufbau neuer Angebote in Deutschland. Nur YouTube-Nutzer haben davon vorerst nichts. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,802533,00.html
... ganz wichtig, dass sich die GEMA-Mitglieder nicht von youtube/Google über den Tisch ziehen lassen, weil Letztere ein defacto-Monopol haben und der Welt ihre Bedingungen diktieren wollen. Nur durch den Zusammenschluss in der Form der GEMA konnte bisher der Druck ausgehalten werden. Ich bin der GEMA weder finanziell noch sonstwie verbunden und dass die GEMA selbst an vielen Stellen 'renovierungsbedürftig' und auch korrekturbedürftig ist, steht auf einem anderen Blatt. Sie wird durch die organisierten Mitglieder in dieser Form gehalten. Aber immerhin wurde der massenhafte Ausverkauf von Musik- und Videorechten bislang verhindert. Richtig zum Kotzen finde ich die Meldungen, die youtube/Google einblendet, wenn ein Video nicht verfügbar ist, weil die es schlicht nicht bezahlen wollen, wohl aber an der Werbung sich ne goldene Nase verdienen wollen. Dann heißt es so etwa: "Die GEMA gibt uns leider das Video nicht .... Es tut uns leid." Dass dieses "tut uns leid" völlig hohl ist, merkt man dann spätestens, wenn man, wie gewohnt nach rechts schaut um alternative Videos zu finden und dort weiter zu surfen: NICHTS! Klicksackgasse! Mit voller Absicht frustriert youtube/Google die Leute. Von wegen "Tut uns leid!", von wegen "Do no evil!". Das ist fiese Politik auf dem Rücken der Nutzer.
2. Naja ...
kein_gut_mensch 09.12.2011
Zitat von MKasp... ganz wichtig, dass sich die GEMA-Mitglieder nicht von youtube/Google über den Tisch ziehen lassen, weil Letztere ein defacto-Monopol haben und der Welt ihre Bedingungen diktieren wollen. Nur durch den Zusammenschluss in der Form der GEMA konnte bisher der Druck ausgehalten werden. Ich bin der GEMA weder finanziell noch sonstwie verbunden und dass die GEMA selbst an vielen Stellen 'renovierungsbedürftig' und auch korrekturbedürftig ist, steht auf einem anderen Blatt. Sie wird durch die organisierten Mitglieder in dieser Form gehalten. Aber immerhin wurde der massenhafte Ausverkauf von Musik- und Videorechten bislang verhindert. Richtig zum Kotzen finde ich die Meldungen, die youtube/Google einblendet, wenn ein Video nicht verfügbar ist, weil die es schlicht nicht bezahlen wollen, wohl aber an der Werbung sich ne goldene Nase verdienen wollen. Dann heißt es so etwa: "Die GEMA gibt uns leider das Video nicht .... Es tut uns leid." Dass dieses "tut uns leid" völlig hohl ist, merkt man dann spätestens, wenn man, wie gewohnt nach rechts schaut um alternative Videos zu finden und dort weiter zu surfen: NICHTS! Klicksackgasse! Mit voller Absicht frustriert youtube/Google die Leute. Von wegen "Tut uns leid!", von wegen "Do no evil!". Das ist fiese Politik auf dem Rücken der Nutzer.
... von welchem GEMA-Schreibtisch aus haben Sie das denn getippt? Es waren doch alle bereit zu zahlen und zwar die international üblichen Kurse. Nur die GEMA bekam den Hals nicht voll und hat Angst das Ihre "Beamte" an Einfluss verlieren.
3. Ich tu nix
Ganz Rom? 09.12.2011
Das einzige, wogegen sich die Gema seit Jahren stemmt, ist die Realität. Welche Alternativen gibt es denn? Man kann natürlich schimpfen und Anwälte rufen, wenn zigtausende user täglich per "flac + torrent" riesige Musikarchive aus dem Netz saugen. Man kann aber auch einsehen, dass besser ganz schnell ein schwimmfähiges Konzept gefunden werden muss, damit man mit der Welle surft und damit im Endeffekt alle ein friedlich-vergnügliches und einträgliches Leben im Netz führen können. Drei Milliarden (und tgl. mehr) Internetnutzer umerziehen zu wollen war jedenfalls die dümmste Idee der Contentindustrie und Rechteverwalter überhaupt. Gema verhindert Fortschritt und stellt weiterhin Künstler ins Abseits... dies wäre imo die richtige Überschrift gewesen.
4. Dann sind Sie wohl ...
MKasp 09.12.2011
Zitat von kein_gut_mensch... von welchem GEMA-Schreibtisch aus haben Sie das denn getippt? Es waren doch alle bereit zu zahlen und zwar die international üblichen Kurse. Nur die GEMA bekam den Hals nicht voll und hat Angst das Ihre "Beamte" an Einfluss verlieren.
... bezahlter Lobbyist des milliardenschweren US-Konzerns und der Datenkrake Google/Youtube? Die brauchen sicherlich Ihre tatkräftige Hilfe. Insbesondere jenseits von Fakten. Wer bestimmt bitte die "gerechten" Preise? Der defacto-Monopolist Google/Youtube? Ihre "Zeugen" für "gerechte" Preise sind diejenigen, die sich bereits dem Druck von Google/Youtube gebeugt haben. Wer besteht denn auf "Preisverhandlungen geheim"? Lassen Sie einfach mal die Mitglieder der GEMA entscheiden. Das dürfte doch jedem einleuchten, dass im Zweifel die besser wissen, für welchen Preis sie verkaufen wollen als Sie oder Google? Ich habe nicht die geringsten Sympathien für die GEMA, habe die GEMA sogar bereits gerichtlich bekämpft, aber hier haben die einfach mehr Recht und nicht der US-Konzern mit seinen (absichtlich! s.o.) Klick-Frustrierten.
5.
herrbasan 09.12.2011
Zitat von MKasp... bezahlter Lobbyist des milliardenschweren US-Konzerns und der Datenkrake Google/Youtube? Die brauchen sicherlich Ihre tatkräftige Hilfe. Insbesondere jenseits von Fakten. Wer bestimmt bitte die "gerechten" Preise? Der defacto-Monopolist Google/Youtube? Ihre "Zeugen" für "gerechte" Preise sind diejenigen, die sich bereits dem Druck von Google/Youtube gebeugt haben. Wer besteht denn auf "Preisverhandlungen geheim"? Lassen Sie einfach mal die Mitglieder der GEMA entscheiden. Das dürfte doch jedem einleuchten, dass im Zweifel die besser wissen, für welchen Preis sie verkaufen wollen als Sie oder Google? Ich habe nicht die geringsten Sympathien für die GEMA, habe die GEMA sogar bereits gerichtlich bekämpft, aber hier haben die einfach mehr Recht und nicht der US-Konzern mit seinen (absichtlich! s.o.) Klick-Frustrierten.
Von seiten der Künstler ists wurscht wer recht hat. Durch die totalblockade auf youtube entsteht wirtschaftlicher schaden. Die GEMA greift an so vielen stellen (abgaben auf geräte und medien) geld ab. Die alle samt davon ausgehen das wir dinge in radio/fernsehen/internet mitschneiden. Daher sind abgaben zumindest zu einem gewissen teil bereits gedeckt. Es für content-provider wie youtube leicht zu machen (und wirtschaftlich reizvoll) ist genauso im interesse der künstler wie es über lange zeit das möglichst unbürokratische recht stücke im radio zu spielen war.
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