"Mann streift ohne Hose durch #Mitte" Berliner Polizei twittert ihre Einsätze

Gelungene PR-Aktion der Berliner Polizei: Die Beamten twittern 24 Stunden lang jeden Einsatz. Aber wirklich jeden.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU): Twitter-Aktion der Berliner Polizei
DPA

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU): Twitter-Aktion der Berliner Polizei


Berlin - Ein unachtsamer Baumarkt-Besucher fährt über den Fuß eines Kindes, ein Pizzabote wird um seine Einnahmen geprellt, Gäste prügeln sich auf einer Hochzeitsfeier: Eine Nacht in Deutschlands Hauptstadt kann sehr spannend, lustig, aber auch gefährlich sein. Das zeigt ein einmaliges Projekt der Berliner Polizei, das am Freitagabend gestartet ist. 24 Stunden lang verbreiten die Beamten zu jedem ihrer Einsätze einen Tweet.

Die erste Mitteilung von @PolizeiBerlin_E läuft um 19 Uhr über den Dienst: "Streitigkeiten zwischen Badegästen. #Tegel". Es folgen weitere Einsätze mit ähnlich hohem Thrill-Faktor: Um 19:11 Uhr sucht in Hellersdorf ein Kind seine Eltern, sechs Minuten später ist einer Frau in einer Charlottenburger Bäckerei ihre Geldbörse gestohlen worden, in Gesundbrunnen haben Kinder Wasserbomben aus einem Wohnhaus geworfen.

Im Minutentakt laufen die Tweets über den Bildschirm. Nüchtern betrachtet ist ihr Inhalt fast immer mäßig bis gar nicht spannend. Aber es stellt sich ein Mittendrin-und-dabei-Gefühl ein: Dutzende Male werden die einzelnen Mitteilungen retweetet, kommentiert und favorisiert.

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Besonders beliebt sind Einsätze, die zeigen, wie verrückt das alltägliche Leben in der Hauptstadt ist. Meldungen, die beim Lesen Bilder im Kopf hervorrufen: etwa die Jugendgruppe, die sich weigert, ein Eiscafé zu verlassen. Oder die zu laute Party auf einer Dachterrasse. Oder die Schlägerei auf einer Hochzeitsfeier. Oder dieser Tweet der Beamten: "Schöne Grüsse zurück an den Herrn, der einen Funkwagen angehalten hat, um uns zu grüßen."

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Die mit Abstand beliebteste Meldung des Abends kommt gegen 23 Uhr rein: "Mann streift ohne Hose durch #Mitte." Innerhalb von zehn Minuten wird diese Nachricht mehr als hundertmal retweetet. Wegen der rasanten Verbreitung der Tweets kann sich das Twitter-Team der Berliner Polizei vier Stunden nach Beginn ihres Experiments über ihren 10.000. Follower freuen.

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Die Einsatz-Twitterei der Polizei soll noch bis Samstagabend andauern. Es wird erwartet, dass bis dahin 2500 Einsätze gefahren worden sind. Entsprechend viele Tweets soll es geben. Mit der Live-Aktion will die Berliner Polizei einen Einblick in ihre tägliche Arbeit geben und um Nachwuchs werben. Doch wer nun gehofft hat, dauerhaft dem Polizeifunk folgen zu können, wird enttäuscht. Über Twitter stellten die Beamten gleich klar: "Eine Bitte an alle Follower, dies als einmalige Aktion zu betrachten."

Mit Material von dpa



insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
capote 07.06.2014
1. Polizei
Wie viele Parksünder in der selben Zeitein Strafmandat bekommen, wie viele Temposünder ein Strafmandat bekommen und anderer Bullshit mehr, um Geld von harmlosen Bürgern einzutreiben wird natürlich nicht angezeigt, auch nicht, um mal das Verhältnis von wirklicher Polizeiarbeit zu reinem Abkassieren zuzeigen. Ich vermute hier Übles, dass die Polizei sich selber finanzieren muss mit solchem Bullshit....
Mach999 07.06.2014
2.
Am schönsten finde ich den scheinbar hilfsbedürftigen Raben, bei dem sich dann herausstellte, dass er auf der Balz war.
Ogden wernstrom 07.06.2014
3. Und meine Dorfpozilei?
Klar.. Berlin..total aufregend.. ;) Aber die Mehrheit der Polizisten/innen in De. kämpft in der Nachtschicht wohl eher mit schlechtem Filterkaffee und unhandlichen McD-Burgern (kein DunkinDonut vor Ort).
jajajatjatja 07.06.2014
4.
Ist halt schon ziemlich assi in den großen Städten. Und es scheint mir persönlich so, als seien es immer die gleichen Kandidaten, die unnötige Einsätze erforderlich machen. für die wichtige Arbeit bleibt dann zu wenig Zeit.
Altesocke 07.06.2014
5. 7137
Kann man das nicht auch mal bei allen an BER beteiligten machen? 24 Stunden im 'Leben' einer Baustelle
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