Neues soziales Netzwerk Facebook-Alternative Ello lockt mit laschen Regeln

Nacktbilder und Pseudonyme sind erlaubt. Werbung? Fehlanzeige! Das soziale Netzwerk Ello positioniert sich gerade recht erfolgreich als Alternative zum durchregulierten Facebook.

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Ein kleines, auf Pump finanziertes Netzwerk will es mit dem Giganten Facebook aufnehmen. Auf Werbung wollen die Macher von Ello verzichten: Der Nutzer soll nicht das Produkt sein, das verkauft wird. Neue Funktionen sollen sich dann auch ausschließlich an den Bedürfnissen der Mitglieder orientieren - nicht an denen der Werbekunden.

Einlass findet derzeit nur, wer eine Einladung auftreiben kann. Die werden zum Beispiel auf Twitter verschenkt. Einmal drin, fällt vor allem die große Leere auf: ein bisschen Text, große Fotos, viel Platz. Ello hat bisher nur rudimentäre Funktionen. Keine Fotoalben oder Gesichtstags, dafür aber viel Weißraum.

Seit vergangenem Jahr arbeiten der Kidrobot-Designer Paul Budnitz, das Büro Berger & Föhr und die Entwickler von Mode Set an ihrem Netzwerk. Jetzt geht es richtig los: Mehrere große US-Seiten berichten lobend über Ello, alle drei, vier Tage soll sich die Nutzerzahl derzeit verdoppeln.

Nacktbilder gehen in Ordnung

Einer der Gründe für die plötzliche Popularität: Facebook hat gerade mehrere Dragqueens gesperrt, die statt ihres echten Namens einen Künstlernamen angegeben hatten. Die Facebook-Polizei beharrt auf dem Zwang zu echten Namen - aus diversen Gründen eine schlechte Idee - und bringt damit nun die Queer-Community gegen sich auf.

Bei Ello muss niemand seinen offiziellen Namen angeben. Kein Spam, kein Hass, keine Bots, keine Parodie, das sind die Ello-Regeln. Die Nutzer sollen sie selbst und nett zueinander sein. Noch ein Unterschied zu Facebook: Nacktbilder gehen in Ordnung, wenn die Nutzer ihr Profil mit der Warnung NSFW versehen, not safe for work.

Nur wer nicht nett ist und gegen das Manifest verstößt, soll rausfliegen. Eine Funktion, mit der Nutzer aufdringliche Zeitgenossen stummschalten könnten, fehlt bisher allerdings. Auch sonst wirkt Ello an vielen Ecken noch unfertig. Das Interesse war diese Woche so groß, dass zeitweise keine neuen Einladungen mehr ausgegeben werden konnten.

Diaspora und App.net

Eine werbefreie Alternative zu Facebook sollte schon Diaspora werden. Vor vier Jahren sammelten vier Studenten 200.000 Dollar für ihr Netzwerk und programmierten eine dezentrale Plattform. Doch die Nutzer blieben lieber bei Facebook, zwei Jahre später gaben die Entwickler ihr Projekt auf. Die Überreste des Diaspora-Traums werden von Freiwilligen verwaltet.

Als nächstes ging App.net ins Rennen, eine minimalistische Kurznachrichten-Plattform. App.net sollte ein Bindeglied zwischen Webdiensten sein, den Facebook-Login-Button ersetzen, der auf vielen Webseiten und in vielen Apps mittlerweile auftaucht. Der Erfolg lässt allerdings noch auf sich warten.

Wieder zwei Jahre später ist jetzt Ello die nächste Facebook-Alternative, die es groß in die Medien schafft. Kein Wunder: Facebook mag zwar weiter wachsen, wird aber auch nicht sympathischer. Im Gegensatz zu den eher technischen Projekten Diaspora und App.net steht bei Ello von Anfang das minimale Design im Vordergrund. Blättert man die Liste der ersten Nutzer durch, finden sich darunter viele Kreative - nicht bloß männliche Software-Entwickler.

Sorge um finanzielle Unabhängigkeit

Künftig sollen die Nutzer Ello finanzieren, indem sie für zusätzliche Funktionen Geld bezahlen. Bis es soweit ist, greifen die Ello-Entwickler auf fremdes Kapital zurück: 435.000 Dollar hat die Venture-Capital-Firma FreshTracks Capital im März ausgelegt.

Der Web-Entwickler Andy Baio warnt deswegen vor allzu großen Unabhängigkeitsträumen: Zwar haben die sieben Ello-Gründer das Sagen, doch die Investoren würden schließlich ihr Geld zurückverlangen. Und ein Manager der Venture-Capital-Firma sitze im Aufsichtsrat von Ello: In der Regel würde so ein Investment in ein Start-up auf einen Exit abzielen, also einen Börsengang oder einen Verkauf an eine andere Firma.

Die Ello-Gründer halten dagegen, dass ein Verkauf von Nutzerdaten oder das Schalten von Werbeanzeigen für sie nicht infrage kommt. Die Nutzer, sie eingeschlossen, würden sonst das Netzwerk verlassen. Das Löschen eines Accounts soll ganz einfach gehen. Bisher fehlt allerdings auch eine Funktion, die in Ello gespeicherten Nutzerdaten - Texte und Bilder - zu exportieren.

Update, 29. September: Die Ello-Nutzer haben mittlerweile den ersten größeren Ausfall des Netzwerks erlebt. In der Nacht zum Montag wurde die Ello-Website für einige Stunden mit einer sogenannten DDOS-Attacke lahmgelegt. Dabei werden die Server mit sinnlosen Anfragen überhäuft, bis sie in die Knie gehen.

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Seite 1
jack_ryan63 26.09.2014
1. Nicht gerade neu.
Gibt es schon seit zwei Jahren und dazu noch made in Germany: einfach mal Zooot googeln.
xcver 26.09.2014
2. Finanzierung
Aha, da bin ich aber mal gespannt für was für Zusatzfunktionen die Benutzer bereit sind Geld zu bezahlen.....ausser eine handvoll idealistischer "Kreativer" dürften da nicht viele User mitmachen. Aber vielleicht hat hier ja jemand ganz tolle Ideen für Inhalte für die Benutzer bezahlen würden.
Finsternis 26.09.2014
3. Sex & Freiheit
Beides locken sehr viele Menschen an, auch wenn man es bloß in den Raum wirft. Danke Spiegel für die gratis Werbung der Plattform, wird sich zumindest der Betreiber denken.
teufelsschreiner 26.09.2014
4.
Irgendwo müssen die ja ihr Geld generieren und wenn es der Verkauf von Nutzerdaten ist...
les2005 26.09.2014
5. Alles gut und schön, aber
Wie soll sich das ganze je tragen? Wenn die letzten Jahre eins gezeigt haben , dann daß es die allermeiste. Leute nicht allzusehr kümmert, wenn ihre Daten ausgewertet werden. Die meisten haben aber keine Lust für etwas zu zahlen, das sie andernorts umsonst bekommen können
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