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Kampagne bei Twitter #EMMAistfürmich: "Emma" kriegt ordentlich was ab

Von Katrin Gottschalk

Auf Twitter sollten Leserinnen der "Emma" unter dem Hashtag #EMMAistfürmich schreiben, weshalb die feministische Zeitschrift für sie wichtig ist. Das ging gründlich nach hinten los.

Alice Schwarzer: Kritik von beiden Seiten Zur Großansicht
AFP

Alice Schwarzer: Kritik von beiden Seiten

Vergangenen Freitag startete die Zeitschrift "Emma" eine kleine Twitter-Kampagne: Unter dem Hashtag #EMMAistfürmich postete das Heft ein Foto von einer Abonnentin, die ein Schild hoch hält, auf dem steht: "EMMA ist für mich die Nachricht, dass ich mit meiner Meinung nicht alleine bin."

In den nächsten Tagen folgen noch ein paar Bilder, ein, zwei Videos. Nichts Spektakuläres, das Ganze versickert im Twitter-Boden. Die eher ältere Hauptleserinnenschaft des Heftes tummelt sich offenbar weniger in sozialen Netzwerken. Im Gegensatz zu den jungen Netzfeministinnen.

Die wurden hellhörig, als die "Emma"-Redaktion am Dienstag eine Ankündigung zweier Debattenbeiträge veröffentlicht hat, in denen sie fragt: "Emanzen oder Schlampen?" Gemeint sind Musikerinnern wie Beyoncé oder Taylor Swift. Auf die Nachfrage einer Nutzerin kommt diese Antwort:

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Fortan beginnt die Reversion des Hashtags #EMMAistfürmich. Einen Abend lang erklären vorrangig Frauen auf Twitter, was EMMA für sie ist - nämlich vor allem kritikwürdig:

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Es gibt sicher viele Gründe, "Emma" und die Politik, die Alice Schwarzer mit diesem Heft betreibt, zu kritisieren. Die Aufregung des Dienstagabends zeigt aber auch, mal wieder, die Eigendynamik der Twitter-Spirale, die sich mitunter in Gang setzt: So leicht es ist, der eigenen Empörung auf Twitter Raum zu geben, so unberechenbar ist der Weg, den diese im Laufe eines Abends nehmen kann.

Schnell gibt es Applaus von der falschen Seite

Nicht zuletzt nämlich mischten sich in die Kritik am Blatt nämlich auch noch diejenigen ein, die vom Untergang des Feminismus träumen. Im Aufregen über EMMA und Alice Schwarzer geeint mit Männerrechtlern - das will keine Netzfeministin.

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Das Problem ist nicht neu. Schon Hashtags wie #Aufschrei oder #SchauHin, die netzaktivistische Werkzeuge gegen Sexismus und Rassismus sind, werden immer wieder in sexistischen und rassistischen Kommentaren genutzt.

Der Unterschied ist allerdings: Ein rassistischer Kommentar, der sich des Hashtags #SchauHin bedient, bleibt ein rassistischer Kommentar. Bei #EMMAistfürmich hingegen sind plötzlich Feministinnen und Maskulinisten vereint in ihrer Kritik an einem Magazin, das eigentlich kaum noch relevant ist.

Am Mittwochmorgen versucht eine Bloggerin schließlich, das Ganze in eine positive und damit eventuell auch produktivere Richtung zu drehen und startete #MeinFeminismus - eine neue Stufe der Debatte ist erreicht, der Verlauf steht in den Twitter-Sternen. Was von #EMMAistfürmich vorläufig bleibt, ist also diese einfache Erkenntnis:

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Zur Autorin
Katrin Gottschalk ist Chefredakteurin des "Missy Magazine" und freie Kulturjournalistin in Berlin. Sie schreibt über Musik, Theater, Politik, Alltag und das Netz. Für SPIEGEL ONLINE berichtet sie im Wechsel mit Chris Köver und Sonja Eismann als netzfeministische Korrespondentin.

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insgesamt 84 Beiträge
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1. Autorin?
ironcock_mcsteele 06.11.2014
So interessant und gemäßigt neutral der Artikel geschrieben wurde, halte ich es für keine gute Wahl, die Chefredakteurin des Konkurrenzblattes über EMMA urteilen zu lassen.
2. Mensch
steinbock8 06.11.2014
Die Menschheitsgeschichte gibt Antwort auf all diese Fragen was ist weiblich was ist männlich alles andere geht an der Entwicklung und am Menschsein vorbei die Rolle der Frau und die Rolle vom Mann ist klar definiert wird aber nicht immer so gelebt individuelles Glück hängen oft Von der Fähigkeit seine Rolle zu leben ab
3. Danke
Wheredoyouwanttogotoday? 06.11.2014
für den sachlichen Bericht. Dass die Netzfeministinnen v.a. kritisieren, dass EMMA nicht andersdenkende Feministinnen in ihren Kommentaren blockt, gerade mit der Forcierung einer konservativen Reform des ProstG Sexarbeiter*innen um ihre Existenz zu bringen droht und Zwangsarbeit verharmlost, in dem sie mit selbstbestimmter einvernehmilcher erotischer Dienstleistungen gleichgesetzt wird, hätte auch noch erwähnt werden können. Und dann gab es haufenweise Maskus zu blocken, die sich hier ja sicher auch gleich melden werden, arme Admins ;)
4. Sysyphos
DerWeisseWal 06.11.2014
Antifeminismus haben wir nun schon seit 30.000 Jahren, dafür braucht sich niemand einzusetzen. Aber solange 80-90 % der Männer sich davon überzeugt zeigen, dass es in unserer Gesellschaft kein Sexismusproblem gibt, haben Emma & Co es schwer. Dazu kommt, dass jede subjektive Kritik an den Verhältnissen sogleich als "Diktat" oder "Vorschrift" verstanden und vehement abgelehnt werden. Dabei sind es erstmal nur Denkanstöße, tut das denn so weh ? dww
5. Relikt
jakimboaz 06.11.2014
Also ich bin ja nur ein älterer Herr aber meine drei Töchter im Alter von 20 bis 28 finden Emma und Alice noch nicht einmal komisch sondern nur anachronistisch Ich glaube Alice Schwarzer wäre glaubwürdiger und hätte viel zur weiteren Emanzipationsdebatte beizutragen wenn sie - auch sie - endlich den verdammten Sex aus ihrem Kopf bekäme .... Ganz das selbe Problem wie die Männer die sie kritisiert
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