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Emmanuel Macron ist mit großer Mehrheit zum französischen Präsidenten gewählt worden - obwohl in der Nacht zum Samstag via Pastebin rund neun Gigabyte an Daten geleakt wurden. Wer auch immer hinter dem jüngsten Beispiel der neuen "Hack und Leak"-Strategie steckt: Er hat sein Ziel, dem Kandidaten zu schaden, nicht erreicht.

Das kann auch daran liegen, dass die Öffentlichkeit im Umgang mit derlei versuchten Einflussnahmen souveräner und gelassener wird. Und dass die französischen Wähler verstanden haben, dass es einen entscheidenden Unterschied gibt zwischen legitimem Whistleblowing und plumpen Manipulationsversuchen. Die französische Wahlkommission hatte Internetnutzern und Medien zudem untersagt, die geleakten Dokumente zu verbreiten oder zu veröffentlichen.

Im aktuellen Fall rekonstruierten Digital-Forensiker sehr schnell, wie sich die ersten Nachrichten über das "EMLeak" verbreiteten und welch wichtige Rolle dabei erneut die "Alt Right"-Bewegung in den USA spielte - und die Enthüllungsplattform WikiLeaks, die eifrig über das Leak twitterte, aber anders als vielerorts berichtet die Daten nicht selbst veröffentlicht hatte.

Wahlsieger Emmanuel Macron
REUTERS

Wahlsieger Emmanuel Macron

Die neue "Informationsoperation" dürfte dennoch Befürchtungen anheizen, im Bundestagswahlkampf könnte ein "Berlin Leaks" drohen - zumal viele Indizien darauf hindeuten, dass in Frankreich dieselben Urheber hinter der Attacke stecken könnten wie im Fall des Hacks während des US-Präsidentschaftswahlkampfs und des Bundestagshacks im Jahr 2015. In beiden Fällen war eine Gruppierung aus dem Einflussbereich des russischen Militärgeheimdienstes verdächtigt worden.

Mit der Digitalkonferenz re:publica hat heute Vormittag in Berlin eine Veranstaltung begonnen, auf der das Thema heiß diskutiert werden wird, zum Beispiel heute Abend um 18.30 Uhr. Da geht es auf Bühne 2 um die Frage, wie man als Journalist über derlei Hacks berichtet, ohne sich instrumentalisieren zu lassen - das wird sicher nicht nur für Medienleute interessant. Viele der Sessions gibt es im Livestream, auch SPIEGEL ONLINE berichtet von der Konferenz.

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Zuck for President?

Zuckerberg ante Portas: Am vorvergangenen Samstag stand plötzlich der Facebook-Chef vor der Tür von Familie Moore in Newton Falls, Ohio, als Überraschungsgast. Am mit Plastiktellern gedeckten Tisch entstand ein bemerkenswertes Foto, das in seiner Bildsprache ans letzte Abendmahl erinnert, mit dem Erlöser in der Mitte. Was Zuck in Ohio wollte?

Die Gastgeber, hier noch ohne Zuckerberg
AP

Die Gastgeber, hier noch ohne Zuckerberg

Vordergründig war die Stippvisite Teil seiner alljährlichen "persönlichen Herausforderung". Für 2017 stehen Besuche bei ganz normalen Amerikanern in sämtlichen 50 US-Bundesstaaten an. Doch man könnte den Auftritt auch als Indiz dafür werten, dass an den Gerüchten, Zuckerberg könnte sich bald um die US-Präsidentschaft bewerben, doch etwas dran ist. Zuckerberg verneinte das zwar jüngst klar. Allerdings hatte diese Antwort vor Jahren auch ein anderer gegeben: Donald Trump. Und was der heute beruflich macht, ist ja hinlänglich bekannt.

Microsofts Sprachassistent braucht ein Update

Satya Nadella
REUTERS

Satya Nadella

Mein Kollege Matthias Kremp verbringt den Montag in Flugzeugen. Er ist unterwegs nach Seattle, wo am Mittwoch die Build 2017 beginnt, Microsofts jährliche Entwicklerkonferenz. Konzernchef Satya Nadella wird dort das nächste große Update für Windows 10 vorstellen, davon kann man ausgehen.

Ein weiteres Thema wird Künstliche Intelligenz (KI) sein. Microsofts Sprachassistentin Cortana braucht dringend ein Update, um mit Amazons Alexa mithalten zu können. Vielleicht stellt der Konzern seine eigene Version eines vernetzten KI-Lautsprechers mit Cortana inside vor. Nach der mehrstündigen Keynote am Mittwochabend werden wir mehr wissen.

Seltsame Digitalwelt: Kampf mit der Sat-Schüssel - bei Nieselregen

Ich hätte natürlich vorbereitet sein müssen. Schon vor Monaten hatten sich Balken in aggressiven Farben aufdringlich in mein Fernsehbild geschoben und eindringlich vor der baldigen Abschaltung des DVB-T-Signals gewarnt ("Wenn Sie das sehen, sehen Sie bald nichts mehr", oder so ähnlich.) Mein innerer Alarm hielt sich in Grenzen. Jedenfalls kam er dann doch plötzlich, der Blackout, Ende März.

Ich erstand daraufhin eine kleine Sat-Schüssel und lud eine App zu deren optimalen Ausrichtung herunter. Natürlich hätte ich auch einen DVB-T2-Receiver kaufen können, aber das wollte ich aus sportlichen Gründen nicht, da bin ich nachtragend. Wenn mir jemand das Signal abschaltet, wechsele ich das System.

Nach etwa drei Stunden auf dem Balkon bei leichtem Nieselregen und frühlingshaften sechs Grad wurde ich unsicher. Mein Versagen im Ringen mit Azimut und Elevationswinkel schob ich auf die App und lud eine andere herunter. Und noch eine. Irgendwann schleppte ich verzweifelt den Fernseher raus, um die Verkabelung als Fehlerquelle auszuschließen. Und siehe da, plötzlich waren mehr als 1000 Sender verfügbar. Ich weiß jetzt, dass irgendwas mit den Kabeln nicht stimmt - aber alles aufreißen, nur um weiter fernzusehen? Ich habe immer noch kein TV-Bild, habe aber gemerkt, dass mir nichts Entscheidendes fehlt - und werde auf die Schüssel wohl nun ganz verzichten.

App der Woche: "Ninja Pizza Girl"
getestet von Sebastian Meineck

Disparity Games

Gemma rennt, sonst wird die Pizza kalt. Die Heldin des Plattform-Spiels "Ninja Pizza Girl" sprintet über die Dächer einer verregneten Cyberpunk-Metropole und kickt mit Kampfkunst feindliche Pizzalieferanten aus dem Weg.

Das Spiel aus dem Jahr 2015 ist zunächst für PC und Konsole erschienen, nun gibt es auch eine Version für iOS. Besonders unterhaltsam sind die Comic-Sequenzen zwischen den Spielrunden, wenn sich Gemma mit ihrem Bruder und ihrem Vater, dem Pizza-Bäcker, unterhält. "Denke nicht darüber nach, wie gut die Pizza der anderen ist", rät der Vater, "sondern denke nach, wie gut deine Pizza ist."

Von Dispartiy-Games, ohne In-App-Käufe: iOS (3,49 Euro); Windows, Mac OS, Linux (6,99 Euro), WiiU, Xbox, PlayStation

Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

  • Hilflose Helfer (Video, dreieinhalb Minuten)
    ZDF-Korrespondent Thomas Reichart hat in Hongkong die Flüchtlingsfamilien besucht, die im Frühsommer 2013 einem anderen Flüchtling Unterschlupf gewährt hatten: Edward Snowden. Wie ist es ihnen seither ergangen?
  • Testen Sie Ihre Filterblase (Test, zehn Minuten)
    Die "Süddeutsche Zeitung" hat diesen Test als Teil einer ausführlicheren Datenrecherche über Facebook veröffentlicht. Funktioniert auch ohne Facebook-Konto.
  • "Facebook wants to launch its big attack on TV next month" (Englisch, fünf Leseminuten)
    Noch einmal Facebook: "Business Insider" berichtet ausführlich über die Pläne des Netzwerks, mit hochwertigen fiktionalen Programmen gegen das Fernsehen, aber auch gegen YouTube anzutreten.

Schöne Grüße,

Marcel Rosenbach

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
arrache-coeur 08.05.2017
1.
'Wer auch immer hinter dem jüngsten Beispiel der neuen "Hack und Leak"-Strategie steckt: Er hat sein Ziel, dem Kandidaten zu schaden, nicht erreicht.' - Das war ja auch nicht das Ziel. Meiner Meinung nach war das Ziel (eben aufgrund der Erfahrungen mit anderen Leaks), Macron in die Opferrolle zu schieben, was ihm sicherlich ein paar Stimmen brachte. Er hätte wahrscheinlich ohnehin gewonnen, aber möglicherweise nicht so hoch.
KaroXXL 08.05.2017
2. Schaden??
Dann wäre der Leak doch nicht zwei Tage kurz vor Schluss veröffentlicht worden! Außerdem, warum erfährt man eigentlich nichts zum Inhalt. Ist das jetzt auch eine Art neue Strategie? 100% Aufmerksamkeit den (möglichen, vermuteten oder einfach so beschuldigten) Tätern und 0% dem Inhalt?
never_mind 08.05.2017
3. was...
haben denn rechner mit sensiben daten am netz zu suchen ? leak über leak aber man scheint nicht zu lernen. sensible daten dürften nur von personen mit freigabe für bestimmte rechner bearbeitet/eingesehen werden. dann kennt man den hacker .... usb sticks müssen vor dem einstöpseln natürlich auch gecheckt werden. eigentlich recht einfach zu lösen.
Crom 08.05.2017
4.
Zitat von KaroXXLDann wäre der Leak doch nicht zwei Tage kurz vor Schluss veröffentlicht worden! Außerdem, warum erfährt man eigentlich nichts zum Inhalt. Ist das jetzt auch eine Art neue Strategie? 100% Aufmerksamkeit den (möglichen, vermuteten oder einfach so beschuldigten) Tätern und 0% dem Inhalt?
So schnell kann man über den Inhalt noch gar nichts wissen. Zum einen sind es sehr viele Daten auf einmal, der größte Teil wahrscheinlich vollkommen belanglos und das was dann vielleicht von Interesse ist, müsste erst einmal geprüft werden, ob es kein Fake ist.
BernieistAnders 08.05.2017
5. Die Medien haben es nicht verstanden
Hillary Clinton hat nicht wegen diesem "Leak" verloren, sie hat verloren weil sie schlecht ist. Auch wenn sie es tausendmal wiederholt, sie hat nicht wegen diesem "Leak" verloren, das müsen die Medien auch mal begreifen. Insofern kann man sagen dass die meisten sich von so etwas nie in die Irre führen haben lassen, also können sie auch nichts "dazulernen"
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