Endlich Die Jedi-Ritter sind eine Religion

Wir haben es immer geahnt: Obi Wan Kenobi wäre der ideale Beichtvater unseres Vertrauens. In der offiziellen Bevölkerungsstatistik von Großbritannien tauchen die Ritter erstmals als "Religion" auf.


Fans: In Deutschland gelten exzentrische Kleidervorlieben wie diese selten als "charmant"
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Irgendwann einmal war das eine Schnapsidee, in Umlauf gebracht in irgendeinem Fan-Forum: Warum eigentlich, lautete die Frage, ist das Jedi-Rittertum keine anerkannte Religion? Bekanntlich finden sich im Internet für jeden Blödsinn eifrige Verfechter, und im April 2001 begann eine weltweite Welle von Versuchen, das Jedi-Rittertum irgendwo als offizielle Religion "durchzudrücken".

Wo anders als in England hätte das zuerst von Erfolg gekrönt sein können? Traditionell hegt und pflegt man im "Vereinigten Königreich" auch noch die spinnertsten Schnapsnasen, ja, man schöpft aus ihrer Hege gar einen Teil der nationalen Identität und des nationalen Stolzes: England war und ist ein Biotop für Exzentriker.

Was in Deutschland zur gesellschaftlichen Ächtung führen würde, macht in England nur prominent. Was hüben zu Verboten wie "Mit den Kindern von dem spielst du aber nicht" führt, beschränkt sich drüben auf Werturteile

Alec Guinness als Obi Wan Kenobi: Prototyp des Jedi-Ritters mit Beichtvater-Appeal
AP

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wie "bescheuert, aber sooo charmant".

Nun also ist England um eine charmante Minderheit reicher. In der offiziellen Einwohnerstatistik tauchen die Jedi-Ritter nun unter Kennziffer 896 auf - als vorletzte Religionsgemeinschaft in einer ziemlich langen Reihe - aber immerhin. Jede Religion fängt bekanntlich einmal klein an, und dies ist die erste, die mit vollem Recht ihren Ursprung im Cyberspace behaupten kann.

So richtig begeistert ist man auf amtlicher Seite jedoch auch in England nicht über den spirituellen Zuwachs: Es war nicht etwa der Staat, der dafür in Form einer Antwortvorgabe sorgte. Die Ritter landeten schlicht und ergreifend in der Statistik, weil es Menschen gab, die das unter "Religionszugehörigkeit" angaben. Englische Beamte dokumentieren so etwas getreulich - auch das ist etwas, was hier zu Lande wohl nie vorkäme.

Wie auch immer: Gegenüber dem IT-Newsdienst

Jedi-Ritter bei der Arbeit: Der gemeine Jedi gibt dem Lichtschwert gegenüber dem Bischofsstab den Vorzug
AP

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Register dementierten Offizielle, dass der Eintrag in der Statistik mit einer offiziellen Anerkennung als Religionsgemeinschaft gleichzusetzen wäre. Die Diskussion darüber hat nun zumindest begonnen - Ziel erreicht. Ein Statement des Chefs der etwas größeren Konkurrenz, des Bischofs von Canterbury, steht noch aus.

Frank Patalong



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