Endlich ein Geschäftsmodell Twitter wird Werbefläche

Der "New York Times" zufolge wird Twitter heute seine langerwarteten Pläne zum Geldverdienen vorstellen. Die sind wenig überraschend: Twitter wird Werbung verbreiten. Das Unternehmen will jetzt erwachsen werden - was nicht jedem Nutzer gefallen dürfte.

Twitter: Ab jetzt soll Geld verdient werden
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Twitter: Ab jetzt soll Geld verdient werden


Das Werbe-Programm wird der "New York Times" zufolge "Promoted Tweets" heißen und zunächst ziemlich analog zum Erfolgsmodell Googles funktionieren: Wenn Nutzer die Twitter-Suche in Anspruch nehmen, werden demnach nicht nur die Tweets von anderen Privatnutzern mit entsprechendem Inhalt auftauchen, sondern auch von Unternehmen bezahlte Werbe-Tweets. Wer also nach "Michael Jackson" sucht, könnte dann beispielsweise Werbung für Star-T-Shirts oder Musik-Downloads zu sehen bekommen.

Es gehe darum "die Kommunikation, die Firmen bei Twitter bereits mit ihren Kunden haben, noch zu verstärken", sagte Twitter-Führungskraft Dick Costolo der Zeitung. Comscore zufolge hatte Twitter im März dieses Jahres 22,3 Millionen Unique User - was die tatsächliche Nutzerzahl aber unterschätzen dürfte. Denn mitgezählt werden hier nicht all jene Nutzer, die Twitter über Applikationen, Anwendungen von Drittanbietern etwa auf Mobiltelefonen nutzen. Twitter selbst hat gerade erst seine erste eigene App erworben: Das Unternehmen kaufte das Entwicklerstudio Atebits und damit auch dessen populäre Twitter-App Tweetie für Apple-Rechner und das iPhone. Manche externen Entwickler macht das nervös - wird Twitter künftig seine eigene App gegenüber den Programmen von Drittanbietern bevorzugen?

Die Werbe-Tweets werden gegenüber normalen, unbezahlten Twitter-Konversationen privilegiert sein: Wenn ein Nutzer nach einem Stichwort sucht, wird ein zahlender Kunde seinen Reklame-Tweet weit oben in der Trefferliste platzieren können - auch wenn der schon älter ist und damit eigentlich weiter unten landen müsste. Schließlich ist Aktualität das zentrale Element des Kurznachrichtendienstes.

Tweets erster und zweiter Klasse

Für Unternehmen sind solche langlebigeren Bezahl-Tweets auch eine Möglichkeit der Schadensbegrenzung, wenn sich bei Twitter Kritik zusammenbraut. Ein Schokoladenhersteller, über dessen fragwürdige Zutaten man im Netz gerade spricht, könnte beispielsweise versuchen, die Stimmung mit Einwürfen zu beeinflussen - und diese Einwürfe würden von jedem schnell gefunden, der die Suche benutzt. Wenn man auf einen "Promoted Tweet" mit der Maus zeigt, soll er zudem farblich markiert werden.

Die Werbestrategie ist zweistufig: Nach bezahlten Suchergebnissen sollen eines Tages auch direkt in den Nachrichtenstrom einzelner Nutzer Werbebotschafen eingespeist werden. Die Werbung soll den Interessen der Nutzer angepasst sein - wie das aber genau funktionieren soll, ist offenbar noch unklar. Die Reklame-Tweets könnten vom Aufenthaltsort des Nutzers abhängen, von Themen, über die er selbst häufig Tweets absetzt oder von den Themen, über die andere Nutzer sprechen, deren Tweets er verfolgt.

Auch hier verfolgt Twitter also einen Ansatz, der Googles sehr ähnlich ist: Durch Beobachtung des Nutzers soll die Werbeansprache optimiert werden. Das wird nicht nur auf Gegenliebe stoßen, ebensowenig wie die Tatsache, dass es schon durch das "Promoted Tweets"-Programm künftig Twitter-Botschaften erster und zweiter Klasse geben wird.

Überhaupt dürfte die Zeit der Unschuld für Twitter mit der Ankündigung vorbei sein: Ein Unternehmen, das tatsächlich Profit macht, wird von seinen Nutzern in der Regel anders wahrgenommen als das sympathische kleine Start-up mit guten Ideen aber ohne Geschäftsmodell.

cis



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 3 Beiträge
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Seite 1
timewalk 13.04.2010
1. Yo
Zitat von sysopDer "New York Times" zufolge wird Twitter heute seine langerwarteten Pläne zum Geldverdienen vorstellen. Die sind wenig überraschend: Twitter wird Werbung verbreiten. Das Unternehmen will jetzt erwachsen werden - was nicht jedem Nutzer gefallen dürfte. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,688648,00.html
Schon klar, was kostenlos ist = kindisch.
nixkapital 13.04.2010
2. Kommerz, Kommerz...
Zitat von sysopDer "New York Times" zufolge wird Twitter heute seine langerwarteten Pläne zum Geldverdienen vorstellen. Die sind wenig überraschend: Twitter wird Werbung verbreiten. Das Unternehmen will jetzt erwachsen werden - was nicht jedem Nutzer gefallen dürfte. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,688648,00.html
"..Endlich ein Geschäftsmodell..", "...langerwartete Pläne...", "..."Twitter will jetzt erwachsen werden.." Verräterische Sprache. Ist eine Sache nur etwas wert, bzw. wird nur dann ernst genommen, wenn sie kommerzialisiert ist? Das hängt mir zum Hals raus...
bfz 13.04.2010
3. ...
Zitat von nixkapital"..Endlich ein Geschäftsmodell..", "...langerwartete Pläne...", "..."Twitter will jetzt erwachsen werden.." Verräterische Sprache. Ist eine Sache nur etwas wert, bzw. wird nur dann ernst genommen, wenn sie kommerzialisiert ist? Das hängt mir zum Hals raus...
Gründen Sie ein ähnliches Unternehmen. Sie können dann kostenlos arbeiten. Wie lange dauert es wohl bis Sie verhungert sind? Immer diese Realitätsverweigerer, das hängt mir zum Hals raus!
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