Entwicklerkonferenz i/o Künstliche Intelligenz, immer, überall

Google-Nutzer sollen künftig von künstlicher Intelligenz umgeben sein. Egal wann, egal wo. Das verspricht der Konzern auf der Entwicklermesse i/o. Und er kündigt ein neues Android an, das auch auf lahmen Smartphones rundläuft.

Sundar Pichai
AFP

Sundar Pichai

Aus Mountain View berichtet


Wer zur Google i/o geht, sollte sich warm anziehen. Denn sie findet draußen statt. In Kalifornien kann das im Mai eben auch bedeuten, dass es kalt ist. Während Deutschland am Mittwoch unter einer Hitzewelle ächzt, hat man sich vor der Google-Keynote im Shoreline-Theatre in Mountain View lieber noch eine Jacke mehr übergezogen.

Aber die Kälte war schnell vergessen, als Google-Chef Sundar Pichai um 10 Uhr Ortszeit begann, quasi im Schnelldurchlauf die vielen News zu verkünden, die sich der Konzern für diesen Mittwoch aufgespart hat. Ein paar Minuten lang ging es dabei um große Zahlen, mit denen Google sich selbst feiert. Zum Beispiel die, dass mittlerweile mehr als zwei Milliarden Geräte mit Android-Betriebssystem aktiv sind.

Dann ging es aber gleich mit dem Thema los, das sich in den folgenden zwei Stunden als roter Faden durch die Veranstaltung ziehen sollte: künstliche Intelligenz (KI). So zeigte Pichai Daten, wonach Googles KI Sprache und Bilder mittlerweile zuverlässiger erkennen kann, als es einem Menschen möglich wäre. Und er zeigte einen neuen Mikrochip, den Google für seine KI-Server entwickelt hat, den Cloup TPU. Mit mehr als 118 Trillionen Fließkommaoperationen pro Sekunde soll er die Leistung bringen, die Google für seine KI-Anwendungen braucht - und Google braucht viel.

Google Lens ist fast überall drin

Denn KI steckt künftig fast in allem, was von Google kommt: In der Websuche, in Apps, in Onlinediensten. Ein Begriff, der dabei immer wieder auftaucht, ist Google Lens. Die neue Technologie analysiert beispielsweise Bilddaten, um daraus Informationen abzuleiten.

Google Lens kann etwa aus dem Foto einer Blume erkennen, um welche Art von Gewächs es sich handelt. Oder in das Livebild eines Straßenzugs Informationen zu den dort ansässigen Geschäften einblenden.

Auch im Google Assistant wird Google Lens eingebaut. Etwa, um fremdsprachige Hinweisschilder zu übersetzen. Wenn man die Kamera auf das Werbeplakat einer Veranstaltung richtet, soll der Assistant beim Online-Ticketkauf helfen oder aber, wenn es um ein Konzert geht, Songs des Künstlers abspielen können.

Auch in der Google-Fotos-App findet man künftig die Fähigkeiten von Google Lens wieder. Die KI kann auch hier die Bilder nach Informationen absuchen, beispielsweise um Gebäude zu identifizieren oder Telefonnummern und Webadressen aus Schnappschüssen zu extrahieren.

KI-Fotobücher

Vielleicht auch, um die rund 500 Millionen Nutzer der App zu motivieren, intensiver zu markieren, wer auf ihren Fotos zu sehen ist, wird Google Fotos um eine Funktion erweitert, die vorschlägt, mit wem man seine Schnappschüsse teilen soll. Nach einem Wochenendausflug mit Freunden soll sie die besten Bilder heraussuchen und anbieten, diese mit den darauf abgebildeten Freunden zu teilen.

Genauso kann man festlegen, dass man Freunden dauerhaft Zugriff auf alle Fotos geben möchte, die man von ihnen macht. Zudem steigt der Konzern in das Geschäft mit Fotobüchern ein. Deren Inhalte sollen mithilfe künstlicher Intelligenz zusammengesucht werden. Der Preis beträgt zehn Dollar, vorläufig gibt es sie nur in den USA. Bald sollen weitere Länder folgen.

Amazons Echo bekommt Konkurrenz

Als es um neue Funktionen des KI-Lautsprechers Google Home ging, kam die wichtigste Nachricht gleich zu Beginn: Das dem Amazon Echo ähnliche Gerät kommt in Kürze auch in Deutschland auf den Markt.

Ob man damit dann aber auch telefonieren kann, wie es bald in den USA und Kanada möglich sein wird, ist unklar. Die Option Spotify, Deezer und Soundcloud über das Gerät zu nutzen, dürfte dagegen inklusive sein. Interessant: Per Software wird die Möglichkeit, Musik via Bluetooth über den Home abzuspielen, freigeschaltet.

Auch die Zusammenarbeit von Google Home mit anderen Geräten wird deutlich verbessert. So kann man sich etwa über einen Chromecast-Stick Suchergebnisse auf seinem TV anzeigen lassen. Oder sich die Route zum nächsten Termin in die Maps-App auf seinem Handy senden lassen. Das funktioniert nicht nur mit Android, sondern auch mit iPhones.

Fast nebenbei wurde angekündigt, dass es bald auch Virtual-Reality-Brillen mit Google-Technik geben wird, die eigenständig, also ohne Smartphone, funktionieren. HTC und Lenovo arbeiten an entsprechenden Produkten, die noch in diesem Jahr auf den Markt kommen sollen.

Android O zum Ausprobieren

Vielleicht schon etwas früher wird Android O kommen. Die neue Version des Google-Betriebssystems bietet unter anderem eine Bild-in-Bild-Funktion, ein verbessertes Mitteilungssystem und eine Funktion, die das Auswählen zusammenhängender Textbereiche vereinfacht. Außerdem wurden mehr Sicherheit, kürzere Ladezeiten von Apps und längere Akkulaufzeiten versprochen.

Wer mag und keine Angst vor Abstürzen hat, kann eine Betaversion schon jetzt ausprobieren. Bisher sind aber nur wenige Smartphones kompatibel zu der neuen Software.

Für die andere Hälfte: Android Go

Für Geräte mit magerer Hardware-Ausstattung und/oder Nutzer langsamer Onlineverbindungen wurde Android Go vorgestellt. Im Grunde handelt es sich dabei um eine abgespeckte Android-Version mit passend abgespeckten "Go"-Apps. Beides ist dafür optimiert, weniger Datenvolumen zu verbrauchen und mit wenig Leistung auszukommen. Alle Geräte mit einem Gigabyte oder weniger Arbeitsspeicher sollen ab der Veröffentlichung von Android O automatisch mit der Go-Version des Betriebssystems bespielt werden.

Googles Ziel dürfte es sein, damit vor allem die in Schwellenländern weit verbreiteten Lowend-Geräte besser nutzbar zu machen - und so die nächste Milliarde Android-User zu erreichen.



insgesamt 23 Beiträge
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der_horst 17.05.2017
1. "Freunde" auf Fotos markieren
Google will also die Leute motivieren, "intensiver zu markieren, wer auf ihren Fotos zu sehen ist". Und was ist mit meinem Recht auf informationelle Selbstbestimmung?
Bernd.Brincken 18.05.2017
2. Gruselig
Die Zentralisierung von Software, Rechenleistung, Produkten, Userdaten und weltweitem Quasi-Monopol bei einem Konzern ist schlicht gruselig. Wenn es irgendwo noch den Hauch einer Antitrust-Politik gibt, hier müsste sie zur Anwendung kommen. Nicht nur politisch, auch wirtschaftlich kann kein Vorteil darin bestehen, die weltweite Kommunikation einem solchen Monopol zu übereignen.
Schlachtkreuzer 18.05.2017
3. No thanks!
Wer sich auf künstliche Intelligenz verlässt, verblödet, weil er sich selber geistig nicht mehr trainiert und wird zweitens manipuliert bis er nicht wer weiß, ob er Männlein oder Weiblein ist. Will sagen früher ging man in en Wald, um selber an einer schönen Blumen zu riechen, heute erledigt das Google für uns passend zum Blumenshop um die Ecke damit wir dort einkaufen gehen. No thanks!
krautkiwi 18.05.2017
4. convenience is feedom's death
das was da so als ganz hip und bequem angepriesen wird, hinterlaesst bei mir den eindruck einer drohung. "wir werden auch den letzten winkel deines lebens ausleuchtung und versilbern!" im besten fall wird es bloatware die man muehselig wieder enfernen muss.
nochnbier 18.05.2017
5. 42 - ach, egal!
Google ist ohnehin nur der zweitgrößte Computer der Welt. Frage mich schon lange warum sie sich nicht in "Deep Thought" umbenannt haben. Immerhin kann man dann die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest stellen, Aber Hey, Dont't Panic! Und immer an das Handtuch denken ...
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