Android-Erpresser-App: 300 Dollar oder dein Handy ist tot

Koler.A: So blockiert der Trojaner Android-Smartphones Fotos
Bitdefender

Mit einer miesen Methode versuchen Kriminelle, Android-Nutzer zu erpressen. Per Trojaner-App blockieren sie deren Smartphones, fordern Lösegeld. Nur wer sehr wenige Apps auf dem Handy hat, kann den Schädling selbst entfernen.

Die Drohung soll echt wirken - und das tut sie auch: Mit markigen Sprüchen, offiziell wirkenden Logos und virtuellen Polizeimarken fordert eine neue Trojaner-App für Android-Smartphones ihre Opfer auf, Hunderte Euro Strafe zu bezahlen. Erst wenn das Geld eingegangen ist, werde die Blockade aufgehoben und das Handy wieder benutzbar. Der immer gleiche Vorwurf: Die Betroffenen sollen "verbotene Pornografie" angeschaut haben.

Eine Möglichkeit, die Warnmeldung zu umgehen, gibt es anscheinend nicht. Der Trojaner blockiert mit seiner Meldung den Home-Screen. Zwar kann man ihn mit einem Klick auf den Home-Button zur Seite schieben, doch nach fünf Sekunden schiebt er sich wieder in den Vordergrund und die Tortur beginnt von neuem, berichtet das Sicherheitsunternehmen Bitdefender.

Tatsächlich verbreitet sich die Schadsoftware über bestimmte Porno-Webseiten. Werden diese mit einem Android-Gerät angesteuert, wird der Nutzer zur Installation eines Videoplayers aufgefordert, über den man einen vermeintlichen Premiumzugang zum pornografischen Material bekommen soll.

Laut "Ars Technica" sind binnen der ersten sechs Stunden, die sich der Schädling im Umlauf befand, mindestens 68 Menschen auf diesen Trick hereingefallen - die Mehrheit davon in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Doch auch sechs Deutsche sind unter den Betrugsopfern.

Eine neue Zielgruppe für Kriminelle

Die von der Software ausgesprochenen Drohungen wirken umso glaubwürdiger, als die Trojaner-App GPS und W-Lan benutzt, um ihre Position zu orten. So kann sie nicht nur eine passende IP-Adresse und Stadt nennen, sondern ihre Opfer auch noch in der jeweiligen Landessprache ansprechen (siehe Bilderstrecke). Um die "Geldbuße" zu entrichten, sollen die Opfer nicht nachverfolgbare Bezahldienste wie Paysafecard oder uKash nutzen.

Die Bezeichnung Koler.A für den Trojaner ist nur ein weiterer Name auf einer inzwischen langen Liste von Erpresser-Software, sogenannter Ransomware, mit der Cyber-Kriminelle Geld erpressen. 2012 machten Berichte über Lösegeld-Trojaner ebenso die Runde wie vergangenen November, als sogar amerikanische Polizisten Ziel der Online-Geiselnehmer wurden. Die Beamten mussten ihre Rechner mit Bitcoin wieder freikaufen.

Es gibt einen Ausweg

Bisher allerdings waren derartige Schädlinge vornehmlich auf PC spezialisiert. Dass sie sich nun auch auf Android-Handys verbreiten, zeigt, dass Kriminelle zunehmend Smartphones statt herkömmlicher Rechner ins Visier nehmen. Moderne Handys sind aufgrund der enormen weltweiten Verbreitung ein interessantes Ziel für Betrüger - besonders, weil ihre Sicherheitsmechanismen offenbar leicht auszuhebeln sind. Damit sich Koler.A auf einem Android-Smartphone ausbreiten kann, muss dessen Eigentümer zunächst ausdrücklich die Installation von Apps aus nicht-vertrauenswürdigen Quellen freischalten.

Koler.A kann unter günstigen Bedingungen einfach vom Handy entfernt werden. Ein Analyst des IT-Sicherheitsunternehmens Bitdefender erklärte, er habe den Schädling von einem Handy entfernt, indem er binnen der fünf Sekunden, die man nach dem Drücken des Home-Buttons Zeit hat, die entsprechende App ausgewählt und auf das Papierkorb-Symbol gezogen hat. Das funktioniert freilich nur, wenn die App auf der ersten Seite der App-Liste steht, also nur, wenn man sehr wenige Apps auf seinem Handy installiert hat.

meu/mak

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Lösung wie bei PC
Scriptmaster 07.05.2014
Sicherung regelmäßig machen und hard reset. Ist sogar einfacher als mit dem PC.
2. Es ist doch spielend einfach zu entfernen.
chrome_koran 07.05.2014
Smartphone komplett löschen, hinterher sauberes Backup zurückspielen und der Schädling ist Geschichte. Wie so etwas mit Android zu bewerkstelligen ist, keine Ahnung. Beim iPhone wäre es eine Sache von zwei Handgriffen und ein paar Minuten Zeit.
3. Warum macht man sowas?
veremont 07.05.2014
"Werden diese (Pornoseiten) mit einem Android-Gerät angesteuert, wird der Nutzer zur Installation eines Videoplayers aufgefordert, über den man einen vermeintlichen Premiumzugang zum pornographischen Material bekommen soll." Also mal ehrlich - das tut schon weh und da hat man sich den Trojaner redlich verdient. ;) (Ich meine jetzt nicht auf Pornoseiten zu surfen, sondern irgendwelche "Player" zu installieren für einen "Premiumzugang" - das ist ja lachhaft.)
4. Wollen Sie das installieren?
Matzescd 07.05.2014
Ja... ich will das installieren! Die Software stammt aus unsicheren Quellen... Trotzdem installieren? Ja... ich will doch unbdingt den Premiumcontent der Handarbeitswebsite sehen. Fazit: Selbst installiert. Selbst schuld!
5. Abgesicherter Modus für
JKr.WDF 07.05.2014
Auf manchen Geräten gibt es einen "Abgesicherten Modus", in dem alle Dritt-Anwendungen deaktiviert sind und man dann ganz normal über die Einstellungen sie dann deinstallieren kann. https://support.google.com/nexus/answer/2852139?hl=en
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Zum Autor
  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.

Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

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