"Es", "Ready Player One" und "Star Wars" Wie Effektspezialisten Kinogänger verblüffen

Sie erzeugen Horrorclowns für "Es", bauen virtuelle Welten für "Ready Player One" und animieren in "Star Wars" Raumschiffe. Auf der Fachkonferenz FMX in Stuttgart haben Experten für Spezialeffekte ihre Tricks verraten.

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Als Horrorclown Pennywise aus dem Kühlschrank klettert, applaudiert das Publikum. Seine Beine sind hinter dem Körper verknotet, die Arme ausgekugelt. Doch der Gruselclown muss sich nur kurz schütteln, schon sitzen alle Gliedmaßen wieder an der richtigen Stelle.

Die gruselige Szene aus der Neuverfilmung des Stephen-King-Romans "Es" begeistert die Zuschauer beim Visual-Effects-Festival FMX in Stuttgart. In der Szene ist kaum zu erkennen, dass der komplette Clownskörper am Computer erzeugt wurde. Nur der Kopf des Schauspielers ist echt.

Mikael Damant-Sirois vom 3D-Studio Rodeo FX hat den virtuellen Clown zusammen mit seinem Team erstellt. Er gehört zur Effekt-Elite, die sich in den vergangenen Tagen auf der Fachkonferenz FMX versammelt hat. Bei "Es" sei es das Ziel gewesen, den Clown so gruselig wie möglich aussehen zu lassen: Fleischiges Gesicht, feucht glänzendes Make-Up und ruckartige Bewegungen. "Das finden die Zuschauer widerwärtig", sagt der Projektmanager für Computergrafik im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Das zu schaffen sei eine ziemliche Herausforderung gewesen. Im Vergleich mit der TV-Verfilmung aus den Neunzigern, die schon ziemlich gruselig war, musste man beim neuen "Es" noch einen drauflegen. "Wir hatten Glück, der Film hat uns gutes Material für die Effekte geliefert", sagt Damant-Sirois. Vor allem beim Kontrast und den Lichteffekten habe man sich an dem knapp 30 Jahre alten Klassiker orientiert.

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"Es", "Ready Player One" und "Star Wars": So tricksen die 3D-Studios

Lieber schwarzes Blut

Mit ihren Computereffekten hatten es die Horror-Künstler zunächst aber etwas übertrieben. "Wir mussten die Effekte bei 'Es' ein bisschen zurückdrehen", sagt Damant-Sirois. In der ursprünglichen Fassung einer Szene ließen die 3D-Spezialisten den Clown komplett schmelzen und literweise virtuelles Blut spritzen. "Das war zu viel, das mussten wir ändern." Nun sieht die Szene nicht mehr ganz so drastisch aus und das Blut ist schwarz eingefärbt.

Damant-Sirois sei aber froh, dass er und sein Team dabei moderne 3D-Software und schnelle Rechner einsetzen konnten, von denen man vor ein paar Jahren nur hätte träumen können. Auf ein paar seiner alten Projekte sei er vor zehn Jahren zwar echt stolz gewesen, doch heute denke er oft entsetzt: "Oh mein Gott", so schlecht war die Qualität damals. Die Augen der Zuschauer gewöhnten sich schnell an jeden Fortschritt. "Selbst meine Mutter kann mir mittlerweile Feedback auf Projekte geben."

Filmszene aus "Ready Player One"
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Filmszene aus "Ready Player One"

"Ready Player One": Mehr digital als real

Im Blockbuster "Ready Player One"sind nicht nur ein paar Spezialeffekte zu sehen. Stattdessen ist in dem 140 Minuten langen Film kaum eine Szene ohne Computereffekte entstanden. Zwei Jahre haben rund 1100 Experten von Industrial Light & Magic (ILM), der Special-Effects-Firma von Regisseur George Lucas, gebraucht, um mit ihren Rechnern all diese Effekte und Bilder zu erzeugen.

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"Ready Player One": Ein Fest für Gamer

Die künstliche Computerwelt Oasis, in der "Ready Player One" überwiegend spielt, war aber auch eine Herausforderung für Kultregisseur Steven Spielberg. Um virtuelle Kulissen an den richtigen Platz zu setzen und Kameraperspektiven zu wählen, setzten ihm die Effektspezialisten eine Virtual-Reality-Brille auf den Kopf. Den Anweisungen des Regisseurs folgend verschob das Team von ILM Autos, Raumschiffe und Hochhäuser so lange in der vom Computer erzeugten Umgebung, bis Spielberg zufrieden war.

Alte Helden digital nachbauen

Bei "Ready Player One" wird auf zahlreiche Filmklassiker wie "Jurassic Park", "Tron" und "Die Fliege" verwiesen. Man habe versucht, sich an der Ästhetik der Originalfilme zu orientieren, sagt Grady Cofer, Projektmanager für visuelle Effekte bei ILM. Die Skyline von New York etwa sollte aussehen wie bei "Taxi Driver" und "Harry und Sally", die Puppe aus dem Schwarzweißfilm "King Kong und die weiße Frau" aus dem Jahr 1933 war das Vorbild für den Riesenaffen in "Ready Player One".

"Zunächst war es ein bisschen entmutigend, als wir alle die Orte und Fahrzeuge gesehen haben, die wir bauen sollten", sagt Cofer. Aber dann seien die 3D-Künstler auf ihn zugekommen und hätten ihn gebeten, ihre Jugendidole, wie etwa den Eisenmann aus "Der Gigant aus dem All", konstruieren zu dürfen. Ein herkömmliches Auto am Computer zu modellieren, sei keine große Sache. "Aber wenn man einen 3D-Künstler fragt, ob er den DeLorean aus 'Zurück in die Zukunft' erstellen darf, dann flippt er aus."

Gesichter bleiben schwierig

Um die Zuschauer mit den Effekten zu beeindrucken, habe man sich auf die Erfahrung von Spielberg verlassen. Die Beleuchtung in den 3D-Szenen sei extrem wichtig gewesen, aber auch die Mimik der Charaktere in der Oasis. "Wir haben bewusst darauf verzichtet, die Personen fotorealistisch darzustellen." Lieber wollte man die Figuren so zeigen, wie sie sich selbst in einem Online-Rollenspiel präsentieren würden. Der Filmheld Parzival etwa trägt die Kleidung eines Achtzigerjahre-Helden, eine Anime-Frisur und einen Gürtel wie Han Solo aus "Star Wars".

Bei der Mimik der 3D-Figuren habe Spielberg penibel darauf geachtet, dass alles stimmt. Der Regisseur habe die Gesichtszüge der Computerfiguren nach dem Motion Capturing immer direkt mit den realen Aufnahmen der Schauspieler verglichen. Wenn ein Lächeln nicht richtig animiert wurde, dann mussten die 3D-Künstler nochmal ran. "Das war hart, aber es hat die Arbeit vorangebracht", sagt Cofer. Doch für fotorealistische Spielfilme, die am Computer entstehen, reiche das noch nicht. "Wir sind fast da", sagt Cofer. "Aber technisch müssen wir bei computergenerierten Gesichtern noch einen großen Sprung machen."

Filmszene aus "Star Wars: Die letzten Jedi"
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Filmszene aus "Star Wars: Die letzten Jedi"

"Star Wars: Die letzten Jedi": Die Mischung macht's

ILM-Kreativchef Ben Morris und seine Kollegen setzten bei "Star Wars: Die letzten Jedi" vor allem auf eine ausgewogene Mischung. Kaum eine Szene in dem Film ist vollständig am Computer entstanden. Selbst bei den Weltraumschlachten kommen Modelle zum Einsatz. Rumpf und Cockpit des Tie-Jägers von Kylo Ren etwa hatten Modellbauer in Originalgröße im Studio nachgebaut. Flügel, Geschütze und Lasergeschosse sind später am Computer hinzugefügt worden.

Auch die putzigen Porgs sind häufig Puppen, die später am Rechner noch ein bisschen bearbeitet wurden. Vor allem aber mussten die Puppenspieler, die vor der Kamera in grünen Anzügen Seevögel bewegten, im Effektstudio digital aus den Bildern entfernt werden. Bei einer Präsentation auf der FMX sagte Morris: "Wir haben versucht, so viele reale Spezialeffekte wie möglich mit virtuellen Effekten zu mischen." Das Verhältnis liege ungefähr bei 50 zu 50.

Das galt auch für den Showdown auf dem Planeten Crait. Für die Filmaufnahmen sind die Effektkünstler nach Bolivien geflogen, um in der Salzwüste Salar de Uyuni das Rohmaterial für den Kampf zu drehen. Der rote Staub, den die Kufen der Ski-Speeder im Film unter der weißen Salzschicht aufwirbeln, ist nur teilweise computeranimiert. Pickup-Trucks waren für die Aufnahmen durch die bolivianische Wüste gerast und hatten rot gefärbte und in Wasser getränkte Papierschnipsel versprüht. Erst später wurden die Autos am Computer durch die Gleiter ersetzt, die man als Zuschauer im Film sieht.

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