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14. März 2015, 12:47 Uhr

Start-ups in Tallinn

Estland, das Silicon Valley Europas?

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Wussten Sie eigentlich, dass Skype aus Estland kommt? Das kleine Land ist die Heimat zahlreicher Start-ups. Die Bedingungen sind so gut, dass auch Gründer aus Russland nach Tallinn gehen.

In Estland ist ständig Ideenwettbewerb: Fast jedes zweites Wochenende treffen sich IT-Experten, Designer und Entwickler bei sogenannten Hackathons, um ihre Konzepte zusammenzubringen oder weiterzuentwickeln. Die meisten Teilnehmer kommen aus Estland, andere sind aus Riga, Kiew oder aus Vilnius angereist.

Innerhalb von 48 Stunden werden neue Ideen gepitcht und internationalen Investoren vorgestellt. Wer in der Start-up-Szene Estlands mitspielen will, darf solche Events nicht verpassen.

Erik Anderson ist 26 Jahre alt und weiß, wie das Geschäft läuft. "Estland ist klein. Hier kennt jeder jeden", sagt er. "Und wenn man erst mal niemanden kennt, muss man sich auch keine Sorgen machen. Wer einmal den Fuß in die Start-up-Szene gesetzt hat, gehört gleich zur Familie."

Anderson kommt aus Kalifornien, hat ein Start-up in London gegründet und hilft jetzt mit seinem Team von WiseGuys der nächsten Gründergeneration. Die WiseGuys-Leute organisieren die regelmäßigen Hackathons, sie geben Workshops, sie stellen den Kontakt zu den Investoren her. Schon 50 Start-ups wurden so bei der Gründung unterstützt.

Was Estland für Gründer attraktiv macht

Estland bietet gute Voraussetzungen für Start-ups, denn das Land lockt mit einer überzeugenden digitalen Infrastruktur. Der Internetanschluss gehört zum Grundrecht, es gibt flächendeckend offene WLAN-Zugänge. Wer hier ein Start-up gründen will, braucht nur wenige Mausklicks. Durch die "E-Residency" ist fast alles online regelbar.

Die elektronische Identität kann jeder bei einem längeren Aufenthalt in Estland erwerben, egal ob EU-oder Nicht-EU-Bürger. Formulare werden digital unterschrieben, rund 95 Prozent der Esten nutzen elektronische Services.

"Estland hat in den vergangenen fünf Jahren alles dafür getan, um es Unternehmen so einfach wie möglich zu machen", sagt Marlon Dumas, ein Professor für Computer Engineering von der Universität in Tartu, Estlands Hochschulstandort. "Die digitale Struktur, die Größe des Landes und die einfache Steuerregelung nehmen den Gründern die Angst. Mit diesen Voraussetzungen wird es Tallinn unter die Top 5 der Start-up-Zentren in Europa schaffen."

Skypes Erfolg als Ansporn

Viele der neuen Gründer träumen von einer Erfolgsgeschichte wie der des Messengers Skype, dem wohl bekanntesten Digitalprodukt aus Estland.

Momentan am besten läuft es beim Unternehmen Transferwise. Die Gründer haben einen Peer-to-Peer-Geldtransfer erfunden, dank dem weltweite Überweisungen günstiger als bei Banken sind. Die Idee hat sich bewährt. Seit dem Start 2011 wurden schon rund drei Millionen britische Pfund über die Plattform überwiesen.

Kristo Käarman und Taavet Hinrikus haben ihre Idee auf dem estnischen Markt getestet und sind dann weiter nach Großbritannien gezogen. 2013 wurden sie als erfolgreichstes Start-up in Europa ausgezeichnet.

Taavet Hinrikus hat vorher bei Skype als Strategiedirektor gearbeitet. Auch andere erfolgreiche Start-ups in Estland haben eine Verbindung zum Kommunikationsdienst, etwa das Startup Taxify, das eine Alternative zur Taxi-App Uber bietet.

Hashtag #estonianmafia

Estlands Start-up-Szene ist auch in den sozialen Netzwerken präsent, Gründer wie Unterstützer twittern unter dem Hashtag #estonianmafia. Nach Erfolgsmeldungen über estnische Unternehmen entsteht online oft die Diskussion, ob Estland als Land mit 1,3 Millionen Einwohnern als Silicon Valley von Europa bezeichnet werden kann.

Manche Gründer wie Ülane Vilumets von Like a Local, finden das übertrieben: "Der Vergleich ist für mich zu überspitzt. Estland oder besser gesagt der europäische Start-up-Markt ist viel zu konservativ. Hier läuft alles langsamer ab und hier gelten andere Regeln als in Amerika." Estland habe trotzdem eine besondere Rolle, findet Vilumets. Besonders das starke Netzwerk der Start-up-Szene sei ein Vorteil.

Die schnellen Erfolge estnischer Unternehmen locken mittlerweile auch Gründungswillige aus dem Ausland nach Tallinn. Immer mehr junge Menschen aus der Ukraine und aus Russland wollen die Hauptstadt und ihre Bedingungen als Sprungbrett für Berlin oder London nutzen.

"Estlands Markt hat sich für Ausländer generell immer weiter geöffnet", sagt Marlon Dumas, der die Start-up-Szene schon seit Längerem beobachtet. Zur gleichen Zeit habe sich der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine immer mehr verschärft, mit der Folge, dass junge Talente ihre Ideen lieber im Ausland umsetzen wollen. Und um seine Ideen zu präsentieren, gibt es ja genug Hackathons.

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