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28. März 2012, 16:46 Uhr

Internetkriminalität

EU plant Cybercrime-Abwehrzentrum

Darauf haben Ermittler lange gewartet: Die EU kündigte am Mittwoch die Bildung eines gemeinsamen Einsatzzentrums gegen Online-Kriminalität an. Die neue Behörde soll Kompetenzen und Informationen gegen organisiertes Verbrechen bündeln, aber beispielsweise Filsharing-Nutzer in Ruhe lassen.

Brüssel - Die EU-Kommission sieht ihre Mitgliedstaaten und deren Bürger immer größeren Bedrohungen durch Internetkriminelle ausgesetzt. Die Täter spähen Kontodaten aus, legen Internetseiten oder Behördennetze lahm. Staatsgrenzen sind für sie kein Hindernis. Deswegen will die EU Hacker und Online-Kriminelle künftig auch von einem gemeinsamen Einsatzzentrum aus bekämpfen. Ermittler von EU-Kommission, Mitgliedstaaten und der Polizeibehörde Europol sollen dort zusammenarbeiten, sagte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström am Mittwoch in Brüssel.

Im Januar 2013 soll die neue Einheit mit zunächst 30 Mitarbeitern ihren Dienst aufnehmen und bei Europol mit Sitz im niederländischen Den Haag angegliedert werden. Die Führungsebene der europäischen Polizeibehörde muss dem Vorschlag noch zustimmen. Rund 3,6 Millionen Euro soll die neue Abteilung jährlich kosten. Dort sollen einmal 55 Fahnder arbeiten.

Der deutsche IT-Sicherheitsexperte Arne Schönbohm sieht in dem Zentrum "einen Schritt in die richtige Richtung". Weil schon mehrere Abteilungen und Organisationen innerhalb der EU mit dem Thema beschäftigt seien, gebe es einen erhöhten Koordinationsbedarf.

Ein Satz Kontodaten für einen Euro

Auch Europol ermittelt bereits gegen Hightech-Kriminalität. Wegen ihrer derzeit begrenzten Ausstattung war die Behörde laut Malmström aber nicht in der Lage, Informationen aus verschiedenen Quellen zu bündeln. Auch Anfragen von Polizei und Staatsanwaltschaften aus den EU-Staaten blieben unbeantwortet. Das soll mit dem neuen Zentrum besser werden.

Das scheint auch dringend notwendig, denn das Ausmaß der Kriminalität im Netz nimmt laut Schönbohm stark zu. "Mit Cyberkriminalität wird seit 2009 weltweit mehr Geld verdient als mit Drogen", sagte er. Laut Malmström richten Internetkriminelle pro Jahr bis zu 388 Milliarden US-Dollar Schaden an (290 Milliarden Euro) - und machten selbst ein gutes Geschäft mit gestohlenen Informationen. Kontodaten würden schon für einen Euro verkauft, eine komplett gefälschte Kreditkarte koste rund 140 Euro.

Eine Million Menschen werden der EU-Kommissarin zufolge täglich Opfer von Internetkriminalität. Allerdings setzte Malmström die Messlatte sehr niedrig an: Auch Spam-Mails und elektronische Post von Betrügern, die nach Kontodaten fragen, zählten in ihrer Statistik mit. Allein bis zu 600.000 Facebook-Profile würden nach Hacker-Angriffen weltweit Tag für Tag gesperrt.

Den privaten Austausch von Daten sowie Musik und Filmen nehmen die EU-Ermittler nicht ins Visier. Ihre Arbeit richte sich nur gegen organisierte Kriminalität, kündigte Malmström an. Dazu gehöre der Datendiebstahl etwa beim Online-Banking ebenso wie Kinderpornografie im Internet.

mak/dpa

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