Keith Alexander Ex-NSA-Chef will Millionen verdienen - mit Patenten gegen Cyberangriffe

Keith Alexander macht seine Erfahrung zu Geld: Der Ex-Chef der NSA hat eine Firma gegründet, die ausgerechnet Angriffe aus dem Netz abwehren soll - gegen üppiges Honorar.

Ex-NSA-Chef Keith Alexander (2013): Honorare bis zu einer Million Dollar pro Monat?
AP

Ex-NSA-Chef Keith Alexander (2013): Honorare bis zu einer Million Dollar pro Monat?


Erfahrung im Ausspähen und Knacken fremder Rechner hat Keith Alexander zur Genüge. Die NSA-Enthüllungen Edward Snowdens haben den damaligen Chef des US-Militärgeheimdiensts außerdem berühmt gemacht - wohl noch kein anderer Geheimdienstchef war in so kurzer Zeit so häufig in den Medien präsent wie Alexander. Mit seiner ganz eigenen Mischung aus Leutseligkeit, Dreistigkeit und Hartleibigkeit wurde er zum Gesicht der NSA in der Affäre - und vermittelte gleichzeitig stets das Gefühl, er wisse noch viel mehr über die dunklen Geheimnisse des Netzes, als er je verraten könne.

Nun will Alexander diesen Ruf vergolden. Zu diesem Zweck hat er kurz nach dem Ende seiner Dienstzeit ein Unternehmen namens IronNet Cybersecurity gegründet. Die Firma berät Konzerne und Banken zu fürstlichen Honoraren in Sachen Schutz vor Hackern und Cyberangriffen. Informationen von Bloomberg zufolge forderte IronNet von Kunden vor allem im Finanzsektor Monatssätze von bis zu einer Million Dollar. "Ein günstiger Preis für jemanden, der wohl mehr als jeder andere getan hat, um die Cybersicherheit in den USA zu unterminieren", ätzt das Fachmagazin "re/code".

Am Montag erklärte Alexander laut "Foreign Policy", sein Unternehmen verfüge über eine einzigartige Methode zur Erkennung von bösartigen Hackern und Cyber-Angreifern. Er werde in dieser Angelegenheit demnächst mindestens neun Patentanträge einreichen. Diese würden ein System zur Erkennung sogenannter fortgeschrittener, andauernder Bedrohungen (Advanced Persistent Threats, kurz APT) beschreiben. Damit sind Fälle gemeint, in denen sich Angreifer dauerhaft und unbemerkt Zugriff auf Rechnernetze verschaffen, um an vertrauliche Informationen zu gelangen oder die Netzwerke selbst zu beschädigen.

Ohne Geheimwissen "buchstäblich nichts zu bieten"?

Entsprechend vorgehende Hacker würden ständig Unternehmensgeheimnisse amerikanischer Firmen stehlen und sie an Wettbewerber weiterleiten, nicht selten in China. Die Einzigartigkeit des IronNet-Ansatzes liege in verhaltensbezogenen Modellen, mit denen der jeweils nächste Schritt eines Angreifers vorhergesehen werden könne.

Die detaillierten Kenntnisse, die Alexander aufgrund seiner Einblicke in NSA-Geheimoperationen gewonnen habe, so "Foreign Policy", würden ihm da sicher einen außergewöhnlichen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Seine Erfahrungen, die sich auch auf den juristischen Bereich erstreckten, machten einen Erfolg seiner Patentanträge wahrscheinlich. Er müsse nur überzeugend darlegen, dass sich sein Konzept von dem anderer, bereits patentierter Technologien genügend unterscheide. Alexander selbst erklärte "Foreign Policy" zufolge, er habe in Gesprächen mit Anwälten der NSA und seinen eigenen Juristen sichergestellt, dass sein Vorgehen nicht im Widerspruch zu den Regeln für ehemalige Staatsdiener stehe.

Der US-Abgeordnete Alan Grayson wies in einem Brief an einen der neuen Kunden von Alexanders Firma, den Finanz-Branchenverband SIFMA, schon vor Wochen auf die Möglichkeit hin, dass der Ex-General "ihnen ohne die geheimen Informationen, die er in seiner vormaligen Position erworben hat, buchstäblich nichts zu bieten hat". Auch "The Verge" findet Alexanders Vorgehen problematisch, immerhin profitiere er direkt von seiner steuerfinanzierten Erfahrung.

Wenn der Ex-Spionagechef gründlich arbeitet, müssten auf seiner Liste potenziell gefährlicher Cybergauner auch seine früheren Arbeitgeber stehen. Schließlich hat sogar Microsoft erst im vergangenen Dezember regierungsamtliche Schnüffeleien der eigenen Regierung als Advanced Persistent Threat eingestuft.

"NSA wird die Cloud-Branche Milliarden Dollar kosten"

Alexander selbst wird am Ende vermutlich kräftig von der Verunsicherung profitieren, die in vielen Branchen hinsichtlich der Bedrohung aus dem Netz herrscht. Der Rest der US-IT-Branche dagegen leidet unter den Aktivitäten der NSA. Eine eben erschienene Studie der überwachungskritischen US-Organisation New America Foundation kommt zu dem Schluss, dass die Praktiken des Geheimdiensts "für US-Unternehmen direkte Kosten verursachen", etwa, weil ausländische Kunden sich von ihnen abwenden. Das werde gerade die Cloud-Branche "in den kommenden Jahren Milliarden Dollar kosten".

In dem Bericht zur Studie heißt es auch: "Die NSA hat der Internetsicherheit ernsten Schaden zugefügt", etwa weil sie Verschlüsselungsstandards schwäche, Hard- und Software mit Hintertüren ausstatte, heimlich Informationen über Sicherheitslücken sammele und mit "aggressiven Hacking-Operationen die Internetsicherheit unterminiert".

meu/cis



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Immanuel_Goldstein 30.07.2014
1.
Zitat von sysopAPKeith Alexander macht seine Erfahrung zu Geld: Der Ex-Chef der NSA hat eine Firma gegründet, die ausgerechnet Angriffe aus dem Netz abwehren soll - gegen üppiges Honorar. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/ex-nsa-chef-keith-alexander-meldet-patente-zur-hacker-bekaempfung-an-a-983598.html
Wer bei dieser Firma kauft, muss von allen guten Geistern verlassen sein. Es dürfte doch wohl eindeutig klar sein, dass diese amerikanische Firma voll den Entscheidungen der Geheimgerichte unterworfen ist.
klyton68 30.07.2014
2. o tempora o mores
Zitat von sysopAPKeith Alexander macht seine Erfahrung zu Geld: Der Ex-Chef der NSA hat eine Firma gegründet, die ausgerechnet Angriffe aus dem Netz abwehren soll - gegen üppiges Honorar. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/ex-nsa-chef-keith-alexander-meldet-patente-zur-hacker-bekaempfung-an-a-983598.html
was für eine Welt. Jetzt macht sich der Bock schon selbst zum Gärtner
fred_m 30.07.2014
3. Ein sehr dehnbares Gewissen
Der Vorgang zeigt mal wieder ganz deutlich: Geheimdienstler haben ein sehr dehnbares Gewissen. Bei Leuten wie Keith Alexander darf man sich übrigens fragen, ob sie überhaupt ein Gewissen haben.
behr22 30.07.2014
4.
Snowden hat die Informationen dem Volk zurückgegeben, Alexander verkauft sie an den Meistbietenden
Nachnahme 30.07.2014
5. Unsere Internetspezies
Guttenberg und Keith Alexander. - Landesverteidigung - Center for Strategic and International Studies (CSIS) - Internet Der Eine macht in Bitcoins und der andere in Security :-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.