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YouPorn-Firma Manwin: Porno-König Thylmann verkauft sein Reich

Gegen ihn wird wegen Steuerhinterziehung ermittelt und wegen Unterlaufen des Jugendschutzes. Nun steigt Fabian Thylmann, Porno-Unternehmer, aus. Er verkauft einem internen Schreiben zufolge seine Anteile am Manwin-Reich an das Management - angeblich für mindestens 100 Millionen Dollar.

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YouPorn: Die Website gehört zum Sex-Imperium des Deutschen Fabian Thylmann

"Schweren Herzens", schreibt Thylmann in der internen E-Mail, habe er entschieden, "Manwin an Manwins Spitzenmanagement zu verkaufen". Das Schreiben veröffentlichten sowohl das Branchenportal XBiz als auch der Branchenblogger Mike South. Er hoffe, dem eigenen Management und der Belegschaft "die richtigen Werte beigebracht", um das Unternehmen bestmöglich weiterzuführen. Die Entscheidung sei "für meine Frau und für mich eine der schwersten unseres Lebens" gewesen.

Manwin gilt als größtes Online-Porno-Unternehmen der Welt. Zu dem Konzern gehören Seiten wie YouPorn, PornHub und RedTube sowie das Pornostudio Digital Playground. Manwin betreibt zudem das Online-Angebot des Playboy, Playboy Plus. Betrieben werden all die Websites von einem verschachtelten Firmengeflecht.

Thylmann selbst war lange Zeit kaum in Erscheinung getreten. Anfang Dezember 2012 wurde er dann auf seinem Anwesen in einem Brüsseler Vorort verhaftet. Der Vorwurf: Steuerhinterziehung. Insgesamt rund hundert Beamte durchsuchten sein Haus und Büros in Hamburg, belgische und deutsche Ermittler arbeiteten zusammen. Er saß zuerst in einem belgischen, dann vorübergehend in einem deutschen Gefängnis. Gegen Zahlung einer angeblich zweistelligen Millionensumme an Kaution kam er frei. Zu dieser Zeit beschäftigte die Manwin-Gruppe ungefähr tausend Mitarbeiter. Sie machte laut Thylmann mit ihren pornografischen Angeboten einen mittleren dreistelligen Millionenumsatz im Jahr und erzielte 30 Prozent Marge vor Steuern und Abschreibungen.

Branchenblogger Mike South hatte schon im August berichtet, das Manwin-Management, das überwiegend vom kanadischen Montreal aus arbeitet, betrachte Thylmann mittlerweile als "Belastung" und wolle ihn loswerden. Blogger Mike South berichtet nun unter Berufung auf "mehrere" ungenannte Quellen, Thylmann habe von seinen Managern 100 Millionen Dollar und eine "Note" über weitere 200 Millionen erhalten.

Einem Bericht der "Welt" aus dem Januar 2013 zufolge wird gegen Thylmann mittlerweile auch aus einem weiteren Grund ermittelt: wegen Verbreitung von Pornografie an Minderjährige. Sites wie YouPorn oder PornHub sehen kein aufwendiges Altersverifikationsverfahren vor, wie es der deutsche Jugendschutz vorschreibt. Besucher müssen lediglich mit einem Klick kundtun, dass sie über 18 Jahre alt sind. Außerdem betreibt das Unternehmen zwei Seiten mit dem Namen MyDirtyHobby. Die Seite mit der .de-Domain sieht der "Welt" zufolge eine Altersverifikation vor, die Seite mit der Endung .com dagegen nicht - obwohl die Inhalte die gleichen seien.

cis

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Daten und Fakten zur Steuerhinterziehung
Wie viel Steuern hinterziehen die Deutschen?
Steuerhinterziehung ist laut Deutscher Steuergewerkschaft zum Volkssport geworden. Auf 30 Milliarden Euro schätzt die Organisation das Volumen der jährlichen Steuerhinterziehung in Deutschland.
Was ist Steuerhinterziehung?
Steuern hinterzieht, wer gegenüber den Finanzbehörden keine, falsche oder unvollständige Angaben macht und dadurch Steuern verkürzt oder Steuervorteile erlangt. Daneben beschreibt das Gesetz besonders schwere Fälle der Steuerhinterziehung, für die ein besonders hoher Strafrahmen zur Verfügung steht. Das ist etwa der Fall, wenn jemand eine Stellung als Amtsträger ausnutzt oder als Mitglied einer Bande Umsatzsteuern hinterzieht.
Wann macht man sich strafbar?
Ein Bürger macht sich strafbar, wenn er selbst Steuern hinterzieht oder sich an der Tathandlung eines anderen beteiligt. In diesem Fall spricht man von Mittäterschaft, Anstiftung oder Beihilfe. Auch der Versuch einer Hinterziehung ist strafbar.
Müssen Steuersünder ins Gefängnis?
Steuerhinterzieher müssen nicht zwangsläufig ins Gefängnis. Gesetzlich wird Steuerhinterziehung mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bedroht. In besonders schweren Fällen kann die Freiheitsstrafe bis zu zehn Jahre betragen. Welche Strafe im Einzelfall ausgesprochen wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, maßgeblich jedoch von der Höhe des hinterzogenen Betrages. Aber auch Beweggründe und Ziele des Täters, sein Vorleben oder das Verhalten nach der Tat kommen in Bertacht - etwa ein Bemühen, den Schaden wiedergutzumachen.
Wie vermeidet man eine Bestrafung?
Wer unrichtige oder unvollständige Angaben beim Finanzamt berichtigt oder ergänzt oder unterlassene Angaben nachholt, bleibt insoweit straffrei. Man spricht in diesem Rahmen von einer "Selbstanzeige". Dabei gilt aber, dass eine Selbstanzeige dann wirkungslos ist, wenn sie in einer Phase erstattet wird, in der sich das Entdeckungsrisiko bereits konkretisiert hat, also beispielsweise, wenn dem Steuerpflichtigen die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens bereits bekanntgegeben wurde oder die Betriebsprüfung oder Steuerfahndung bei ihm erscheint.
Wie funktioniert eine Selbstanzeige?
Eine bestimmte Form der Selbstanzeige ist nicht vorgeschrieben. Es empfiehlt sich, den Rat eines Experten, zum Beispiel eines Steuerberaters, hinzuzuziehen, da viele Details zu beachten sind.
Verjährt das Delikt?
Die Verjährungsfrist beträgt grundsätzlich nach den allgemeinen strafrechtlichen Vorschriften fünf Jahre. In einem besonders schweren Fall von Steuerhinterziehung sind es zehn Jahre. Die strafrechtliche Verjährungsfrist beginnt, wenn die Tat beendet ist. Davon unabhängig ist die steuerliche Verjährungsfrist. Diese beträgt zehn Jahre. Das heißt, dass die Finanzbehörden hinterzogene Steuern auch noch nach zehn Jahren einfordern können.


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