Neue Nutzungsbedingungen Was sich heute bei Facebook ändert

Wer sich ab diesem Freitag bei Facebook anmeldet, akzeptiert automatisch die neuen Nutzungsbedingungen. Angesichts heftiger Kritik hatte das Netzwerk deren Einführung um einen Monat verschoben. Wir sagen, was die Nutzer jetzt wissen müssen.

REUTERS

Facebooks neue Geschäftsbedingungen sind in Kraft getreten. Die Nutzer müssen sich seit diesem Freitag damit abfinden, mehr Daten preiszugeben - oder das Netzwerk verlassen. Eine kurze Einschätzung von Netzwelt-Redakteur Christian Stöcker finden Sie in unserem Video.

Noch am Mittwoch hatte der Rechtsausschuss des Bundestags über die Geschäftsbedingungen debattiert. Facebook hatte die Einführung nach Protesten von Verbraucherschützern und Politikern vom 1. Januar auf den 30. Januar verschoben. Von Facebook selbst hieß es, man wolle den Nutzern "mehr Zeit geben, die Änderungen zu prüfen".

Praktisch wird sich wohl kaum ein Facebook-Nutzer alle Änderungen durchgelesen haben: Die neue Datenrichtlinie ist etwa 21.000 Zeichen lang, die neuen Cookie-Richtlinien umfassen 22.000 Zeichen. Die neuen Allgemeinen Geschäftsbedingungen sind mit 28.000 Zeichen noch ein wenig länger.

Als übersichtlichste Informationsquelle sind die interaktiven Grundlagen zum Datenschutz zu empfehlen. Das Wichtigste daraus lässt sich unter fünf Stichworten zusammenfassen:

  • Sichtbarkeit: Facebook will es Nutzern leichter machen, zu entscheiden, wer ihre Inhalte sieht. Viele Einstellungen zum Datenschutz müssen die Nutzer aber in der Regel selbst mit ein paar Klicks aktivieren. Dabei ist es wichtig zu beachten, dass auch Daten, die für andere Nutzer unsichtbar sind, noch immer von Facebook gesehen werden könnten.

  • Standortdaten: Künftig kann Facebook anhand der Standortdaten gezielte Werbeanzeigen schalten - zum Beispiel von Restaurants in der Nähe. Facebook kann auch gezielt Neuigkeiten von Freunden aus der Umgebung anzeigen. Wer das nicht möchte, sollte wenn möglich der Facebook-App auf seinem Smartphone den Zugriff auf das GPS-Modul verbieten - und die GPS-Verbindung nur anschalten, wenn er sie wirklich braucht.

  • Kaufen-Button: Das Netzwerk will diese neue Schaltfläche zunächst nur in einigen Regionen testen. Mit dem Kaufen-Button können Kunden direkt über das Facebook-Konto Waren bestellen. Damit kann das Unternehmen neben Nutzungsdaten auch an Einkaufsgewohnheiten und Zahlungsdaten der Kunden kommen. Durch Zusammenführung dieser Daten könnten umfassende Personenprofile erstellt werden.

  • Werbung: Facebook darf nun auch auswerten, welche anderen Websites die Nutzer im Netz besucht haben und welche Apps sie verwenden. So will das Unternehmen Werbung noch genauer auf den Einzelnen zuschneiden. Wer dann etwa online ein Paar Sportschuhe kauft, könnte beispielsweise Anzeigen für Sportkurse oder andere Trainingskleidung sehen. Bislang wurden die Inhalte der Werbeanzeigen nur aus "Gefällt mir"-Angaben und anderen Aktivitäten im Netzwerk generiert. Die Nutzer können sogar freiwillig dabei helfen, die Werbung zu optimieren, indem sie selbst die Relevanz der Anzeigen bewerten.

  • Interessenprofil: Nutzer können nun mit einem Klick auf die rechte obere Ecke der Werbeanzeigen herausfinden, warum sie genau diese Werbeanzeige sehen. Facebook gewährt ihnen also einen Einblick in ihre auf gesammelten Daten basierende Anzeigenpräferenz.

Jan Philipp Albrecht, Verhandlungsführer des Europäischen Parlaments für die Datenschutzverordnung, kritisiert die Änderungen scharf. Er sieht die Politik in der Pflicht. "Die Aufsichtsbehörden müssen Facebook nun zügig auffordern, eine datenschutzrechtlich akzeptable Regelung zu finden", so der Abgeordnete. "Die Innen- und Justizminister der EU müssen bei ihrem Treffen in Riga einen großen Schritt hin zu einer einheitlichen EU-Datenschutzverordnung machen, damit diese noch in diesem Jahr verabschiedet wird."

Und was können Nutzer tun, denen die Änderungen missfallen?

Die einzige Möglichkeit, den neuen Regeln zu entgehen, ist eine Löschung des Accounts, wofür Facebook diesen Link bereit gestellt hat. Wer auf das soziale Netzwerk nicht verzichten will, sollte seine Privatsphäre-Einstellungen genau durchforsten und regelmäßig überprüfen.

Wer Facebook das Datensammeln etwas schwerer machen möchte, kann seinen Browser in den Einstellungen anweisen, nach jeder Sitzung alle Cookies zu löschen.

Kritische Nutzer können zudem auf der Website der Allianz digitaler Werber in Europa (EDAA) einzelnen Unternehmen die Erhebung der eigenen Nutzungsdaten für personalisierte Werbung gezielt untersagen.

mei/dpa



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insgesamt 114 Beiträge
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Seite 1
uncoolerspießer 30.01.2015
1. Und tschüss.
Habe den Verein gestern verlassen - und immer noch Feunde....
soron 30.01.2015
2. Wie steht es mit Dritten ?
Ich benutze Facebook und Google+ ohnehin nicht, und das ist gut so. Aktionen wie diese AGB-Änderung bringen mir auch wieder in Erinnerung, wieso nicht. Was mich aber nun interessieren würde ist, inwiefern Dritte von diesen Änderungen betroffen sind. Facebook will stärker auswerten. Wie sieht das aus, wenn man auf einer anderen Webseite (nicht Facebook) unterwegs ist, auf der sich Facebook-Plugins verstecken ? Ich habe Dunkel in Erinnerung, dass es da schon einmal etwas gab, dass Facebook über diese Plugins Nutzer verfolgt, obwohl sie nicht bei Facebook angeldet sind und daher auch keine AGBs akzeptiert haben. Sehen wir hier eine Neuauflage davon ?
tomroo 30.01.2015
3. beste Lösung
Statt Facebook zu löschen: einfach zwei Browser benutzen. im zweiten nur Facebook nutzen. so ist die Webseite isoliert vom übrigen Surfverhalten.
photograph73 30.01.2015
4. Und Tschüß.....
Ich habe meinen Account endgültig gelöscht. Irgendwann reicht es halt... Schade eigentlich, aber wenn die Nachteile überwiegen, muss man halt Konsequenzen ziehen.
eta1 30.01.2015
5. Löschen
Ich habe meinen Facebook Account bereits vergangenes Jahr gelöscht. Ist das Beste, was man machen kann, ich vermisse den Mist kein bisschen.
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