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Medienpartnerschaften: Facebook will komplette Nachrichtenartikel veröffentlichen

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DPA

Logo von Facebook: Medieninhalte sollen direkt im Netzwerk erscheinen

Facebook bietet bekannten Medien wie der "New York Times" und "Buzzfeed" eine Kooperation an: Statt Links könnten so bald komplette Artikel im sozialen Netzwerk auftauchen.

Facebook soll mindestens sechs Medienunternehmen angeboten haben, Inhalte direkt auf seiner Plattform zu veröffentlichen - also nicht, wie bislang, nur in Form einer Verlinkung auf die jeweilige Website. Das berichtet die "New York Times" unter Berufung auf Insider, die wegen Vertraulichkeitsvereinbarungen anonym bleiben wollen.

Dafür, dass der "New York Times"-Artikel mehr ist als Spekulation, spricht der Hinweis, dass die Zeitung wohl selbst zu den Medien gehört, die in den kommenden Monaten eine solche Zusammenarbeit anstreben. Laut den "Times"-Autoren wird außerdem mit "Buzzfeed" und "National Geographic" als Startpartnern gerechnet. Verhandlungen mit dem "Guardian", "Quartz" und der "Huffington Post" sollen bislang zu keinem Ergebnis gekommen sein.

Facebook begründet seinen Vorstoß unter anderem damit, dass es vielen Nutzern auf Mobilgeräten zu lang dauert, per Browser Links aufzurufen, die auf die Medienwebsites führen. Die Wartezeit werde deutlich kürzer, wenn die Artikel direkt bei Facebook lägen.

Gleichzeitig hat das Netzwerk ein Interesse daran, die Nutzer möglichst lang in seinem Angebot zu halten - jeder Link nach außen ist schließlich ein potenzieller Ausstiegspunkt. Und je aktiver die Nutzer bei Facebook sind, umso mehr Daten fallen an, die das Unternehmen zur Anzeigenvermarktung nutzen kann.

Facebook bietet eine riesige Reichweite

Von kleineren Dingen wie Infografiken abgesehen, sind die meisten Medienhäuser bislang zurückhaltend mit Inhalten, die direkt bei Facebook liegen. Sie wollen lieber, dass die Nutzer ihre Websites besuchen und so Anzeigenumsätze generieren. Außerdem haben die Verlage so die Chance, selbst Nutzerdaten zu sammeln.

Die Verlage sind sich aber auch bewusst, wie attraktiv Facebook als Vermittler für sie ist. Mit 1,4 Milliarden Nutzern hat das Netzwerk eine Reichweite, die über die jeder Nachrichtenseite hinausgeht.

Facebook will die Medien nun offenbar mit einer Beteiligung an den Einnahmen gewinnen, die neben den Inhalten auftaucht - ein Modell, das an das Finanzierungssystem von YouTube erinnert. Ob und in welchem Umfang Facebook den Verlagen Einblick in die erhobenen Nutzerdaten gewährt, ist bislang nicht bekannt.

"Buzzfeed" will überall sein

Für die "New York Times" wäre die Facebook-Kooperation ein überraschender Schritt, schließlich gilt die Zeitung als Vorreiter im Bereich Digital-Abos. "Buzzfeed"-Gründer Jonah Peretti erklärte dagegen erst kürzlich wieder, dass sein Angebot überall sein soll, mit passenden Inhalten. "Buzzfeed"-Inhalte sollen seiner Ansicht nach nicht nur auf der eigenen Website und in der App zu sehen sein, sondern direkt im "Stream" der Nutzer. Eine stärkere Partnerschaft mit Facebook wäre da nur naheliegend.

Gegenüber den "New York Times"-Autoren hat sich zunächst keiner der sechs Inhalteanbieter zu einer etwaigen Kooperation geäußert. Auch Facebook gab nur eine allgemeine Stellungnahme zum Thema ab.

mbö

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insgesamt 3 Beiträge
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1. spannende Sache
urmedanwalt 24.03.2015
AOL macht so was Ähnliches ja schon mit der HuffPost, aber wer wählt bei FB die Artikel dann aus? FB oder die NYT/andere Zeitungen? Werden die dann nach den vorliegenden Daten vorsortiert wie bei der Werbung? Wird länderspezifisch differenziert? Pressefreiheit ist nicht die Freiheit der Presse, für den Leser zu selektieren.
2. Amerikanische / Englische Medien können sich nicht ...
clint east wood 24.03.2015
... vorstellen, dass Menschen dann den Zugang zu Ihren Produkten verlieren - oder auch verweigern - weil sie sich eben kein Facebook-Konto haben WOLLEN. Weil sie nicht wesentliche Teile ihres persönlichen Lebens - und weit mehr als sie selbst kontrollieren können - einem geldgierigen US-Großkonzern und -wie man ja inzwischen weiß- amerikanischen Geheimdiensten auszuliefern. Denn die Analyse-Algorithmen können ja weit mehr bewirken, als nur "zu den Bedürfnissen passende" Klamotten in die Werbebanner zu stellen: Diese Daten können einen finanziell belasten oder gar ruinieren, man bekommt nur noch Wohnungen/HÄuser in den "falschen" Stadtteilen. Oder man wird kriminalisiert, angeklagt, eingesperrt oder erschossen...Nur weil ein Facebook-Analysealgorithmus einen "aussortiert" hat...
3. Warum nicht.
niemalsnicht 24.03.2015
Solange ich mich nicht bei FB einloggen muss oder das Portal besuchen muss, um noch Nachrichten lesen zu können, sollen Sie das machen. Noch mehr Informationsflut in dem Portal, wo viele die relavanten Infos unter all den Likes und Gruppenbeiträgen schon jetzt nicht mehr herausfiltern können.
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