Auf Twitter gehören Schlagworte mit Rautezeichen einfach dazu: Sie sind wie kleine Anker im Schwall von Millionen öffentlicher 140-Zeichen-Nachrichten. Nutzer verwenden die Hashtags, um Nachrichten zu verfolgen (#Papst), sich auszutauschen (#Tatort), Witze zu reißen (#winning) oder Beschwerden loszuwerden (#fail). Die Debatte um alltäglichen Sexismus gewann erst durch tausende Tweets mit dem Schlagwort #Aufschrei an Fahrt. Längst sind sie zum Symbol geworden - für Twitter.
Jetzt denkt offenbar auch das soziale Netzwerk Facebook darüber nach, Hashtags einzuführen. Eine entsprechende Funktion werde gerade getestet, berichtet das amerikanische "Wall Street Journal" mit Berufung auf eingeweihte Personen. Wie bei Twitter sollen Nutzer damit durch einen Klick auf ein mit Raute versehenes Schlagwort weitere Einträge zu diesem Thema angezeigt bekommen. Öffentliche Nachrichten von Facebook-Nutzern könnten so besser durchsucht werden.
Facebook hatte erst vor kurzem seine Suchfunktion überarbeitet. Mark Zuckerberg sagte, er wolle das soziale Netzwerk zur personalisierten Nachrichtenseite seiner Nutzer machen. Da würde es natürlich helfen, wenn Einträge zu einem Thema leicht auffindbar wären. Bisher ist das auf Facebook oft nur eingeschränkt möglich.
Hashtags sind eine Erfindung der Nutzer
Die Hashtags auf Twitter hatten sich einst die ersten Nutzer selbst ausgedacht, der Dienst baute die Funktion dann offiziell ein. Die Hashtags sind inzwischen so fest in der Internetkultur verankert, dass sie auch auf anderen Diensten wie der Fotoapp Instagram oder der Blogplattform Tumblr auftauchen.
Dabei sind die Suchschlagworte nicht nur bei Nutzern beliebt, sondern auch bei Werbekunden. Firmen nutzen die Schlagwörter nämlich gern, um potentielle Kunden auf ihr Produkt aufmerksam zu machen. Beim Meisterschaftsspiel der amerikanischen Football-Liga, dem Superbowl, wurden Hashtags in der Hälfte der sündhaft teuren Werbespots erwähnt. So ermunterte der Autohersteller Volkswagen die Twitterer zu Nachrichten unter dem Schlagwort #gethappy, Audi verwendete #braverywins (Mut siegt).
Das Wall Street Journal meint folglich, dass eine Hashtag-Funktion ein Zeichen für den verstärkten Kampf der Netzwerke um Werbekunden ist. Twitter liege bei Werbeumsätzen zwar deutlich hinter dem Netzwerk-Riesen Facebook, habe aber seine Werbeabteilung ausgebaut. Allerdings ist unklar, wie weit fortgeschritten die Entwicklung von Hashtags bei Facebook ist. Laut dem Bericht steht eine Einführung jedenfalls nicht unmittelbar bevor.
jnb
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
| alles zum Thema Facebook | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH