Facebooks Fauxpas Liebe Leserin, lieber Leser,

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so viel ist an diesem Montag schon abzusehen: Für Facebook wird die Woche unschön. Denn einerseits hat das Unternehmen zwei Jahre gebraucht, um Konsequenzen aus der groß angelegten, irgendwie vielleicht legalen Phishingkampagne von Cambridge Analytica auf seiner Plattform zu ziehen. Das wird noch ein Nachspiel haben, auch für Facebook-CEO Mark Zuckerberg. Andererseits benötigte Facebook nur 15 Minuten, um eine Abbildung des berühmten Gemäldes "Die Freiheit führt das Volk" zu blockieren, weil darauf eine barbusige Freiheitskämpferin zu sehen ist.

Gemälde von Eugène Delacroix
Getty Images/ UIG

Gemälde von Eugène Delacroix

Es ist unklar, ob ein übereifriger menschlicher Kunstbanause bei Facebook dafür verantwortlich war, oder ein gnadenloser nippelsuchender Algorithmus. Jedenfalls hatte der Regisseur Jocelyn Fiorina ein Abbild des 1830 von Eugène Delacroix gemalten Werks auf Facebook hochgeladen, um damit für sein derzeit in Paris aufgeführtes Theaterstück zu werben. Kurz darauf wurde es gesperrt. Die Begründung: Nacktbilder sind unzulässig. Auf der Ironieskala eine glatte Zwölf, zeigt das Gemälde doch die Julirevolution der Pariser, die sich 1830 unter anderem gegen die Einführung der Zensur erhoben.

Facebook hat den Fauxpas später eingesehen und die Entscheidung rückgängig gemacht. Das Werk "La Liberté guidant le peuple" habe auf Facebook durchaus seinen Platz und sei regelkonform, teilte das Unternehmen mit. Und weiter: "Zum Schutz der Integrität unseres Dienstes überprüfen wir jede Woche Millionen von Werbebildern und machen manchmal Fehler."

Regisseur Fiorina hatte da bereits auf seine künstlerische Weise auf die Sperrung reagiert und das Bild ein zweites Mal hochgeladen. Die Brüste der Marianne hatte er zuvor verdeckt, durch eine Binde mit der Aufschrift "Von Facebook zensiert".

Kanzleramt, Abteilung Attacke

Diese Woche werden die neuen Bundesminister durch die Fachausschüsse und -gremien des Bundestags touren und ihre Pläne für die Legislaturperiode vorstellen. Zum Thema IT-Sicherheit hat sich bereits Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) in der Montagsausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" geäußert.

Auf die Frage, wie es in Fällen wie dem jüngsten Angriff auf Rechner des Auswärtigen Amts künftig mit Gegenschlägen aussehe, dem sogenannten "Hackback", antwortete Braun nicht etwa mit einem Bekenntnis zur Defensive. Stattdessen sagte er: "Wir sprechen in der Bundesregierung derzeit über mögliche rechtliche Grundlagen. Dann müsste man sich auch darüber Gedanken machen, wie wir geeignetes Personal im öffentlichen Dienst finden, das dazu technisch in der Lage ist."

Konstantin von Notz, Netzpolitiker und stellvertretender Fraktionsvorsitzer der Grünen, ist nicht amüsiert: "Dass der Kanzleramtschef, der die Digitalpolitik der Großen Koalition gerne koordinieren will, als allererstes mit diesem Thema um die Ecke kommt, lässt für das Digitale in der 19. Wahlperiode Schlimmes befürchten", teilte er mit.

Genau genommen ist Braun damit allerdings nicht "als allererstes um die Ecke" gekommen. Im Gespräch mit der Zeitung ging es zunächst unter anderem um den Breitbandausbau und die zu digitalisierende Verwaltung. Das Thema "Hackback" brachten dann ganz am Ende die fragenden Journalisten auf, nicht der Minister.

Beliebte Bildchen

Emojis sind angesagter als Emoticons. Zu Deutsch: Die vorgefertigten bunten Bildchen auf jeder Smartphone-Tastatur sind beliebter als die alten Piktogramme aus Satzzeichen. Zu diesem am heutigen Montag veröffentlichten Ergebnis ist das Meinungsforschungsinstitut Forsa durch eine repräsentative Umfrage gekommen. Captain Obvious erklärte dazu: ":-("

Seltsame Digitalwelt:

Früher, in der Kreidezeit des Mobilfunks, hat man sich SMS geschickt, um zum Beispiel Verabredungen in letzter Minute auf etwa zwei Stunden später zu verschieben. Nicht immer hat das wie gewünscht funktioniert, vor allem nicht für iPhone-Nutzer. Vor ziemlich genau zehn Jahren gab es diesen seltsamen Fehler in der Firmware des iPhones, der dazu führte, dass SMS in der falschen Reihenfolge angezeigt wurden. Dann wurden Antworten vor die dazugehörigen Fragen sortiert, was im Extremfall dazu führte, dass man sie nicht sah.

Zu meiner Überraschung konnte ich nun feststellen: Das kommt immer noch vor. Man merkt es nur nicht, weil WhatsApp, Telegram, Signal, Threema und die vielen anderen Messenger-Apps die SMS weitgehend abgelöst haben. Bis man sich, so wie ich in den vergangenen Tagen, dann doch mal auf die Uralttechnik verlassen muss. Dann kommen erst Fragen an, ob man die vorherige SMS bekommen hat - und anschließend die vorherige, eigentlich zwei Stunden früher abgeschickte Nachricht.

Liebe Mobilfunkanbieter, liebe Apple-Ingenieure, wessen Schuld ist das eigentlich? Ich frage für ein Raketenalarmsystem.

App der Woche: "Textor"
getestet von Tobias Kirchner

Silver Fox

Mit "Textor" können iPhone-Nutzer minimalistische Notizen und Textdateien anlegen. Es gibt keine Spielereien oder Möglichkeiten, weitere Medien wie Bilder oder Audiodateien einzufügen. Der Text kann auch nicht formatiert oder optisch angepasst werden. "Textor" eignet sich also perfekt dafür, schnell einen Gedanken festzuhalten, vergleichbar mit dem Editor von Windows. Außerdem lassen sich mit der werbefreien App Dateien aus der Cloud importieren und über die Datenfreigabe mit anderen Anwendungen verschicken oder nachbearbeiten.

Gratis von Silver Fox, ohne In-App-Käufe: iOS

Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

Eine von der Freiheit angeführte Woche wünscht Ihnen

Patrick Beuth

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
frenchie3 19.03.2018
1. Tja ja, das passiert
wenn man Kunst und Porno nicht auseinanderhalten kann. Und woher soll das ein Algorithmus wissen? Nicht mal Menschen kennen den Unterschied zwischen einem harmlosen Gedicht auf der Schulwand und Sexismus
herwescher 19.03.2018
2. Nackte Brüste demonstrativ ...
... in den Vordergrund zu stellen ist ein Beweis für eine zutiefst sexistische Einstellung, die Frauen auf ihre primären und sekundären Geschlechtsorgane reduziert ... Haben wir doch in den letzten Jahren erst gelernt ... Das Bild von Jeanne d'Árc würde seine Aussagekraft ja behalten (vielleicht sogar noch mehr verdeutlichen!) wenn sie einen Brustpanzer trüge ...
alfredo24 19.03.2018
3. Ich weiß, Internet ist noch neu in Deutschland, laut Merkel.
Da finde ich nichts Verwerfliches daran, wenn facebook das Bild mit den berühmten Brüsten sperrt. Wieso sollen nur berühmte Brüste angezeigt werden dürfen? Entweder Brüste grundsätzlich oder grundsätzlich nicht. Sorry, unsere Politiker, die wir gewählt haben, haben doch die Gesetze gemacht. Was wird denn erwartet? So beispielsweise facebook Mrd. Einträge täglich sich mit Mio. Personen manuell ansieht?
le.toubib 19.03.2018
4. Ähm, ja ...
Zitat von herwescher... in den Vordergrund zu stellen ist ein Beweis für eine zutiefst sexistische Einstellung, die Frauen auf ihre primären und sekundären Geschlechtsorgane reduziert ... Haben wir doch in den letzten Jahren erst gelernt ... Das Bild von Jeanne d'Árc würde seine Aussagekraft ja behalten (vielleicht sogar noch mehr verdeutlichen!) wenn sie einen Brustpanzer trüge ...
Die leichtbekleidete, junge Dame soll nur gar nicht Jeanne d'Arc darstellen, sondern die fiktive Figur der *La Liberté*! Steht auch im Artikel ...
cedebe 20.03.2018
5. eigene Nase
die Artikelüberschrift ist aber auch kein Beitrag zur Kursänderung in den Debatten der Freizügigkeit und der Emanzipation. Es sind nicht die Brüste der Kämpferin berühmt, sondern die Kämpferin als Symbol der Freiheit und der Gleichheit. Darum war die Zensur ja auch bemerkenswert.
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