Tests in sechs Ländern Facebook beendet sein Newsfeed-Experiment

Beiträge von Freunden in einem Feed, jene von Medien und Firmen in einem anderen: Facebook testete, wie diese Aufteilung ankommt. Aus dem Ergebnis des Experiments zieht das Netzwerk nun Konsequenzen.

Facebook-Logo in Berlin
AFP

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Facebooks Experiment, den Newsfeed des Netzwerks in zwei Nachrichtenströme zu unterteilen, kam bei den betroffenen Nutzern offenbar schlecht an. Ein entsprechenderTest in sechs Ländern sei beendet worden, teilte Facebook am Donnerstagabend mit. "Die Menschen sagten uns, dass sie unzufriedener mit den gezeigten Posts sind und dass zwei separate Feeds ihnen nicht wirklich dabei helfen, sich stärker mit Freunden und Familienangehörigen zu vernetzen", schreibt der für den Newsfeed zuständige Manager Adam Mosseri.

Mosseri berichtet in seinem Blogpost zum Thema auch von Feedback, laut dem es Facebook Nutzern schwerer gemacht hätte, wichtige Informationen zu bekommen. Zudem sah sich das Netzwerk der Kritik ausgesetzt, die Nutzer unzureichend über den Test informiert zu haben. Diese Vorwürfe wolle sich Facebook mit Blick auf künftige Experimente zu Herzen nehmen, schreibt Mosseri.

Facebooks Newsfeed-Experiment fand seit Oktober in Bolivien, Kambodscha, Guatemala, Serbien, der Slowakei und Sri Lanka statt. Während der Testphase liefen in einem Feed vor allem Fotos und Nachrichten von Freunden ein, während der zweite, separate Feed - der sogenannte "Explore Feed" - beispielsweise zum Entdecken von Medieninhalten oder Sportinformationen diente. In den Testländern hatten sich vor allem kleinere Medienunternehmen darüber beklagt, dass es ihnen durch das Experiment schwerer falle, Facebook-Nutzer zum Besuch ihrer Websites zu motivieren.

Nicht die erste Newsfeed-Anpassung, nicht die letzte

Deutsche Nutzer hatten während der Tests weiter ihren normalen Newsfeed, sie konnten jedoch auf Wunsch einen zusätzlichen, neuen Nachrichtenstrom abrufen, den sogenannten Entdecker-Feed. Trotz der Namensähnlichkeit hat der deutsche Entdecker-Feed nichts mit dem "Explore Feed" zu tun, der in sechs anderen Ländern getestet worden ist.

Beim deutschen Entdecker-Feed wurden den Nutzern weltweit Inhalte von Seiten angezeigt, die ihnen bisher kein "Gefällt mir" wert waren. Adam Mosseri zufolge wird der Entdecker-Feed nun jedoch eingestellt. Der Feed sei "kein effektiver Weg" für Menschen, auf neue Inhalte zu stoßen, habe Facebook feststellt.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg hat in jüngster Zeit einige Veränderungen am Newsfeed in Gang gebracht: Anfang des Jahres beispielsweise kündigte Zuckerberg an, dass das Netzwerk die Beiträge von Freunden im Vergleich zu den Meldungen von Firmen und Medien wieder stärker in den Vordergrund rücken will.

Ideen zum Newsfeed-Umbau testet Facebook immer mal wieder - mal in bestimmten Ländern, mal mit bestimmten Nutzergruppen. Im Mai 2016 etwa konnten wir zufällig eine Version des Netzwerks ausprobieren, die zu Schlagworten wie "Lustig", "Politik" und "Fernsehen & Filme" jeweils eigene Feeds bot:

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12  Bilder
Newsfeed-Experiment: Wie Facebook bald aussehen könnte

mbö/Reuters



insgesamt 2 Beiträge
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reifenexperte 02.03.2018
1. Facebook hat nur ein Ziel:
die Nutzer länger zu beschäftigen und dadurch höhere Erträge zu generieren. Der Nutzer wird ausschliesslich aus diesem Gesichtspunkt gesehen.
MartinS. 02.03.2018
2. ...
Na das ist ja mal eine überraschende Erkenntnis. Facebook möchte also, dass die Nutzer sich umfangreicher binden.... das ist ja quasi, als ob Edeka will, dass die Kunden mehr Produkte kaufen. Skandalös eigentlich! Jetzt kommt aber noch der wirkliche Knackpunkt. Wenn der Kunde sich tatsächlich länger mit facebook beschäftigt - ist dies nicht sogar ein ganz klares Zeichen dafür, dass somit auch dem Kundenwunsch entsprochen wird? Dann sind ja alle glücklich....
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