Persönliches Archiv: Facebook bietet Datenauswahl zum Download an

Ein bisschen mehr Transparenz: Facebook lässt seine Nutzer die über sie gespeicherten Daten herunterladen. Die Funktion wurde nun erweitert - so schreiben es Gesetze vor. Kritiker sprechen dennoch von einer "Mini-Auskunft" und einem "vermeintlichen Gnadenakt".

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Facebook-Logo: Was hat der Konzern gespeichert?

Hamburg - Facebook bietet seinen Nutzern den Download bestimmter über sie gespeicherter Daten an. Die Möglichkeit, gesammelte Daten abzurufen, gibt es nach Angaben von Facebook bereits seit 2010. Diese sei nun erweitert worden, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Damit kommt der Konzern europäischen Datenschutzregeln nach.

Das Archiv umfasst Fotos, Videos, Nachrichten, die Freundesliste und die eigene Pinnwand. Außerdem sollen Nutzer ein erweitertes Archiv herunterladen können, in dem "Log In und Log Out Informationen - Daten der IP Adressen, von denen sich ausgeloggt wurde" sowie "Datr-Cookie Informationen" gespeichert sind. Diese Informationen waren bisher nicht Bestandteil des Archivs. Auch ältere Profil-Informationen, die Facebook weiterhin speichert, sind nun enthalten.

Zu finden ist die Möglichkeit, sich ein solches Facebook-Archiv herunterzuladen in den Kontoeinstellungen von Facebook und dort wiederum ganz unten auf der Seite Allgemeine Einstellungen ("Lade eine Kopie deiner Facebook-Daten herunter").

Kommentare, die ein Facebook-Nutzer auf anderen Profilen oder Seiten hinterlässt, gehören nicht zum Datenarchiv. Facebook will den erweiterten Download nach und nach allen Nutzern zur Verfügung stellen. Außerdem kündigte das Unternehmen an, künftig weitere Kategorien zu ergänzen.

Die Initiative "Europe versus Facebook" nannte die Download-Funktion einen "vermeintlichen Gnadenakt". Mindestens 84 Datenkategorien gebe es, so die Initiative. Facebook stelle nur einen Bruchteil der Daten bereit, die über Nutzer gespeichert werden. Ein österreichischer Student hatte, bevor die Download-Funktion eingeführt wurde, schriftlich bei Facebook eine Kopie der über ihn gespeicherten Daten angefordert.

Facebook schickte ihm daraufhin eine CD zu - mit 57 Datenkategorien. Mehr wollte das Unternehmen mit Verweis auf das Geschäftsgeheimnis nicht preisgeben. In der Folge hatten mehrere Zehntausend Nutzer ihre Daten bei Facebook angefordert, woraufhin die Download-Funktion eingeführt worden war.

Diese enthielt jedoch noch weniger Kategorien. In einem Bericht des irischen Datenschützers, der für die Europazentrale von Facebook zuständig ist, wurde dies bemängelt. Nun stellt Facebook 39 Datenkategorien bereit, wie gefordert.

Die Initiative spricht trotzdem von einer "Mini-Auskunft" und hält diese sogar für "klar gesetzwidrig".

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1. Löschfunktion
sunrise1873 12.04.2012
Zitat von sysopDPAEin bisschen mehr Transparenz: Facebook lässt seine Nutzer die über sie gespeicherten Daten herunterladen. Die Funktion wurde nun erweitert - so schreiben es Gesetze vor. Kritiker sprechen dennoch von einer "Mini-Auskunft" und einem "vermeintlichen Gnadenakt". http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,827121,00.html
Sie sollten mal lieber eine Löschfunktion anbieten - aber sowas verstecken sie ja lieber, wie bei Seite, über die man seine importierten Adreßbuch-Kontakte löschen kann (https://www.facebook.com/contact_importer/remove_uploads.php) oder der versteckten Funktion, wie man überhaupt seinen Account restlos löschen kann... Doch halt... restlos? Man merkt immer wieder, daß sie überhaupt nichts löschen. Ich hatte mich nach einem halben Jahr über eine andere email adresse neu angemeldet, nachdem ich meinen Account gelöscht hatte und sieheda - zielgerichtet wurden mir sämtliche "kennst Du XY?" Kontaktvorschläge von damals gemacht. Das heißt, sie haben sämtliche Kontaktdaten von damals behalten. Alles andere sicherlich auch. Nein, also das Netzwerk ist für mich gestorben, ein Anbieter, der selbst meine Geodaten mittrackt, meine Interessen ausspioniert, meine Freundesbeziehungen analysiert - auch in Hinblick auf Kontaktintensität. Das Smartphone wird zur Ortungswanze. Hier werden nach meinem Empfinden schlimmste Orwellsche Visionen Wirklichkeit... Es ist doch pervers, daß irgendwo ein Server steht, aus dem man im Grunde ein halbes Leben herauslesen kann... Ich frage mich, wer sich freiwillig an so einer Totalüberwachung beteiligt - gleichzeitig dann aber gegen sowas wie Vorratsdatenspeicherung sein will... Konsequenterweise sollte man soetwas sein lassen - solange man nicht die Herrschaft über seine eigenen Daten hat. Was nutzt es mir, daß ich sie herunterladen kann, gleichzeitig aber alles gespeichert bleibt - was sich meiner Kontrolle entzieht. Mittlerweile habe ich für mich sogar erkannt, daß ich keine sozialen Netzwerke brauche - oder ich gehe zu den Netzwerken aus der Vor-Facebook-Zeit zurück... da gibt es ja zu jedem Zweck auch weitaus brauchbarere Alternativen als so eine unspezialisierte Allround Community...
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