Facebook-Datenskandal Liebe Leserin, lieber Leser,

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der junge Mann hat die gleichen rotbraunen Haare und ein ähnlich blasses Gesicht wie Mark Zuckerberg. Doch im Datenskandal um Facebook und die umstrittene Analysefirma Cambridge Analytica ist Aleksandr Kogan, 32, der Gegenspieler des Facebook-Chefs. Kogan selbst würde vermutlich sagen: der Buhmann.

Bisher war von diesem Buhmann nichts zu hören, nur sein Name geisterte durch die Weltpresse. Es war Kogans App thisisyourdigitallife, von der aus Daten von geschätzt bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern weltweit zu Cambridge Analytica gelangt sein sollen. In einer Stellungnahme kurz nach Bekanntwerden des Skandals beschuldigte Facebook den Wissenschaftler der Cambridge-Universität schwer: "Aleksandr Kogan hat uns belogen und unsere Plattformregeln verletzt." In einer Senatsanhörung machte auch Zuckerberg persönlich Kogan zum Sündenbock.

imago/STPP

Nun hat Kogan via "Buzzfeed" sein Schweigen gebrochen: Er denke über eine Verleumdungsklage nach und wirft Facebook Heuchelei vor. Er gebe zu, Facebooks Nutzungsrichtlinien verletzt zu haben, sagt Kogan. Etliche andere Firmen hätten das aber auch getan.

Auch wenn seine Argumentation ihn nicht von Schuld freispricht, nennt Kogan doch interessante Details, die Facebooks Distanzierungsversuche von dem in Ungnade gefallenen Wissenschaftler infrage stellen. Vielmehr habe es vielfältige Verstrickungen zwischen Kogan und dem Netzwerk gegeben, mehrmals will er die Firmenzentrale in Menlo Park besucht und unter anderem Vorträge gehalten haben.

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Kogan schießt bei "Buzzfeed" auch gegen Whistleblower Christopher Wylie, der den Skandal ins Rollen und Kogan in Misskredit gebracht hat. Wylie sei nicht der Datenexperte, als der er sich in der Öffentlichkeit geriere: "Wenn Chris ein Datenforscher ist, bin ich eine Mode-Ikone", zitiert "Buzzfeed" Kogan. "Und ich trage meistens eine Jogginghose."

Ob Kogan auch vor dem britischen Parlament zu Scherzen aufgelegt sein wird? Am Dienstag jedenfalls sagt er vor einem Ausschuss zur Affäre aus. Aleksandr Kogan könnte Facebook noch jede Menge Ärger bereiten.


Seltsame Digitalwelt: Zurück zum Radiowecker

Lange Zeit war mein Smartphone mein Wecker und lag folglich - im Flugmodus - auf meinem Nachttisch. Das wollte ich ändern und kramte meinen alten Radiowecker hervor. Dessen Bedienung ist aber tückisch und absolut nutzerfeindlich, wie ich vergangene Woche schmerzhaft erfuhr. Beim Einstellen der Weckzeit verstellte ich unbemerkt auch die Uhranzeige selbst - statt 23 Uhr war es plötzlich schon Mitternacht. Doch ich merkte nichts und ging schlafen.

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker um sieben Uhr seiner neuen Zeitrechnung. Ich machte mich verschlafen fertig. Auf dem Weg zur Tür dann der erste Blick aufs Smartphone - es war erst halb sieben, nicht schon halb acht, wie der Wecker mir weismachen wollte. Seit diesem Moment ist klar: Ich brauche Ersatz!


App der Woche: Taskade
getestet von Tobias Kirchner

Taskade

Taskade hilft dabei, Projekte zu organisieren oder Ideen festzuhalten. Auf einer selbst erstellten Checkliste lassen sich nach und nach die verschiedenen Punkte abhaken - oder die eigenen Gedanken sammeln. Die Listen können mit Freunden oder Kollegen geteilt werden, Änderungen werden in Echtzeit übernommen. Dank einer Chatfunktion kann man sich so schnell austauschen.

Gratis, ohne In-App-Käufe: iOS, Android


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  • "Die Androidenguerilla übernimmt" (Deutsch, vier Leseminuten)
    Können Maschinen ein Bewusstsein entwickeln? Dieser Frage geht "Westworld" auf grandiose Weise nach: "Zeit Online" widmet sich der zweiten Staffel der Serie, die heute startet.
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    Die App Musical.ly ist bei jungen Mädchen und Kindern beliebt. Doch das Netzwerk für selbst gedrehte Musikvideos bietet Missbrauchspotenzial, wie dieser Artikel auf "Mobilsicher" beschreibt.
  • "Gefälschte Adblocker" (Deutsch, zwei Leseminuten)
    Ein Sicherheitsforscher hat entdeckt, dass sich Millionen Nutzer Schadsoftware über einen besonders fiesen Weg eingefangen haben: Eigentlich wollten sie einen Adblocker installieren, berichtet "Motherboard".

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche,

Angela Gruber

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